Kinotipp | MDR THÜRINGEN - Das Radio | 02.02.2012 : "Zettl"
Michael "Bully" Herbig war schon Mr. Spuck im Film "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1", er war Winnetouch und Abahachi im "Schuh des Manitu", jetzt ist er der "unschlagbar charakterlose" Chauffeur Zettl, aus dem im gleichnamigen Film der Chefredakteur des Onlinemagazins "The New Berliner" wird.
Staraufgebot und hohe Erwartungen
Die Erwartungen an den neuen Film von Erfolgsregisseur Helmut Dietl sind hoch, um so mehr, als sich die Story von "Zettl" an Dietls Erfolgsserie "Kir Royal" aus dem Jahr 1986 anlehnt. Doch kann Zettl wirklich mit dem legendären Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) von 1986 mithalten? Lässt sich der Berliner Politbetrieb von heute ebenso elegant durch den Kakao ziehen wie die Münchener Schickeria der 80er?
Dietl bietet jede Menge Stars auf: Götz George als ziemlich ramponierten Bundeskanzler, Dagmar Manzel als Berliner Bürgermeisterin, von der gemunkelt wird, sie sei eigentlich ein Mann, dazu Karoline Herfurth, Ulrich Tukur oder Harald Schmidt, der einen gemein schwäbelnden Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern gibt. Der Regisseur lässt sogar zwei Kir-Royal-Figuren auftreten: Promi-Fotograf Herbie (Dieter Hildebrandt), der inzwischen im Rollstuhl sitzt, und Schimmerlos-Witwe Mona (Senta Berger). Dennoch, meint MDR 1 RADIO THÜRINGEN Kinoexpertin Christiane Weber, es funktioniert nicht richtig: Statt eines Gag-Feuerwerks sieht man eine Folge kleiner Scherze, die meist wirkungslos verpuffen.
Kritik enttäuscht - Wie reagiert das Publikum?
Fast folgerichtig zeigt sich die Kritik enttäuscht: Die Berliner Medien erkennen ihre Stadt nicht wieder, die Münchner ebensowenig Dietls alte Leichtigkeit. Ab heute hat das Publikum das Wort. Das hatte vor 26 Jahren übrigens die von der Kritik hochgelobte Serie "Kir Royal" links liegen lassen: 18 Prozent Einschaltquote galten in den 1980er Jahren nicht als Straßenfeger.
