MDR 1 RADIO SACHSEN | Dienstags direkt | 31.07.2012 : Wenn olympische Träume platzen. Lohnt sich die Schinderei für den Sport?
Sie kommen um die Welt, lassen sich bejubeln und baden im Ruhm. Wer denkt dabei daran, dass auch diese Sportler unter enormem Druck stehen? Lohnt sich die Schinderei dafür eigentlich? Was, wenn der Erfolg ausbleibt? Wie geht es weiter?
Nächtelange Parties, geruhsames Aufwachen am Morgen, Kinobesuche, Kuchen schlemmen, Motorrad fahren, Familienidylle am Wochenende – das ist alles tabu, wenn Sportler von den Olympischen Spielen träumen. Dafür bringen sie große Opfer.
Wie weiter, wenn der Erfolg ausbleibt?
Olympische Spiele sind für die meisten Leistungssportler das Größte. Dafür quälen sie sich jeden Tag stundenlang im Kraftraum, Sporthallen oder im Stadion. Doch manchmal fehlen nur ein paar Zentimeter, wenige Sekunden oder Punkte für die Olympianorm, andere sind besser oder eine Verletzung bremst einen aus. Was dann bleibt, ist riesengroße Enttäuschung und die Frage: wofür die ganze Schinderei? Sieger stehen im Licht der Öffentlichkeit, doch die Verlierer sieht meistens keiner. Macht ausbleibender Erfolg einsam? Wer fängt einen auf? Was motiviert einen Athleten dann noch, einen neuen Anlauf zu starten?
Was kommt nach der Karriere?
Längst nicht jeder hat Millionenverträge mit Sponsoren und kann vom Sport leben. Was kommt nach dem Olympiasieg? Wer eröffnet einem neue Perspektiven, wenn der Blick doch jahrelang an der gegenüberliegenden Wand der Turnhalle endete? Reichen Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Anstrengungsbereitschaft aus, um sich beruflich zu etablieren?
Darüber sprachen wir mit Annett Böhm, Judoka und zweifache Olympiastarterin. Sie gewann 2004 Bronze in Athen, Hochspringer Raúl Spank, 2008 Olympiastarter und WM-Dritter von 2009, und Christian Dahms vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig und zuständig für den Leistungssport beim Landessportbund.
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Annett Böhm | ehemalige Judoka
"Ich habe das jahrelange Training, die vielen Reisen zu Wettkämpfen und Trainingslagern nie bereut. Im Gegenteil. Ich konnte dadurch Länder und andere Sportler kennenlernen, unendlich viele interessante Eindrücke mitnehmen und mich selber in meiner Persönlichkeit extrem entwickeln. Ich möchte diese Zeit nicht missen, auch wenn der Einstieg in den Beruf wie ein neues Leben war und ich komplett allein von vorn anfangen musste."
Raúl Spank | Hochspringer
"Momentan gibt es nichts, was ich für den Sport aufgeben würde. In acht Jahren könnte das vielleicht anders sein. Der Sport ist mein Leben und ich lebe für den Sport. Man kann das mit einem Workaholic gleichsetzen. Ich trainiere gern und sehe den Sport nicht als großen Freizeitverzicht. Ob ich viel verpasst habe, wage ich zu bezweifeln."
Christian Dahms | Referent des Direktors am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig, Vizepräsident Leistungssport beim Landesportbund Sachsen
"Leistungssportlicher Wettkampfhöhepunkt und ich nicht dabei? Diese Frage und vor allem die Nachwirkungen sollten für die Karriere der Sportler während und nach dem Sport keinerlei Auswirkungen haben. Vor allem aber sollte bei der dualen Karriere nicht unterschieden werden, ob es sich um olympische und nicht-olympische oder gar paralympische Athleten handelt."
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