MDR MUSIKSOMMER : Norbert Hilger über die Zusammenarbeit mit der nächsten Generation
Wie haben Sie die vergangenen Wochen und Monate der Zusammenarbeit mit den Nachwuchsmusikern empfunden?
Wir haben mit diesem Konzertprojekt eine ganz neue Dimension von Jugendarbeit kennengelernt und gestaltet, die wir so noch nicht hatten. Unsere Idee war von vornherein, kein zweigeteiltes Programm zu gestalten – also die erarbeiteten Werke der Jugendlichen und unsere eigenen Stücke nebeneinander zu stellen –, sondern Kompositionen zu finden, in denen wir gemeinsam musizieren konnten. Das war Neuland für alle Beteiligten; ein mutiges Projekt und auch ein Stück Pionierarbeit, von dem wir hoffen, dass es durch unsere Kollegen in den nächsten Jahren fortgeführt wird.
Was war anders als bei der Vorbereitung eines "normalen" Kammerkonzertes?
Natürlich war ein langer Vorlauf vonnöten. Im engen Kontakt mit den Lehrern haben wir zunächst das Programm festgelegt; die Jugendlichen erarbeiteten dann im letzten halben Jahr die Stücke im Unterricht, wobei wir im Kontakt blieben. In den letzten Wochen, der "heißen Phase", haben wir dann viele Male gemeinsam geprobt. Es gab darüber hinaus viele persönliche Kontakte, auch zu den Eltern – bis hin zu gegenseitigen Übernachtungen.
Und am beeindruckendsten war …
… nach unserer Empfindung das Erlebnis eines wirklich befruchtenden Miteinanders. Für die Jugendlichen war es z.B. eine wichtige Erfahrung, dass Stücke, die auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen mögen, im Zusammenspiel plötzlich ihren Zauber entfalten und unvergessliche Momente bereiten können. Wir dagegen können inzwischen viel besser einschätzen, welches unglaubliche Engagement die jungen Leute entwickeln müssen, um ihre Liebe zur Musik, die Zeit für das tägliche Üben gegen den Schulalltag und die zahlreichen anderen Zerstreuungsmöglichkeiten zu "verteidigen". Am Ende aber ist am berührendsten wohl das emotionale Verhältnis im Zusammenspiel, das mir viel stärker erscheint als unter Berufskollegen. Ich denke, das wird man im Konzert spüren.
