Do 05.10. 2017 00:25Uhr 119:00 min

"Das Haldern", wie das Haldern Pop Festival liebevoll genannt wird, ist der Fels in der Brandung der deutschen Festivalwelt: unaufgeregt und dabei sehr erfolgreich. Bildrechte: MDR/WDR/Thomas von der Heiden
MDR FERNSEHEN Do, 05.10.2017 00:25 02:23

Rockpalast: Haldern Pop Festival

Rockpalast: Haldern Pop Festival

Die Highlights 2017 - Teil 2

Haldern Pop wird immer wieder als Wohlfühl-Festival tituliert. Seit Anfang der Achtziger feiern hier Indie-Bands mit ihren Fans ein Fest der Musik und der Gemeinschaft. Rockpalast begleitet Haldern Pop seit vielen Jahren - so auch 2017.

Was 1981 als Ministranten unprätentios-Party in Rees-Haldern am Niederrhein begann, wurde zu einer Erfolgsstory, die bis heute anhält. Unter Fans von Indie- und Singer/Songwriter-Sounds gilt das Haldern Pop als eines der besten Festivals Europas.

Das Motto dieses Jahr könnte nicht besser gewählt sein: "Be true - not better". Denn bei all dem Ruhm sind das Festival und seine Macher tatsächlich bis heute so geblieben, wie sie von Anfang an waren: entspannt und unprätentiös.

Folgende Künstler sind im 2. Teil mit dabei: The Afghan Whigs, Faber, Bear's Den, BadBadNotGood und Penguin Café.

* The Afghan Whigs
Indie-Rock aus den USA
Greg Dulli und seine Band haben eine ganze Generation von Rockmusikern mit ihrer intensiven Mischung aus Soul, Grunge und Indie Rock beeinflusst. Mitte der Achtziger gegründet, sorgten sie vor allem Anfang und Mitte der Neunziger für großes Aufsehen in der Musikszene.

The Afghan Whigs verstanden es, packenden Rock, der tief im Soul verwurzelt ist, mit der zeitlosen, schwer greifbaren Coolness des Independent-Sounds zu verbinden. Die Texte handelten meist von den Abgründen der menschlichen Seele – von Drogen, Sex und Eifersucht. Dullis oft knallharte, ungeschönten Texte treffen bei den Whigs auf epische Melodien und ganz ruhige, fast jazzige Parts.

Als sich die Whigs 2001 für einige Jahre auflösten, machte der ruhelose Dulli mit seinen Projekten Twilight Singers und Gutter Twins (gemeinsam mit Mark Lanegan) einfach weiter, um seiner aufgestauten Energie in Sachen Rock’n’Roll Luft zu machen.

* Faber
Singer/Songwriter-Pop aus der Schweiz
Er gilt als die große neue Hoffnung des Schweizer Popgeschäfts: Faber. Der Sänger und Gitarrist heißt gebürtig Julian Pollina und tritt neben seinem Pseudonym Faber auch als Jimmy Ragusa auf.

Doch dann hat es sich auch schon mit den Verwirrspielen. Der Rest läuft bei dem jungen Zürcher nämlich sehr geradlinig: Er macht authentischen Singer/Songwriter-Pop, auf Hochdeutsch vorgetragen. Er selbst nennt seinen Sound "Akustik-Punk für Mädchen". Denn bei Faber darf es durchaus auch mal laut und ungestüm werden, aber alles im akustischen Rahmen.

Sein Debüt hat der Selfmade-Man mit Crowdfunding finanziert, und die Schweizer Star-Sängerin Sophie Hunger hat er einfach mal bei einem Konzert angesprochen. Die instinktsichere Indie-Queen nahm Faber vom Fleck weg unter Vertrag, und seither freut der sich über wachsende Beliebtheit und steigende Verkaufszahlen. In seinen Texten, die oft von Themen wie Einsamkeit und Verzweiflung handeln, schafft er den Balanceakt zwischen Schwermut und sanfter Ironie.

* Bear's Den
Folk Pop aus England
Bear's Den sind schon in ihrem Gründungsjahr von 0 auf 100 gegangen. Die drei Londoner Andrew Davie, Joey Haynes und Kevin Jones gründen 2012 ein Folk-Pop-Trio mit Gitarre, Banjo, Drums und dreistimmigem Gesang.

In ihrem bandeigenen Vehikel machen sie sich sofort daran, die kleinen Clubs ihres Heimatlandes zu bespielen und ihren Sound zu finden. Als Vorbilder dienen ihnen die Herren Crosby, Stills, Nash & Young, doch gewisse Ähnlichkeiten zum Sound von Zeitgenossen wie Mumford & Sons sind nicht von der Hand zu weisen. Schon Ende ihres Gründungsjahres stehen die Drei auch genau mit jener Folk-Pop-Erfolgstruppe in der Londoner O2-World auf der Bühne und supporten sie.

Erst nach diesem Riesenerfolg nimmt das Trio die Ergebnisse ihrer Van-Recordings in Wales auf und veröffentlichen sie 2013 unter dem Titel "Agape" als EP. Es folgen Festivalauftritte und Konzerte mit den Kollegen von Mumford & Sons, Arcade Fire, Ben Howard und vielen anderen. Seit 2014 erfreut die Band ihre Fans auch mit ganzen Studioalben.

* BadBadNotGood
HipHop/Jazz aus Kanada
BadBadNotGood gehören zu jenen Bands, die die aktuellen Gegebenheiten der Musikindustrie optimal nutzen. Zuerst waren sie ein Web-Phänomen unter Musik-Nerds, dann wurden sie international bekannt.

Doch von nix kommt ja bekanntlich nix, daher sollte auch erwähnt werden, dass sich Matthew Tavares, Chester Hansen und Alexander Sowinski im Jazz-Programm ihrer Uni in Toronto kennengelernt haben. Bei entspannten Jams im Keller verbinden die drei kanadischen Freidenker so unterschiedliche Stile wie Miles Davis, John Coltrane oder Tyler The Creator.

Um ein bisschen mehr Feedback zu bekommen, stellen sie erste Song-Schnipsel als Videos ins Netz. Dadurch wird ihr großes Vorbild, der US-Rapper und Produzent Tyler The Creator, auf die drei Nerds aus dem Norden aufmerksam und verbreitet die frohe Kunde bei Facebook. Das Trio nimmt den Schwung dankbar auf, geht ins Studio und begeistert mit zwei sehr schnell hintereinander veröffentlichten Alben Kritiker wie Fans.

Seitdem haben die Musik-Checker mit Stars wie Frank Ocean, Bootsy Collins oder Wu-Tang Clan-Mitglied Ghostface Killah gearbeitet, das Glastonbury Festival und Coachella gerockt und immer wieder jede Menge Tracks aufgenommen. Diese Kanadier sind unaufhaltbar. Frei nach dem Motto ihres Landsmanns Chilly Gonzales: "Never Stop".

* Penguin Cafe
Jazz/Folk aus England
Arthur Jeffes versteht seine Band Penguin Café als Nachfolgeprojekt der Avantgarde-Pop-Formation "Penguin Café Orchestra" seines Vaters Simon Jeffes, der 1997 verstarb. Die Band besteht aus über 10 Musikern – vor allem aus dem Umfeld des Royal College Of Music, aber auch aus Mitgliedern von britischen Bands wie Suede und den Gorillaz.

Penguin Café sind seit 2009 aktiv und haben mehrere Alben veröffentlicht. Ihr Sound ist ein Amalgam aus Folk, Jazz und minimalistisch-repetitiven Parts und wirkt vor allem durch seine dichte Atmosphäre.