Do 20.04. 2017 22:05Uhr 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 20.04.2017 22:05 22:35

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Das Kulturmagazin des MDR

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* Das Private ist politisch – Deutsche Kanzler und ihre Familien
Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Bundesrepublik, hatte acht Kinder. Helmut Kohl, Vater zweier Söhne, war in den 70er- und 80er Jahren sehr darauf bedacht, das Ideal der klassischen Kleinfamilie zu demonstrieren, auch wenn es hinter der Fassade in Oggersheim bröckelte. Gerhard Schröder, zum vierten Mal verheiratet, lebte während seiner Amtszeit mit seiner Patchwork-Familie in Hannover und Berlin. Angela Merkel, die erste Frau im Kanzleramt, hat keine Kinder und einen Mann, der als Professor Karriere gemacht hat. Das alles klingt sehr privat, hat aber weitreichende Folgen für die Gesellschaft. Denn die Vorstellungen, die sich unsere Spitzenpolitiker von der Familie machen, haben Einfluss auf unser aller Leben. Die beiden Journalisten Jochen Arntz und Holger Schmale haben darüber ein Buch geschrieben, das jetzt im DuMont-Verlag erschienen ist. artour hat mit Jochen Arntz und dem "Kanzlerfotografen"Konrad Rufus Müller darüber gesprochen, wie die Kanzler ihre Familien präsentierten und wie sehr ihr Privatleben in die Politik hineingespielt hat.

* Wächterhöfe in der Dübener Heide: Landleben auf Probe
Demografen prognostizieren für die Region um den Naturpark Dübener Heide bis 2025 einen Bevölkerungsrückgang von dreißig Prozent. Besonders junge Menschen und Familien verlassen die Dörfer, um in die nahen Großstädte zu ziehen. Um diesem Trend etwas entgegenzusetzen, wurde vor zwei Jahren das Wächterhof-Projekt ins Leben gerufen. Städter, so die Idee, sollen aufs Land ziehen und sich um alte, unbewohnte Höfe kümmern und diese wieder in Stand setzen. Dafür zahlen sie an den Besitzer dieser Immobilie keine Miete. Schöne Idee eigentlich. Vierzehn Höfe stehen zur Auswahl, es gab und gibt viele Interessenten aus Leipzig, Halle und Berlin. Doch die erste Bilanz fällt ernüchternd aus: Nur ein Wächterhof konnte in den letzten zwei Jahren auch tatsächlich vermittelt werden. Warum? Sind die alteingesessenen Hofbesitzer skeptisch gegenüber den Neuzugängen aus der Stadt? Sind die Ansprüche der Städter überzogen? artour hat mit Hofbesitzern und Projektverantwortlichen über die Gründe gesprochen.

* "a cappella" von Leipzig in die Welt – 25 Jahre Vocalensemble Amarcord
Am 21. April startet in Leipzig wieder das Festival "a cappella", das vor bereits zwanzig Jahren von den Leipziger Sängern von Amarcord gegründet wurde. Eine Woche lang sind Vokalensembles aus der ganzen Welt unterwegs, bevor dann in der kommenden Woche der internationale Wettbewerb stattfinden wird. Der Ensemblename der Gastgeber wurde übrigens durch den Titel des gleichnamigen Fellini-Films inspiriert: "Amarcord" heißt "Ich erinnere mich". Auf Ihrem traditionellen Eröffnungskonzert in der Thomaskirche werden Amarcord dann zeigen, was ihr Name eigentlich bedeutet: Fünfstimmig werden sie durch gut tausend Jahre Musikgeschichte führen.

Wir treffen die fünf Sänger im Vorfeld ebendort: in der Jugendstube der einstigen Thomaner. Wir sprechen mit ihnen über das bevorstehende Festival, die Kraft der Musik und über die sehr leisen Töne.

* Wer ist das Volk?
Wir sind das Volk! So lautete die Losung der friedlichen Revolution, damals in Leipzig und anderswo. Wir sind das Volk! So tönte der Schlachtruf bei Pegida. Wer aber eigentlich dieses Volk ist, wer dazugehört und wer nicht, darüber wird gestritten seit biblischen Zeiten - und nach jeweils gültigem Zeitgeist. Der Historiker Michael Wildt hält das Volk als Vorstellung für überholt und spricht von einer Gesellschaft der Einzelnen, die sich miteinander verständigen müssen über das, was sie eint. Sein Zwischenruf zur politischen Parole ist jetzt in seinem Buch "Volk, Volksgemeinschaft und AfD" erschienen, artour hat Michael Wildt in Berlin getroffen.

* Dresden und die Kunst im öffentlichen Raum
Unbarock und groß: Sieben Meter sechsundvierzig hoch soll es werden, das neue temporäre Kunstobjekt auf dem Dresdener Neumarkt mit dem poetisch klingenden Namen: "Denkmal für den permanenten Neuanfang". Die Hebebühnen-Konstruktion des Künstler-Duos Mutter & Genth soll zwei Jahre mitten im Herzen der Stadt zu sehen sein. An jenem geschichtsträchtigen Ort vor der Frauenkirche, auf dem bis Anfang April die zwölf Meter hohen "Alleppo-Busse" des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni für Missstimmung und Konfrontation sorgten. Am 25. April ist die feierliche Eröffnung des neuen Kunstwerks und, diese Vermutung liegt nahe, auch dieses Denkmal wird nicht zur Harmonie in der Stadt beitragen. artour geht in Dresden auf Motivsuche und hinterfragt die Ambitionen zur Kunst im öffentlichen Raum.

Kulturkalender:
* Filmtipp: "Ein Dorf sieht schwarz", Kinostart am 20. April
* Heiner Müllers "Philoktet" als Antike-Projekt am Theater Freiberg
* 12. Festival "Women in Jazz" in Halle vom 22. April bis 1. Mai unter dem Motto: "Triple A - Jazzprojekte aus Amerika, Afrika und Asien"

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