Vioinistin Alina Pogostkina
Bildrechte: MDR/Felix Broede

Violinsolistin Alina Pogostkina im Interview

Nach dem fulminanten Eröffnungskonzert und dem Auftritt im Bautzener Dom St. Petri ist Violinistin Alina Pogostkina noch ein drittes Mal solistisch beim MDR MUSIKSOMMER 2017 zu erleben: am 18. August in der Vogtlandhalle Greiz. Im Interview spricht die 1983 in St. Petersburg geborene und in Deutschland aufgewachsene Geigerin über die nötige Verbindung zum Dirigenten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Atmosphäre beim MDR MUSIKSOMMER.

Vioinistin Alina Pogostkina
Bildrechte: MDR/Felix Broede

Im Rahmen des MDR MUSIKSOMMERS sind Sie bereits als Solistin beim Eröffnungskonzert im Erfurter Dom aufgetreten. Wie haben Sie die Atmosphäre beim Konzert erlebt?

Die Geigerin Alina Pogostkina spielt Peteris Vasks' Violinkonzert "Tala Gaisma" zum Eröffnungskonzert des MDR MUSIKOMMERS 2017 im Erfurter Dom. Dirigent Risto Joost gibt ihr mit seiner Hand (l.) die Einsätze.
Alina Pogostkina beim diesjährigen Eröffnungskonzert des MDR MUSIKSOMMERS im Erfurter Dom Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Alina Pogostkina: Es war eine wunderschöne Stimmung und ein tolle Atmosphäre. Die hallige Akustik des Doms hat für Pēteris Vasks Stück „Tala gaisma“ sehr gut funktioniert und ich habe mich sehr gefreut, wieder mit Dirigent Risto Joost zusammenarbeiten zu können. Wir kennen uns seit fünf Jahren und haben eine besondere Verbindung, die das Musizieren sehr intensiv macht.

Am 18. August treten Sie noch einmal beim MUSIKSOMMER auf, diesmal mit Brahms‘ Violinkonzert unter dem blutjungen finnischen Dirigenten Klaus Mäkelä. Wie wichtig ist Ihnen als Solistin die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis mit dem Dirigenten?

Es ist das Allerwichtigste. Solist, Orchester und Dirigent sind gleichwertige Parteien, aber die Verbindung zum Dirigenten ist essentiell und muss funktionieren. Es entsteht eine ganz andere Qualität der Musik, wenn man sich menschlich verbindet und versucht, auf eine Ebene zu kommen. Das schätze ich inzwischen immer mehr und versuche, die Dirigenten bewusster auszuwählen, mit denen ich zusammenarbeite. Manchmal gelingt dieses Verbinden mit jungen Menschen leichter, deshalb bin ich gespannt auf Klaus Mäkelä. Ich kenne ihn noch nicht, aber ich schätze die finnische Dirigentenschule.

Spielen Sie lieber in einem kleineren Rahmen, wo es ungezwungener ist und man mehr Kontakt zum Publikum hat, oder lieber in großen Sälen mit festlichem Ambiente und viel Publikum?

Das kommt ganz auf das Stück an. Pēteris Vasks Violinkonzert zum Beispiel, das ich beim MDR MUSIKSOMMER im Erfurter Dom gespielt habe, braucht eine Kirche. In einem Kammermusiksaal würde es zwar auch funktionieren, aber es wäre nicht das Gleiche. Es geht oft auch darum, wie viel Intimität ein Stück benötigt oder wie viel Raum es verträgt. Die großen Violinkonzerte von Brahms und Beethoven etwa vertragen einen großen Raum und füllen diesen Raum auch.

Sie sind bei einem weiteren MDR-MUSIKSOMMER-Konzert kurzfristig als Solistin eingesprungen und spielen nun am Freitag Stücke von Bach und Arvo Pärt im Bautzener Dom St. Petri. War die Vorbereitung in der kurzen Zeit stressig?

Ich pauke Pärts „Tabula rasa“ gerade innerhalb weniger Tagen ein und mache jetzt in diesem Moment eine Pause vom Üben. Als Risto Joost mich angerufen hat um zu fragen, ob ich einspringen könne, habe ich kurz überlegt, aber ich freue mich auf die Herausforderung. Ich wollte gern schon länger etwas von Pärt spielen, und wie könnte man die Musik des Esten besser kennenlernen, als mit einem Orchester aus Tallinn und einem Dirigenten, der Pärt persönlich kennt? Da nehme ich den Stress gern in Kauf.

Insgesamt sind Sie in diesem Jahr dreimal beim MDR MUSIKSOMMER zu erleben. Haben Sie rund um die Konzerte auch mal Zeit, sich die Umgebung anzuschauen?

Früher habe ich das gemacht, aber seitdem meine kleine Tochter da ist, fahre ich wirklich so spät wie möglich zu den Konzerten und so früh wie möglich wieder ab.

Lassen sich als Solistin, die viel reisen muss, Beruf und Familie gut zusammenbringen?

Das lässt sich gut verbinden, denn im Moment spiele ich nicht so viel. Ich wähle die Projekte sorgfältig aus, spiele hauptsächlich in Europa und bin dann auch nur für ein paar Tage weg, um danach wieder Zeit für meine Tochter zu haben.

Dirigent Risto Joost umarmt die Geigerin Alina Pogostkina nach dem Violinkonzert von Peteris Vasks beim Eröffnungskonzert des MDR MUSIKOMMERS 2017 im Erfurter Dom.
Alina Pogostkina und Risto Joost, Künstlerischer Leiter des MDR RUNDFUNKCHORS Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Legen Sie die Geige in den Sommermonaten auch mal weg und machen Urlaub, oder sind Sie die ganze Zeit über mit dem Violinkoffer in der Hand unterwegs?

Im Sommer spiele ich bei Festivals wie dem MDR MUSIKSOMMER, habe aber auch zwischendurch mal ein oder zwei Wochen frei und kann dann die Geige weglegen. Ich führe generell kein Leben, wo ich im Sommer urlaubsreif zusammenklappe, sondern ich nehme mir zwischendurch immer wieder Pausen, um neue Kraft zu schöpfen und nicht am Saisonende völlig abgearbeitet zu sein. Dabei hilft mir auch die privilegierte Situation, meine Konzertprojekte aussuchen zu können.

Sie haben in den letzten Jahren zusätzlich Barockgeige bei Reinhard Goebel studiert. Hilft die Beschäftigung mit Alter Musik auch bei der Interpretation zeitgenössischer Musik?

Das Studium der Barockgeige hilft bei fast allem und hat meine Intonation verbessert sowie auch mein Gefühl für die Harmonien, den Rhythmus und die Klangqualität. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung und erleichtert mir auch das Verständnis der Wurzeln von klassischer Musik. Vieles spiele ich jetzt anders, ohne mir dessen bewusst zu sein.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im MDR Fernsehen. MDR | 25.06.2017 | 19:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2017, 11:28 Uhr