Der Redakteur | 08.05.2006

Warum ist das Wasser der Werra noch so salzig?

Die Werra ist bis heute der salzigste Fluss Deutschlands. Der Anteil an Chloridverbindungen ist rund zehnmal höher als der Grenzwert für Trinkwasser und beträgt immerhin noch das Fünffache des Wertes, bei dem sich Süßwasserlebewesen dauerhaft ansiedeln können. Grund ist, wie früher, die Kaliindustrie.

Die Zeiten, als das Werrawasser so viel Salz enthielt wie die Nordsee bei Bremerhaven (gemessen 1965 in Mihla), sind zwar lange vorbei. Auch sind die Thüringer Kaliwerke (bis auf das in Unterbreizbach) geschlossen. Kaliwerke der K + S AG (früher "Kali und Salz AG"), vor allem in Hessen, leiten jedoch nach wie vor ihre Abwässer in den Fluss. Zudem gelangt Salz von den Abraumhalden und unterirdisch verpresstes Kali-Abwasser ins Grundwasser und von dort in die Werra. Der zulässige Grenzwert von 2,5 Gramm Chlorid pro Liter Wasser (was immerhin dem halben Salzgehalt der Ostsee entspricht) wird über das Jahr weitgehend ausgeschöpft. Nur bei Hochwasser ist der Fluss gesund.

Durch den hohen Grenzwert wird sich an der Situation in absehbarer Zeit nichts ändern. Angler beklagen, dass in der Werra so auch nur Regenbogenforellen, Stichlinge, Kaulbarsche und einige Aale überleben. Den eigentlich in der Region beheimateten Fischarten, wie z.B. Bachforelle, Bachneunauge, Barbe und Äsche hingegen ist das Wasser zu salzig. Ein Programm, mit dem Nebenflüsse der Werra wieder zu Laichgewässern dieser Fischarten gemacht werden sollen und für das Thüringen allein vier Millionen Euro aufwenden will, wird von Naturfreunden daher skeptisch gesehen.

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2006, 14:57 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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