MDR 1 RADIO SACHSEN | 16.01.2012 | 13-14 Uhr : Fankongress 2012: Kein Ende im Streit um Pyrotechnik in Sicht
Fans und Fußballverbände haben sich am Wochenende zum größten Fankongress in Berlin getroffen, den es hierzulande bislang gegeben hat. Das Ergebnis: Hohe Professionalität in der Organisation, sachlicher Dialog auf allen Ebenen, Differenziertheit in der Themendiskussion. Die Verbände haben verbal ihre Hand gereicht, die Fans wollen jetzt Taten sehen. Allerdings, in Fragen des Einsatzes von Pyrotechnik in deutschen Stadien trennt beide Lager weiter eine tiefe Kluft. Die Initiative PROFANS fordert weiter ein Erlauben des kontrollierten Abbrennens der Pyrotechnik. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hält an seinem Standpunkt fest, Pyrotechnik in Fußballstadien kategorisch zu verbieten, hat den Dialog hierzu für beendet erklärt. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große begründet die Forderung mit seinen Beobachtungen aus der jüngsten Vergangenheit: "Die Idee der Selbstregulierung durch Fans beim Einsatz von Pyrotechnik ist gescheitert."
Pyrotechnik ist Bestandteil der Fankultur
Der Sprecher der Initiative PROFANS, Philipp Markhardt, sieht den verantwortlichen Umgang mit Pyrotechnik als einen wichtigen Bestandteil der Fankultur, ohne die eine beeindruckende Atmosphäre in den Stadien nicht möglich wäre. Er ist verwundert, dass versucht wird, die Pyroshows in den Fankurven mit Gewalt und Hooliganismus gleichzusetzen. "Damit sind und können wir nicht einverstanden sein", so sein Kommentar auf die Entscheidung des DFB.
Fan-Gruppierungen hatten in der Vergangenheit immer wieder ihrem Wunsch Nachdruck verliehen, Pyrotechnik in den Stadien kontrolliert abbrennen zu lassen. Ihrem Anliegen unter dem Motto: "Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren" hatte der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) unter Verweis auf die Gesetzeslage eine klare Absage erteilt.
Fans kritisieren Sicherheitsbehörden und Polizei
Fans und Fanorganisationen kritisieren immer wieder das Vorgehen der Sicherheitsbehörden und der Polizei in den Stadien. Alexander Bosch von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International: "Die Polizei ist angewiesen, das mildeste Mittel zu wählen, um ihre Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. Davon kann aber nur selten gesprochen werden". Er fordert, dass das Misstrauen zwischen Fans und Polizei abgebaut werden muss, um zukünftig konstruktive Ergebnisse zu erzielen. Der Fanbeauftragte des deutschen Fußballbundes, Gerald von Gorissen, bedauerte, dass die Polizei der Einladung zum Fankongress nicht nachkam, kein Vertreter entsandt wurde. "Es gibt immer noch Vorbehalte, die es zu durchbrechen gilt. Deswegen wäre es schön gewesen, wenn die Polizei hier gewesen wäre", sagte von Gorissen gegenüber MDR 1 RADIO SACHSEN.



