Männer und Frauen sitzen in einer Gesprächsrunde
Bildrechte: MDR/Axel Berger

Round Table-Gespräch am 19. Januar 2017 in der MDR-Zentrale in Leipzig Wissenschaft und Medien im Dialog

Auf Einladung der ARD-Vorsitzenden und MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Medientechnik sowie der Medieninformatik in Leipzig

Männer und Frauen sitzen in einer Gesprächsrunde
Bildrechte: MDR/Axel Berger

Neben den Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland, nahmen Vertreterinnen und Vertreter des MDR und der ARD an dem interdisziplinären Dialog teil.

ARD-Vorsitzende Prof. Dr. Karola Wille wies in ihrer Eröffnungsrede auf den tiefgreifenden medialen Wandel hin, der momentan zu beobachten sei und von Martin Stratmann, dem Direktor der Max Planck Gesellschaft, als "Beginn einer Zeitwende" beschrieben werde. Diese Entwicklung habe Folgen für die Kommunikation und Meinungsbildung in Deutschland. Der technologische Wandel habe unter anderem neue Phänomene wie die sogenannten Intermediäre hervorgebracht.

Begriffserklärung: Intermediäre sind in diesem Fall Internet-Plattformbetreiber wie Facebook und Google oder Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon. Ihr Wesen besteht darin, dass sie sich zwischen Inhalteanbieter und den Rezipienten schieben - mit Auswirkungen auf die Kanäle der Informationsvermittlung und auf Auswahl und Relevanz von Inhalten.

Diese habe sowohl Folgen für die gesellschaftlichen Kommunikationsprozesse als auch Auswirkungen auf die Willensbildung sowie die Meinungsvielfalt, so Prof. Dr. Karola Wille. Daneben stelle sich beispielsweise auch die Frage nach der Sicherung des Prozesses öffentlicher Meinungsbildung und nach den Wirkungen von Algorithmen auf die Meinungs- und Willensbildung. Hier sei eine fundierte Analyse geboten, betonte Prof. Dr. Karola Wille.

Ziel der Veranstaltung war, dass sich Wissenschaft und Medien über Themen und Fragen verständigten, die sich aus dem medialen Umbruch ergeben. Darüber hinaus sollten auch Themen und Handlungsfelder bestimmt werden, die möglicherweise gemeinsam bearbeitet werden könnten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen davon aus, dass die Medien, der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Besonderen, immer auch nach ihrer Rolle in der demokratischen Gesellschaft fragen müssen.

Einige der Themenfelder waren:

  • Veränderungen auf dem Gebiet der Verbreitungs- und Empfangstechnik als strategische Herausforderungen für Medienanbieter
  • Veränderungen in der Mediennutzung und in der Erwartung der Menschen gegenüber der Medien und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  • Zukünftige Ausrichtung von Studium/Ausbildung für Berufe in den Medien
  • Medienregulierung zur Absicherung der Rahmenbedingungen für öffentliche Kommunikation unter veränderten medialen und gesellschaftlichen Bedingungen

Unter den Gästen des Round Table, der von Dr. Gerlinde Frey-Vor (Leiterin der MDR Markt- und Medienforschung) moderiert wurde, waren unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft Professor Dr. Oliver Quiring (Universität Mainz), der Sprecher der Forschungsgruppe „Politische Kommunikation in der Online-Welt“, Professor Dr. Gerhard Vowe (Universität Düsseldorf), der Direktor des Hans-Bredow-Instituts Professor Dr. Uwe Hasebrink (Universität Hamburg) sowie die Informatikerin Professor Dr. Katharina Zweig (TU Kaiserslautern).

Am Ende waren sich Wissenschaftler und Medienmacher einig, dass der offene Dialog zu einem gegenseitigen Verständnis ihrer unterschiedlichen Rollen und Aufgaben beigetragen habe. Als konkreten Schritt vereinbarte man eine Fortsetzung des Dialogs und die Entwicklung konkreter Projekte der Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Karola Wille betonte in ihrer Schlussbilanz, dass sie große Hoffnungen auf die Zusammenarbeit von Medienmachern und Wissenschaftlern setze, um tragfähige Antworten auf die drängenden Fragen der Medien und der Gesellschaft zu finden.

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2017, 14:57 Uhr

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