Do 15.06. 2017 22:35Uhr 29:30 min

ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" Wenn Gewalt das Leben verändert

Belastungsprobe für den Glauben

Komplette Sendung

Nah dran: Wenn Gewalt das Leben verändert
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
MDR FERNSEHEN Do, 15.06.2017 22:35 23:03
Film von David Gern

Wenn Albi Roebke vor der Tür steht, heißt das nichts Gutes. Roebke ist Pfarrer und Notfallseelsorger. Nach tödlichen Autounfällen, Familiendramen oder Selbstmord begleitet er die Polizei zu den Hinterbliebenen. Er ist dabei, wenn die Todesnachricht überbracht wird, aber er ist auch noch da, wenn die Polizei wieder gegangen ist. Sein Job ist es, über den ersten Schock, die ersten Tage zu helfen. Doch was kann man überhaupt für Menschen tun, deren Leben gerade zerbrochen ist? Alles, was dran ist, sagt Roebke. Manchmal kann das auch einfach nur bedeuten, eine Pizza zu bestellen.

Menschen zu begleiten, auch in schweren Zeiten, ist für Roebke das Kerngeschäft des Christentums. Dieser Lebensweg war für ihn alles andere als selbstverständlich. Als Jugendlicher war er Punk und als er überraschenderweise begann, Theologie zu studieren, erklärten ihn seine streng atheistischen Eltern für verrückt. Er blieb trotzdem dabei.

Achtzig Einsätze hat Roebke im Jahr. Achtzig Mal Tod, Trauer und Verzweiflung. Wie hält er selbst das aus? Natürlich ist er abgehärtet, aber wenn eines der Opfer die gleichen Sandalen wie sein Sohn trägt, dann geht das auch an ihm nicht spurlos vorbei. Der Glaube könne dem auch keinen Sinn geben, sagt Roebke, der Glaube könne nur helfen, die Sinnlosigkeit auszuhalten.

Etwas anderes kann er auch den Menschen, die er betreut, nicht sagen. Etwa der Frau, deren Sohn ermordet wurde. Bei seinem ersten Besuch hatte sie ihm noch entgegnet, ein Pfarrer sei das letzte, was sie jetzt noch bräuchte. Inzwischen schätzt sie die Gespräche mit ihm. Gläubig sei sie aber immer noch nicht, sagt sie ihm jedes Mal. Leider, fügt sie manchmal hinzu.

"Manche Situationen sind so schlimm", sagt Albi Roebke, "die werden nicht mehr gut. Aber man muss an ihnen nicht zerbrechen. Man kann sein Leben trotzdem auf die Kette kriegen." Roebke weiß, wovon er spricht. Über die Jahre ist er vielen Menschen in extremen Situationen begegnet und hat erlebt, was der Glaube aushält und was nicht. Und er hat auch am eigenen Leib erfahren, was es heißt mit einem schweren Verlust konfrontiert zu werden.

Bilder zum Film

Belastungsprobe für den Glauben: Wenn Gewalt das Leben verändert

Nah dran: Wenn Gewalt das Leben verändert
Albi Roebkes Job ist es, über den ersten Schock, die ersten Tage zu helfen. Doch was kann man überhaupt für Menschen tun, deren Leben gerade zerbrochen ist? Alles, was dran ist, sagt Roebke. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Nah dran: Wenn Gewalt das Leben verändert
Einsatzbesprechung mit der Polizei: 80 Einsätze hat Albi Roebke im Jahr, 80 Mal Tod, Trauer und Verzweiflung. Wie hält er das aus? Was macht das mit seinem Glauben? Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Nah dran: Wenn Gewalt das Leben verändert
Roebke meint: "Für mich ist das Kerngeschäft des Christentums, Menschen zu begleiten und das gilt als Pfarrer in freudigen Ereignissen wie Taufe und Hochzeit. Da gilt in traurigen Momenten, wie Beerdigung und das gilt für mich speziell als Notfallseelsorger dann in den Situationen der Krise und des kritischen Ereignisses. Und was der Mensch glaubt oder nicht glaubt, ist für mich persönlich vollkommen unerheblich." Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Das Albi Roebke Christ und später sogar Pfarrer wurde ist für ihn keine Selbstverständlichkeit. Aufgewachsen ist er in einem atheistischen Umfeld. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Zu manchen seiner „Not-Fälle“ ist der Kontakt nie abgebrochen. So trifft er sich beispielsweise mit Chrissy und ihrem Freund Stephan. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Zwei Jahre ist Stefan jetzt tot. Seine Mutter Petra hat sich eine Gedenkfeier auf dem Friedhof gewünscht. Mit vielen Freunden und einem Erinnerungs-Ritual. Und mit Albi Roebke. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Albi Roebkes Job ist es, über den ersten Schock, die ersten Tage zu helfen. Doch was kann man überhaupt für Menschen tun, deren Leben gerade zerbrochen ist? Alles, was dran ist, sagt Roebke. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Nah dran: Wenn Gewalt das Leben verändert
Die kirchliche Seelsorge hat Bettina und Frank (Bild) geholfen, mit dem Verlust ihres Sohnes David klarzukommen. Sie mussten eigene, tröstliche Rituale finden: „Das ist 'ne Stelle, da hat David zig mal in seinem Leben darauf gewartet, dass sich die Schranke hebt und er zur Schule fahren kann und an dieser Stelle hängt ganz versteckt in einem Baum ein Herz und erinnert daran, wie lange David da immer wieder gestanden hat.“ Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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