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MDR 1 RADIO SACHSEN | Dienstags direkt | 17.07.2012 : Ananas statt Apfel und Malaria statt Grippe: Hebt das Wetter unsere Welt aus den Angeln?

Gewitter und Starkregen, Sonne und Hitzewellen. Der Sommer hält uns in diesem Jahr mächtig auf Trab. Überhaupt scheint es, Wetterkapriolen haben uns fest im Griff. Deshalb war das Wetter unser Thema.

Alle reden übers Wetter. Aber Wetter ist nicht mehr nur das Small-Talk-Thema, wenn einem nichts mehr einfällt. Wetter ist mehr. Unwetter, Temperaturstürze und Dürreperioden sind längst auf Platz 1 der Nachrichten. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte "Klimakatastrophe" gar zum Wort des Jahres 2007. Das Klima und seine Entwicklung ist Anlass für Weltkonferenzen.

Das Wetter wirkt

Aber Wetter und Klima, auch wenn wirtschaftlich, politisch und medial ausgewertet, beschäftigt uns immer noch. Auch wenn es jetzt ganz andere Aspekte sind, die in den Fokus rücken. Da wäre zu einen unsere Gesundheit. Wetterfühligkeit- unter diesem Stichwort wird von einer Migräne bis zum Gelenkschmerz vieles abgetan. Aber was ist Wetterfühligkeit? Noch stärker wird der Einfluss von Wetter und Klima, wenn man auf den Zusammenhang mit der Tierwelt guckt. Die asiatische Tigermücke ist angekommen in Deutschland. Sie gilt als aggressiv und überträgt das West-Nil-Virus, das Gelbfiebervirus, die Erreger der St.-Louis-Enzephalitis, des Dengue-Fiebers und des Chikungunya-Fiebers. Das sind Krankheiten, die in unseren Breitengraden sehr selten waren und meist nur nach einem Auslandsaufenthalt der Patienten diagnostiziert wurden. Welche Tiere werden folgen und welche Krankheiten damit? Deutschland gilt seit 50 Jahren als malariafrei. Das Forschungsinteresse ist diesbezüglich natürlich zurück gegangen. Jetzt besteht Aufholbedarf.

Dem Wetter schutzlos ausgeliefert?

Der Klimawandel wird ganze Länder und Regionen verändern: Spanien könnte austrocknen und in Österreich drohen nach dem Abschmelzen der Gletscher Erdrutsche und Muren. Welche Prognosen gibt es für Deutschland? Wie konkret kann man eine Vorhersage für Sachsen treffen?

Die Winter werden wärmer und die Sommer kühler und dazwischen erwarten uns extreme Wetterlagen - ist das kurz gefasst die Wetterwelt in 100 Jahren? Welche Pflanzen werden verschwinden und welche Tiere? Schon jetzt breiten sich auch bei uns exotische Pflanzen aggressiv aus. Die sogenannten Neophyten verdrängen die einheimischen Arten - wo führt das hin? Was werden wir auf unseren Feldern anbauen? Und was werden wir essen?

Starkregen, orkanartige Stürme und dann wieder Dürreperioden - das Wetter macht, was es will. Können eigentlich noch Prognosen mit einer hohen Trefferquote erstellt werden? Sind die derzeitigen Wetterkapriolen wirklich ungewöhnlich oder haben wir sie früher nicht so wahrgenommen?

Das war unser Thema bei "Dienstags direkt" am 17. Juli 2012.

Die Gäste

Dr. Antje Bergmann

Fachärztin für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Dresden

Dr. Antje Bergmann

"Klimawechsel im allgemeinen und Wetterereignisse im speziellen wie Tsunamis, Hochwasser, lange Hitzeperioden, können unsere Gesundheit nachhaltig beeinflussen. Ich denke besonders an veränderte Allergierisiken durch veränderte Wachstumsperioden und nach Europa getragene Pflanzen (Ambrosia), an Herz-, Kreislaufprobleme besonders bei Älteren durch extrem heiße Sommertage. Hier besteht ein großer Forschungsbedarf, der aktuell erkannt ist."


Achim Bobeth

Referatsleiter Klimaschutz/Klimawandel im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

"Der Klimawandel in Sachsen hat längst begonnen. Er wird bereits in vielen strategischen Entscheidungen berücksichtigt. Die Herausforderung besteht darin, auf der Grundlage unsicherer Erkenntnisse über die weitere Entwicklung des regionalen Klimas tragfähige Zukunftsentscheidungen zu treffen. Klimamodelle können dabei helfen."


Gerold Weber

Deutscher Wetterdienst Leipzig

Gerold Weber

"Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht statistisch gesichert nachweisen, dass auch die Intensität extremer Unwetterereignisse schon zugenommen hat. Zugenommen hat aber auf jeden Fall die Häufigkeit solcher Ereignisse. Das wird unter anderem. deutlich an der hohen Zahl von Wetterlagen mit extremen Starkniederschlägen, die wir seit 1997 in Mitteleuropa beobachten konnten und die zu markanten Hochwasserereignissen führten. Das Oder-Hochwasser 1997, das Weichsel-Hochwasser 2001, das Mulde-Elbe-Hochwasser 2002, das Elbe-Hochwasser 2006, das Oder-Hochwasser 2009, das Oder- und Neiße-Hochwasser 2010."

Interaktiv    

Chatprotokoll vom 17.07.2012: Hebt das Wetter unsere Welt aus den Angeln?

Das Wetter war unser Thema bei "Dienstags direkt". Im Chat konnten Sie Ihren Fragen an unsere Studiogäste stellen. [mehr]



Moderation

Kurzbiografie: Kathleen Rothe

Eine schöne Kindheit in Thüringen, eine abenteuerliche Studienzeit in Sachsen-Anhalt, ein erlebnisreiches Radioleben in Sachsen - Kathleen Rothe ist gespannt auf alles Neue. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2012, 23:40 Uhr

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