Programm

MDR 1 RADIO SACHSEN |Dienstags direkt | 11.09.2012 | 20:00 Uhr : Freitod? Selbstmord?

Wenn ein Mensch seinem Leben ein Ende macht - ist das sein gutes Recht oder entzieht er sich der Verantwortung? Über diese schwierige Frage möchten wir mit Ihnen und Experten am Dienstag diskutieren.

Symbolbild: Freitod, eine Hand die aus dem Wasser ragt

Unsere Studiogäste am Dienstag:

  • Dr. Ute Lewitzka - Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Dresden, Leiterin der Arbeitsgruppe "Suizidforschung".
  • Pfarrer Hans-Christoph Werneburg, Notfallseelsorger
  • Die Eltern von Jana Bürgelt, die vor zwei Jahren ihr Leben beendete

Zum Thema:

Der Bahnhof voller Menschen. Plötzlich kommt die Information: der Zug hat Verspätung. Manchmal ist dann ganz lapidar von einer Betriebsstörung die Rede und kaum jemand ahnt, was wirklich gemeint ist. Es ist die Umschreibung für eine Tragödie. Ein Mensch hat sich absichtlich überrollen lassen. Was muss in einem Menschen vorgehen, der dem heranrollenden Zug nicht reflexartig ausweicht?

Die Nachbarn sagen, er war gesellig und hilfsbereit, ein grundsolider Geschäftsmann. Aber in den letzten Tagen war er etwas merkwürdig, stiller als sonst, etwas ruppig zu den Kindern und auf dem Weg zur Arbeit ist er abgebogen. Kurze Zeit später war er der Grund für eine Betriebsstörung. Er hat sich das Leben genommen. 

Annette und Frank Bürgelt
Annette und Frank Bürgelt, Die Eltern von Jana Bürgelt, die vor zwei Jahren ihr Leben beendete.

Das passiert mehr als 10.000 Mal im Jahr. Alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Trotzdem spricht kaum jemand über diese Schicksale, die Familien, die Freunde, all jene, die zurückbleiben und meist das Gefühl haben, versagt, die Signale übersehen zu haben. Welche Anzeichen gibt es für Selbsttötungsgedanken und sind diese wirklich unmissverständlich? Können Partner, Geschwister oder Bekannte eingreifen oder müssen in jedem Fall Ärzte, Psychologen oder Pfarrer aktiv werden?

Wer kümmert sich um den Lokführer, der kurz vor dem Aufprall noch die Augen des Mannes sah, der plötzlich vor ihm auftauchte? Ein Bild, das er wohl nie vergisst. Müssen wir akzeptieren, dass Menschen den "Freitod" wählen, dass sie eine solche Entscheidung treffen dürfen? Kann eine Entscheidung über das eigene Leben wirklich frei erfolgen? Welche Rahmenbedingungen bringen Menschen zu diesem Schritt – eine Krankheit, Schulden, Trennung?

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2012, 23:49 Uhr

Agus-Gruppe Dresden für Suizidtrauernde

Treff ist jeden 4. Dienstag im Monat ab 19 Uhr im KISS Dresden auf der Ehrlichstraße 3, Raum 3.

Tel.: 0351-4113343
E-Mail: kaiwerner@t-online.de

Telefonseelsorge

Tel.: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222

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