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Sachsen : Auf ins neue Schuljahr: Hurra?!

In Sachsen beginnt das neue Schuljahr und es stellt sich die Frage, wie Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth Problemen wie Unterrichtsausfall und Lehrermangel begegnen will. Laut Kurth ist der reibungslose Ablauf gesichert. Es seien 650 Lehrer eingestellt worden und für Krankheitsvertretungen stünde ein neues Budget in Millionenhöhe zur Verfügung. Zudem habe Kurth den Einstellungsstopp aufgehoben. Der Sächsische Lehrerverband und die Opposition schauen nicht so optimistisch in die Zukunft. Der Lehrerverband befürchtet vor allem einen massiven Verlust an Bildungsqualität. Außerdem kritisiert er die unangemessene Entlohnung der Lehrkräfte. Für den 7. September wurde deshalb gemeinsam mit der Gewerkschaft GEW zum Warnstreik aufgerufen.

Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.

In Sachsen hat am Montag das neue Schuljahr begonnen. Nach den Schwierigkeiten im vergangenen Jahr erwartet Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth einen weitgehend reibungslosen Start. Der Unterricht sei in ganz Sachsen und in fast allen Schularten abgesichert. Allerdings könne es in einzelnen Fächern dennoch Probleme geben.

Brunhild Kurth
Kurth sieht positiv in die Zukunft

Laut Kurth wurden 650 Lehrer neu eingestellt, um angesichts der Personalnot die gröbsten Lücken zu schließen. Zudem würden weitere 350 Lehrer wieder unterrichten, die bislang in Ganztagsangeboten und der Verwaltung beschäftigt waren. 500 Bewerber mussten laut Kurth abgelehnt werden. Der de facto geltende Einstellungsstopp für Lehrer wurde mit Beginn des neuen Schuljahres aufgehoben. Kurth rechnet mit weiteren 110 freiwerdenden Stellen, die nachbesetzt werden sollen. Auch die mitregierende FDP will in Zukunft neue Lehrer einstellen. Landeschef Holger Zastrow sagte bei MDR INFO, im kommenden Schuljahr würden 55 Lehrer zusätzlich gebraucht. Der Koalitionsvertrag könne nur mit neuen Lehrern umgesetzt werden. CDU und FDP hatten darin vereinbart, die Mittelschule durch Fremdsprachenangebote aufzuwerten.

Millionenbudget für Honorarkräfte

Schwierigkeiten kann es laut Kurth im Laufe des Schuljahres dennoch geben, vor allem wegen kurzfristig erkrankter Lehrer. Um flexibler darauf reagieren zu können gebe es ein neues Budget in Höhe von einer Million Euro. So könnten für langfristig erkrankte Lehrer und Lehrerinnen im Mutterschutz als Vertretung Honorarkräfte eingestellt werden. Auch Ganztagsangebote sollen mit Honorarkräften gewährleistet werden. Im vergangenen Schuljahr lag der Unterrichtsausfall bei etwa 3,4 Prozent. Kurth hatte dies für besorgniserregend erklärt und Gegenmaßnahmen angekündigt.

Mehr Schüler und weniger Klassen

In diesem Schuljahr lernen an Sachsens Schulen rund 443.550 Kinder und Jugendliche. Das sind rund 12.000 Schüler mehr als im vergangenen Schuljahr. Um Lehrer zu sparen, wurden teilweise größere Klassen als bislang gebildet. Damit gibt es im neuen Schuljahr weniger Klassen als 2011/12, obwohl die Zahl der Schüler gestiegen ist. Die Klassenstärken liegen im Schnitt zwischen knapp 20 und 26 Schülern. Der Lernerfolg sei aber nicht zwingend von der Klassengröße abhängig, sagte Kurth, das hätten wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt.

Insgesamt werden im Schuljahr 2012/2013 rund 31.200 Lehrer beschäftigt. Wie viele Lehrer im vergangenen Schuljahr beschäftigt wurden, konnte das Kultusministerium auf Nachfrage nicht mitteilen. Es habe eine Umstellung der Datenbasis gegeben.

Opposition ist skeptisch

Sachsens Opposition hat sich wie erwartet kritisch zu den Vorbereitungen auf das neue Schuljahr geäußert. Linke, SPD und Grüne meinen, dass es trotz der Neueinstellungen immer noch zu wenige Lehrer gibt.

Cornelia Falken von den Linken monierte, die Neueinstellungen würden den Verlust an Lehrern, die in Rente gehen, nicht annähernd ausgleichen. SPD-Bildungsexpertin Eva-Maria Stange sprach laut einer Mitteilung von fahrlässigem Zweckoptimismus der Kultusministerin. Annekathrin Giegengack, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Sächsischen Landtag erklärte, die Situation an den Schulen bleibe langfristig angespannt. Die ersten Schulwochen würden zeigen, inwieweit der Unterricht tatsächlich abgesichert werden kann.

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Warnstreik am Freitag

Kurz nach Schuljahresbeginn könnte es schon zu Unterrichtsausfall kommen. Gewerkschaft und Lehrerverband haben für den 7. September zum Warnstreik vor dem Landtag in Dresden aufgerufen. Bereits am Mittwoch soll es eine Mahnwache vor dem Kultus- und Finanzministerium in Dresden geben. In der Streikankündigung heißt es, Sachsens Lehrer erwarten vom Freistaat Sachsen die Anerkennung ihrer Leistungen. Sie würden nach wie vor nach niedrigeren Entgeltgruppen bezahlt als Pädagogen in anderen Bundesländern. Damit bleibe Sachsen unattraktiv für dringend benötigte junge Lehrer. Der sächsische Finanzminister Georg Unland lehnte bisher sämtliche Gesprächsangebote der Gewerkschaften ab.

Lehrerverband befürchtet Verlust an Bildungsqualität

Für den Sächsischen Lehrerverband gehen die Maßnahmen des Kultusministeriums zudem nicht weit genug. Die Neueinstellungen seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, kämen aber zu spät und seien bei Weitem nicht ausreichend. Nun befürchtet der Verband, dass das neue Schuljahr einen massiven Verlust an Bildungsqualität mit sich bringen könnte.

Eigenen Berechnungen zufolge fehlen bereits zu Beginn des Schuljahres rund 230 Lehrerstellen, um in allen Schularten den Grund- und Ergänzungsbereich vollständig abzusichern. Zudem fehlte es an Vertretungsreserven. Auch der Ergänzungsbereich für AGs, Förderstunden usw. könne nicht vollständig besetzt werden. Klassen, Lerngruppen und Kurse werden zusammengelegt und möglichst auf die maximale Schülerzahl gebracht. Schulen mit geringer Schülerzahl seien von der Schließung bedroht. Hunderte Lehrer wurden, oft gegen ihren Willen, an andere Schulen bzw. Schularten abgeordnet, um den Unterricht dort abzusichern. Und Ganztagsangebote finden nicht mehr in gewohntem Umfang statt, weil Lehrkräfte aus diesen Projekten abgezogen wurden.

Der Haushaltsentwurf plant zudem in Größenordnungen die Verschiebung von Personal zwischen den Schularten. Der Sächsische Lehrerverband warnt eindringlich davor, den Mangel auf diese Weise "gleichmäßig zu verteilen". Jeder Schüler an jeder Schulart hat das Recht auf Unterricht in vollem Umfang, der durch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte erteilt wird.


Themenschwerpunkt: Schule und Bildung in Sachsen

Das neue Schuljahr beginnt. Anlass, sich mit dem Thema "Schule und Bildung in Sachsen" intensiver auseinanderzusetzen. Am Montag diskutiert "Fakt ist...!" im MDR FERNSEHEN, wie gut Sachsens Schulen wirklich sind. Bei MDR 1 RADIO SACHSEN geht es in der Sendung "Dienstags direkt" darum, woran sich Bildung bzw. Ausbildung orientieren sollte.



Audios und Videos zum Themenschwerpunkt "Schule und Bildung"

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2012, 22:37 Uhr

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