MDR 1 RADIO SACHSEN | 04.09.2012 | 20:00 Uhr : Dienstags direkt: Müssen wir Bildung neu definieren?
Bei "Dienstags direkt" diskutierte Kathleen Rothe mit ihren Gästen die Frage, ob Bildung nicht neu definiert werden muss. Woran sollte sich eine Ausbildung orientieren? Und welche Werte sollten vermittelt werden?
Als Universalgelehrter kam Goethe erst nach vielen Jahren zu dieser Erkenntnis. Heute versuchen wir das Wissen von Generationen im Eilverfahren zu vermitteln. Mit der Konsequenz, dass manches auf der Strecke bleibt. Und so stellt sich die Frage, wie moderne Universitäten und Hochschulen organisiert sein müssen, damit ihre Absolventen ohne gravierende Bildungslücken entlassen werden? Worauf sollte man die Schwerpunkte legen?
Fakten contra Fähigkeiten
Allein das Beschreiben physikalischer Gesetze, mathematischer Formeln oder chemischer Reaktionen qualifiziert kaum einen zum kompetenten Wissenschaftler oder Mitarbeiter. Aber was macht eine optimale Qualifikation dann aus? Und wie erwirbt man sich im Laufe des Lebens neben dem Fachwissen auch Werte wie Kreativität, Respekt und ethische Verantwortung? Welchen Mitarbeiter suchen international agierende Unternehmen?
Wunsch und Wirklichkeit
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Unternehmen Fachkräfte aus allen Teilen der Welt rekrutieren können. Faktenwissen reicht da sicherlich nicht mehr aus, um sich im Konkurrenzkampf um interessante und gut bezahlte Jobs durchzusetzen. Aber wie sieht es mit den Anforderungen der Arbeitgeber aus? Sind die überhaupt realistisch? Ist es möglich, mit Mitte zwanzig bereits neben Auslands- und Berufserfahrung, ein Studium an verschiedenen Unis, jede Menge Praktika und natürlich einen guten Abschluss vorweisen zu können?
Abschluss oder Abbruch
Mit dem Bolognasystem haben wir uns hierzulande weitgehend vom bekannten Diplom verabschiedet. Die neuen Abschlüsse heißen Bachelor und Master. Im Grunde genommen keine unbekannten Abschlüsse, in vielen Ländern sind diese schon immer die Regel. Allerdings hat die Jagd nach Credits in drei Jahren auf dem Weg zum Bachelor ihre Tücken. Volle Hörsäle sind eine Hürde, auf der anderen Seite bleibt kaum Zeit, um sich umfassend zu bilden. Das ist jedenfalls die Kritik, die immer lauter wird. Was heißt es, einen Bachelor oder Master in der Tasche zu haben? Warum kehren manche Unis wieder zurück zum Diplom? Und woran liegt es, dass viele Studenten die Uni ohne Abschluss verlassen?
Bildung und Arbeitsmarkt
Ist vielleicht mit dem Bolognaprozess die umfassende Bildung in der Tradition des Humboldtschen Bildungsideals endgültig zu Grabe getragen worden und stehen nicht ausschließlich Arbeitsmarktqualifikationen und ökonomische Interessen des Marktes im Vordergrund? Gibt es unter Umständen ganz andere Gründe, weshalb sich die Studienbedingungen verändert haben müssen, beispielsweise wegen der überaus hohen Zahl an Studenten, die immatrikuliert sind? Ist vor diesem Hintergrund eine individualisierte und umfassende Ausbildung noch möglich?
Mit welchen Voraussetzungen sollten Abiturienten zur Uni kommen? Entlassen die Schulen junge Menschen, die den steigenden Anforderungen der Unis gewachsen sind?
Der Chat zur Sendung
04.09.2012 | 20:00-23:00 Uhr
