Musiksommer

Rückblick | Konzert | 27.07.2012 | Eisenach, Wartburg : Die heilige Zeit im Lied der Reformation

Die Geschichte der Schola Gregoriana Pragensis beginnt 1987, als sich drei junge Tschechen dazu entschließen, dem gregorianischen Choral eine neue Stimme zu geben. Seit mittlerweile 25 Jahren reist das Ensemble durch ganz Europa, um die Musik einer längst vergangenen und vielerorts vergessenen Zeit wieder lebendig werden zu lassen. Ihr Konzert am 27. Juli in Eisenach erinnerte an die Zeit Martin Luthers.

Schola Gregoriana Pragensis

Geistliche Musik überwindet politische Mauern

David Eben, Gründer und künstlerischer Leiter der Schola Gregoriana Pragensis, kann sich noch gut an die ersten Monate des jungen Ensembles erinnern, besonders an die Hürden, die ihnen das politische System damals in den Weg stellte. So war es den Sängern nicht erlaubt, mit ihrem geistlichen Liedgut in einem realsozialistischen Land wie Tschechien Konzerte zu geben. Deswegen sangen sie ausschließlich in Kirchen, wo sie mit Chorälen des frühen Mittelalters Gottesdienste musikalisch umrahmten. Das sei aus heutiger Sicht nicht schlimm gewesen, sagt David Eben, da man gerade in diesem Bereich der Musik den Kontakt zur Liturgie nicht verlieren dürfe. Vielmehr habe die Perspektivlosigkeit gestört. Es sei egal gewesen, sagt er, wie hoch das Niveau des Ensembles ist, in Tschechien hätte es keine Chance auf eine professionelle Karriere gegeben.

Das Jahr 1989 sollte das ändern. Mit der "Samtenen Revolution", die aus der Tschechoslowakei einen demokratischen Staat machte, kam auch die Wende in der Karriere der Schola Gregoriana Pragensis. Endlich durfte das Ensemble auch außerhalb von Kirchenhäusern und Heimatland Konzerte geben. Sein Bekanntheitsgrad wuchs, genau wie das Ensemble selbst und sein Repertoire. Neben den gregorianischen Chorälen widmeten sich die Sänger in mehrstimmigen Gesängen der Notre-Dame-Epoche und Werken aus Renaissance und Reformation. "Wir befassen uns hauptsächlich mit dem Repertoire, das hier in Mitteleuropa entstanden ist", sagt David Eben. "Ab und zu machen wir auch kleine Ausflüge in die Musik des 20. Jahrhunderts, besonders zum Werk meines Vaters, Petr Eben. Denn auch seine Musik ist sehr vom Choral inspiriert, und so lassen sich diese beiden Musikwelten ganz gut verbinden."

Auf den musikalischen Spuren Martin Luthers

In ihrem Konzert auf der Wartburg widmete sich die Schola Gregoriana Pragenesis den musikalischen Veränderungen der Lutherzeit: Ihre Entwicklung hin zu einer  allgemeinverständlichen Liturgie stand dabei genauso im Mittelpunkt wie das Gemeinschaftserlebnis des muttersprachlichen Gesangs im Gottesdienst. Martin Luther war bestrebt, durch deutsche und einfache Liedtexte ein tieferes Verständnis für die Heilige Schrift in der Gemeinde zu erreichen.

Auf dem Konzertprogramm in Eisenach standen Motetten von Johann Walther, Antiphonen zum Gedenken an Magister Jan Hus, Lieder von Jan Traián Turnovský und aus tschechischen Gesangbüchern des 16. Jahrhunderts.

Älteste Reihe des MDR MUSIKSOMMERS

Die mittelalterliche Burg, die über Eisenach thront, bildet die Kulisse für eine ganz besondere Konzertreihe des MDR MUSIKSOMMERS. An dem Ort, an dem Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, spielen ausgewählte Solisten und erstklassige Kammermusik-Ensembles. Die "Konzerte auf der Wartburg" sind die erste und damit älteste Reihe beim MDR MUSIKSOMMER. "Wir haben sie 1993 ins Leben gerufen, und kommen seither immer wieder gern zurück", sagt Oliver Jueterbock, Manager des MDR MUSIKSOMMERS.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2012, 14:45 Uhr

Das war das Konzertprogramm:

Motetten von Johann Walther, Antiphonen zum Gedenken an Magister Jan Hus, Lieder von Jan Traián Turnovský und aus tschechischen Gesangbüchern des 16. Jhdts.

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