Kriminalitätsstatistik : Drei Kinder werden jede Woche getötet
In Deutschland sind im vergangenen Jahr 146 Kinder getötet worden. 72 Kinder wurden Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags. Das geht aus einer polizeilichen Kriminalstatistik zu kindlichen Gewaltopfern hervor, die am Dienstag vom Bund Deutscher Kriminalbeamter und der Deutschen Kinderhilfe vorgestellt wurde. Statistisch gesehen gibt es jede Woche drei Fälle vorsätzlicher oder fahrlässiger Kindstötungen.
Die polizeilich gemeldeten Fälle körperlicher Misshandlung von Kindern sind im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf knapp 4.100 Fälle gesunken. Beim Besitz von Kinderpornographie gab es hingegen einen einen Anstieg um 23 Prozent. Hinzu kommt, dass in den Bereichen Kindesmisshandlung und Kinderpornographie von einem großen Dunkelfeld ausgegangen werden muss.
Forderung nach konsequenter Strafverfolgung
Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte: "Täglich elf misshandelte und 39 sexuell missbrauchte Kinder sowie 17 Fälle der Kinderpornographie sind eine erschreckende Bilanz. Jeder einzelne Fall, jedes betroffene Kind ist eines zu viel." Seiner Meinung nach darf der Schutz von Kindern vor Gewalt und Missbrauch angesichts der zunehmenden Digitalisierung und Internationalisierung der Tatstrafen nicht auf rechtliche oder nationale Grenzen stoßen. "Neben einer konsequenten Strafverfolgung auf nationaler und internationaler Ebene sind daher auch die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gefordert", erklärte Ziercke.
Auch der Kinderhilfe-Vorsitzende Georg Ehrmann forderte im Hinblick auf die noch immer hohe Zahl an Tötungsdelikten eine grundlegende Reform des staatlichen Kinder- und Jugendhilfesystems. Dieses könne in seiner jetzigen Form nicht als funktionierend beschrieben werden, sagte er in Berlin. Es gebe keine bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards, etwa was die Praxis von Hausbesuchen in Familien oder den Umgang mit als gewalttätig bekannten Eltern angehe.
