Mo 22.05. 2017 22:05Uhr 58:30 min

Fakt ist! Aus Erfurt

Urwald statt Nutzwald – der Streit um den Forst

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Gesprächsrunde - FAKT ist...!
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MDR FERNSEHEN Mo, 22.05.2017 22:05 23:03
Dr. Andreas Menzel und Lars Sänger diskutieren bei "Fakt ist! Aus Erfurt" mit ihren Gästen über die wirtschaftliche Nutzbarkeit und die Erhaltung der Artenvielfalt im Thüringer Wald.

"Bislang hat Thüringen seine Buchenwaldbestände nicht ausreichend geschützt!" ist der Vorsitzende der Grünenfraktion im Thüringer Landtag, Dirk Adams, überzeugt. Das liege auch daran, dass die Grünen in vorherigen Landesregierungen fehlten. Jetzt aber steht im Koalitionsvertrag, dass fünf Prozent der Thüringer Waldflächen sich selbst überlassen werden sollen.

Diese Forderung stammt aus einem Papier der Bundesregierung aus dem Jahr 2014 und werde bereits vom Thüringer Forst umgesetzt, hält dessen Leiter Volker Gebhardt dagegen. Ihn ärgert, dass die grüne Umweltministerin inzwischen an die zehn Prozent Stilllegungsfläche vom Thüringer Forst fordere. Für ihn hat der Wald als erstes eine wirtschaftliche Funktion, da hingen bis zu 40.000 Arbeitsplätze dran. Die Forderung nach einem Urwald ist für den Förster Gebhardt total unbegründet, zumal der Artenreichtum im Wirtschaftswald größer sei als im Urwald.

Der Leipziger Botanik-Professor Dr. Christian Wirth hält fünf Prozent für keine große Fläche, weiß jedoch, dass die meisten Förster sich einen Wald ohne ihre Pflege gar nicht vorstellen können. Er prognostiziert, dass sich für viele Forstmitarbeiter die Aufgabenfelder ändern, sie ihre Arbeitsplätze jedoch behalten können.

Professor Dr. Manfred Niekisch spricht von einer zunehmenden Kommerzialisierung der Forstwirtschaft, der Einhalt geboten werden müsse. Das Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung sieht da den staatlichen Forst in der Verantwortung. Zumindest dort dürfe nicht der maximale Holzertrag im Vordergrund stehen. Das große Ziel sei es, an besonderen Standorten besondere Arten zu erhalten.

Wer hat welche Interessen bei der Nutzung des Waldes? Welchen Sinn haben geschützte Areale mit Urwald? Welcher Anteil der Waldfläche sollte sich selbst überlassen werden?