Musiksommer

Rückblick | Konzert | 18.07.2012 | Bernburg, Marienkirche : Josquin traf Luther

Obwohl Josquin des Prèz und Martin Luther Zeitgenossen waren, sind sich der franko-flämische Komponist und der deutsche Reformator nie begegnet. Im 22. Konzert des MDR MUSIKSOMMERS fanden sie endlich zueinander, wenn auch nur musikalisch. In der Marienkirche in Bernburg standen am 18. Juli Werke von Josquin, Schein, Schütz und Bach auf dem Programm, die zum Teil auf das evangelische Liedgut Martin Luthers zurückgriffen. Unter der Leitung von Ludwig Böhme sang der Kammerchor Josquin des Prèz, begleitet vom Leipziger Barockorchester.

Josqin des Préz

Auf den ersten Blick könnten die Gegensätze zwischen Josquin des Prèz und Martin Luther kaum größer sein: Josquin, ein langjähriger Diener des Papstes und vermögender Pfründenbesitzer, steht im klaren Kontrast zum kritischen Theologen und Reformator Luther. Erst die Kraft der geistlichen Musik, die für beide die Seele zu erreichen schien, knüpft die Verbindung zwischen den anscheinend so weit voneinander entfernten Persönlichkeiten: "Der ist der Noten Meister!", äußerte sich Luther nachweislich über den Komponisten.

Um seine Musik und das theologische Werk Martin Luthers war das Programm des Konzertes in der Reihe "Lutherorte" gestrickt. Neben Teilen von Josquins "Missa La sol fa re mi" waren u. a. zwei Psalmvertonungen von Heinrich Schütz sowie ein Choral und die Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott" von Johann Sebastian Bach über Kirchenlieder von Martin Luther zu hören.

Wiederentdeckung eines Komponisten

Der Kammerchor Josquin des Prèz aus Leipzig hat sich der Musik seines Namensgebers verschrieben. Seit 2004 finden regelmäßig Konzerte statt, in denen nach und nach das Gesamtwerk des Komponisten der Renaissance aufgeführt und dessen Spannungsverhältnis zu allen nachfolgenden Epochen beleuchtet wird. Presse wie Publikum waren sich nach dem Konzert einig: Die bemerkenswerte musikalische Einfühlsamkeit sowie der homogene, perfekt ausgewogene Klang machten das  Leipziger Vokalensemble zu einem ganz besonderen Chor. Geleitet wurde der Chor von seinem engagierten Chorleiter Ludwig Böhme. Die Solisten hießen an diesem Abend Gesine Adler, Susanne Langner, Tobias Hunger und Tobias Berndt.

Auf den Spuren Martin Luthers

Die neue Konzertreihe "Lutherorte" initiierte der MDR MUSIKSOMMER für die Lutherdekade "Luther2017 - 500 Jahre Reformation". Seit 2008 widmet sie sich jedes Jahr einem anderen Aspekt; 2012 war es "Reformation und Musik". Bei 16 Konzerten in 14 Städten entlang des Lutherwegs und in bedeutenden Predigt- und Lebensorten Martin Luthers setzten erlesene Ensembles wie die Cappella Sagittariana Dresden, der Thomanerchor Leipzig oder die Gächinger Kantorei Luthers Kompositionen und Texte in Bezug zu Bearbeitungen und themenverwandten Werken aus verschiedenen Jahrhunderten.

Konzertreihe: Lutherorte

Mit einer Konzertreihe widmete sich der MDR MUSIKSOMMER erstmals der Lutherdekade 2008 bis 2017 "Reformation und Musik". Gleichzeitig wurde damit auch an einigen Orten des Jubiläums "800 Jahre Anhalt" gedacht. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2012, 11:23 Uhr

Das war das Konzertprogramm:

* Johannes Hermann Schein: "Verleih uns Frieden gnädiglich" Motette
* Josquin Despréz: Missa "La sol fa re mi"
* Heinrich Schütz: "Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn"
* Johann Sebastian Bach: "Wir glauben all an einen Gott" Choral BWV 437
* Heinrich Schütz: "Nun lob, mein Seel, den Herren" Motette
* Johann Sebastian Bach: "Ein' feste Burg ist unser Gott" Kantate BWV 80

Mitwirkende:

Kammerchor Josquin des Préz
Leipziger Barockorchester

Ludwig Böhme | Dirigent
Gesine Adler | Sopran
Susanne Langner | Mezzosopran
Tobias Hunger | Tenor
Tobias Berndt | Bariton

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