Zahl der Inobhutnahmen steigt : Sachsens Jugendämter müssen öfter in Familien eingreifen
Im Vergleich der drei sächsischen Großstädte sind im vergangenen Jahr vom Leipziger Jugendamt die meisten Kinder betreut worden. Das hat eine Umfrage ergeben. Demnach wurden 2011 in Leipzig 700 Mädchen und Jungen zeitweise außerhalb ihrer Familien betreut. In Dresden waren es in dieser Zeit 553 Kinder, in Chemnitz 391 Fälle.
Mehr drogenabhängige Eltern in Chemnitz
Als häufigster Grund dafür, dass Jugendämter Kinder aus ihren Familien nehmen und betreuen, wird eine Überforderung der Eltern genannt. Der Anteil lag in Leipzig bei knapp 40 Prozent, in Dresden bei rund einem Drittel. Beziehungsprobleme der Eltern untereinander galten in Dresden in 17 Prozent der Fälle als eine Ursache, in Leipzig waren es 13 Prozent. Als weitere Gründe kamen unter anderem Vernachlässigung und Misshandlung sowie Wohnungsprobleme, aber auch Integrationsprobleme in einem Heim oder in einer Pflegefamilie infrage. Das Chemnitzer Jugendamt ergänzte, dass zunehmend drogenabhängige junge Eltern den Alltag mit kleinen Kindern nicht entsprechend dem Kindeswohl gestalten könnten und diese vernachlässigten.
Mehr Kinder in Obhut genommen
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Sachsen 2.301 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. 2010 waren es laut Statistischem Landesamt fast 200 Fälle weniger. Die Behörden übernehmen die Verantwortung für die Kinder dann, wenn nach Einschätzung der Mitarbeiter das Wohl der Kinder und Jugendlichen gefährdet ist. Sie werden im Kinder- und Jugendnotdienst oder in ausgewählten Familien unterkommen. Eine weitere Möglichkeit der Unterbringung besteht mitunter auch bei Verwandten, Nachbarn und Freunden der Eltern, wenn dort das Wohl des Kindes garantiert werden kann.
