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Bilanz : Bachelor und Master an deutschen Unis

Sitzreihen in einem Hörsaal

Seit 2002 gelten Bachelor und Master als gleichberechtigte Abschlüsse an deutschen Hochschulen. Die seit Jahrzehnten größte europäische Hochschulreform "Bologna" wird demnächst abgeschlossen: In Deutschland waren im letzten Wintersemester 85 Prozent der mehr als 15.000 Studiengänge bereits umgestellt. Nach zehn Jahren wird deutlich: Die Studienzeiten sind kürzer, deshalb sind mehr junge Frauen und Männer an einem Studium interessiert. Die Mobilität der Studierenden in Europa steigt. Aber es zeigen sich auch Mängel:

Studium wird als stressiger empfunden - Hohe Abhängigkeit

Kurz vor dem Beginn der Vollversammlung der protestierenden Studenten an der Technischen Universität Dresden sitzen Studenten am Dienstag (08.12.2009) in einem besetzten Hörsaal. Die Studenten wollen heute einen Forderungskatalog vorstellen. Die Forderungen sind Ergebnisse der anhaltenden Kritik an den neuen Bachelor-und Masterstudiengängen. Foto: Ralf Hirschberger dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
Studierende besetzen einen Hörsaal, protestieren gegen die Studienbedingungen.

2009 hat das Deutsche Studentenwerk Bilanz gezogen und einen Vergleich mit den Diplomstudiengängen angestellt. Danach schätzten 61 Prozent der Befragten die zeitliche Belastung als hoch, 18 Prozent als zu hoch ein. Bei den früheren Diplom- und Master-Studierenden war diese Einschätzung seltener. 51 Prozent sehen eine hohe zeitliche Belastung, 11 Prozent eine zu hohe Belastung. Eine Erklärung findet das Studentenwerk in der Struktur und empfunden Kleinteiligkeit des Studiums. Bachelor-Studierende beklagen demnach mangelnde Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten.

Die höhere Belastung führt laut Studie auch dazu, dass bei den Universitätsstudierenden die Eltern mehr Geld zusteuern als bei den früheren Studiengängen. Das hängt damit zusammen, dass diese Studierenden weniger Zeit einsetzen, um zum eigenen Nebenverdienst zu kommen. Nur 52 Prozent der Befragten arbeiteten neben dem Studium. Früher waren es 62 Prozent. Bachelorstudierende sitzen dafür auffällig mehr Stunden bei Vorlesungen ab. Bei den Studierenden an Fachschulen gilt das so nicht. Ein Viertel der monatlichen Einnahmen dieser Studierenden wurde laut Befragung durch einen Nebenerwerb erzielt.

Bologna - eine europäische Reform

Im Sommer 1999 beschlossen die Bildungsminister von 46 europäischen Staaten in Bologna, einen tiefgreifenden und weitreichenden Reformprozess mit dem Ziel anzustoßen, bis zum Jahr 2010 einen Europäischen Hochschulraum zu errichten.

Die Reform fördert laut Bundesbildungsministerium die Mobilität der Studierenden. Die Zahl deutscher Studierender, die im Ausland eingeschrieben sind, hat sich von 1999 auf 2009 mit 115.500 nahezu verdoppelt. Am Erasmus-Programm nehmen fünf Prozent mehr Studierende teil. Etwa ein Drittel aller Studierenden an deutschen Hochschulen sammelt inzwischen Auslandserfahrung. Umgekehrt steigt die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende: Ihre Zahl überstieg 2011 zum ersten Mal 250.000. Im Zuge von Bologna hat sich auch die vollständige Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen deutlich verbessert (von 41 Prozent in 2007 auf 66 Prozent in 2011).

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2012, 22:21 Uhr

Studiendauer

Mit dem Bachelor kann ein berufsqualifizierender Studienabschluss nach deutlich kürzerer Zeit erreicht werden: Die Hälfte der Absolventen schaffte ihren Bachelor-Abschluss im Jahr 2010 nach maximal 6,5 Semestern. Beim Universitäts-Diplom brauchte die Hälfte der Studierenden bis zum Abschluss bis zu 12,2 Semester. Durch die Bologna-Reform liegt die durchschnittliche Studienzeit damit nahe der Regelstudienzeit.

Master

Die Bachelor-Master-Struktur ermöglicht es Absolventen, ihre Karriere flexibler zu planen. Sie können sowohl einen Master anschließen als auch direkt und deutlich früher als bisher in den Beruf einsteigen, um zum Beispiel nach entsprechender Praxiserfahrung später ein berufsbegleitendes Masterstudium zu absolvieren. Zurzeit schließen viele Bachelors eine weitere Qualifikation - in der Regel ein Masterstudium - an (54 Prozent FH, 77 Prozent Universität). Hierfür erhalten aktuell 90 Prozent einen Studienplatz sowohl an der Wunschhochschule als auch im Wunschfach. Die Zahl der Masterstudiengänge hat sich von 4.713 im WS 2010/11 auf 5.379 im WS 2011/12 erhöht.

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