Spielorte

Eine liebenswürdige Atmosphäre zwischen kleinstädtischer Beschaulichkeit und geschäftigem Treiben bestimmt das Zentrum der Bach- und Lutherstadt Eisenach. Ihre Gründung erfolgte vermutlich in Zusammenhang mit dem Bau der Wartburg (1067), einer der bedeutendsten und geschichtsträchtigsten Burgen in Deutschland, die hoch über der Stadt tront. Hier wirkte die heilige Elisabeth, waren berühmte Minnersänger zu Gast.

Die Wartburg

Die Wartburg in Eisenach
Die Wartburg in Eisenach.

Der Sage nach wurde sie im Jahre 1067 gegründet, in der Zeit der Thüringer Landgrafen, deren Herrschaft im 12. Jahrhundert die Länder Thüringen und Hessen vereinte. Von der einstigen Größe dieses fürstlichen Geschlechtes zeugt heute das Hauptgebäude der Burg. Die Ausgewogenheit der Architektur und die Vollendung der über zweihundert Kapitelle weisen den Palast als ein Musterbeispiel spätromanischer Baukunst aus. Daneben sind es spätmittelalterliche Bauteile und besonders die historisierenden Schöpfungen des 19. Jahrhunderts, die das Gesicht der Wartburg unverwechselbar prägen. Doch nicht nur dieser äußere Glanz zeichnet das Bild der bekannten und beliebten Burg. Musik begleitet sie seit Jahrhunderten und ist fester Bestandteil ihrer wechselvollen Geschichte. Seien es der sagenumwobene Sängerwettstreit vor beinahe 800 Jahren, die Lieder Walthers von der Vogelweide und Wolframs von Eschenbach, Martin Luthers Kirchenlied "Ein feste Burg ist unser Gott" oder die kompositorischen Anregungen, die Franz Liszt und Richard Wagner aus der Wartburggeschichte schöpften.

Lassen auch Sie sich bei einem der MDR-MUSIKSOMMER-Konzerte von dem einmaligen Zusammenspiel aus Landschaft, Architektur, Kulturgeschichte und Musik begeistern.

Konzert am 21. Juli: Klarinette & Klavier

Sabine Meyer ist es zu verdanken, dass die Klarinette – früher als Soloinstrument unterschätzt – das Konzertpodium zurückerobert hat. Im Alter von 16 Jahren gab sie ihr Debüt als Solo-Klarinettistin und feierte danach Erfolge bei den bedeutendsten Orchestern im In- und Ausland. Ihr solistisches Repertoire reicht von der Vorklassik bis zur Avantgarde: Sabine Meyer wurden mehrere bedeutende neue Klarinettenkonzerte gewidmet. Außerdem hat die Musikerin fast vergessene, wertvolle Werke für Klarinette wiederentdeckt, u.a. von Berthold Goldschmidt. Auf der Wartburg konzertiert Sabine Meyer gemeinsam mit dem international erfolgreichen türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say.

Konzert am 27. Juli: Die heilige Zeit im Lied der Reformation

Das 1987 gegründete Ensemble Schola Gregoriana Pragensis widmete sich zu Beginn fast ausschließlich dem gregorianischen Choral. Der wachsende Anteil von mehrstimmigen Gesängen bedingte nach und nach eine schrittweise Vergrößerung des Ensembles. Inzwischen interpretieren die Sänger sowohl frühe mehrstimmige Gesänge aus der Notre-Dame-Zeit wie auch Werke aus der Renaissance, der Reformationszeit und gelegentlich der Gegenwart. Im Programm der Schola auf der Wartburg spiegeln sich die musikalischen Veränderungen der Lutherzeit mit ihrer Entwicklung hin zu allgemeinverständlicher Liturgie und dem Gemeinschaftserlebnis des muttersprachlichen Gesangs im Gottesdienst wider. Das dadurch bewirkte tiefere Verständnis der Heiligen Schrift bildete im 16. Jahrhundert eines der Hauptanliegen des Reformators Martin Luther.

Konzert am 18. August: Luther und Bach im Spiegel

Als Tochter einer Musikerfamilie in Salzburg geboren, studierte Cornelia Herrmann Klavier in Salzburg, Wien und Budapest. Wichtige künstlerische Impulse erhielt sie von Alexander Lonquich, Murray Perahia und András Schiff. 1996 war Cornelia Herrmann jüngste Finalistin und Gewinnerin des Internationalen Johann Sebastian Bach-Wettbewerbs in Leipzig und 1999 Sonderpreisträgerin des Internationalen Mozart-Wettbewerbs in Salzburg. 2002 debütierte sie bei den Salzburger Festspielen. Engagements führten die Pianistin seither in die ganze Welt. Beim MDR MUSIKSOMMER ist sie bereits das vierte Mal zu Gast; zuvor spielte sie u. a. mit dem MDR SINFONIEORCHESTER unter der Leitung von Lawrence Renes das A-Dur-Konzert von Wolfgang Amadeus Mozart.

Konzert am 24. August: Goldberg-Variationen mit dem "Dresdner Streichtrio"

Die "Goldberg-Variationen" als das wohl bekannteste Klavierwerk von Johann Sebastian Bach stammen aus dem "Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach". Sie werden von einer "Aria" eingeleitet, der 30 musikalische Veränderungen folgen. Benannt nach dem Komponisten und Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg, einem Schüler Bachs, hat der Komponist mit diesem Werk ein wahres Glanzstück der zeitgenössischen Variationskunst geschaffen. In der Transkription des Geigers und Dirigenten Dmitri Sitkovetsky werden die drei gleichberechtigten Partner Violine, Viola und Violoncello wie verschiedene Register eines einzigen Instruments eingesetzt, um das Bachsche Stimmengeflecht darzustellen, und – wie Bach sagte – "den Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung".

Konzert am 31. August: Reformation und Musik

Im Mai 1521 lässt Kurfürst Friedrich der Weise Martin Luther auf die Wartburg bei Eisenach bringen. Der Kurfürst hofft, Luther dadurch aus dem Rampenlicht zu nehmen und die Angriffe auf die reformatorische Bewegung abzuschwächen. Künstler, die heute im historischen Ambiente der Wartburg auftreten, stehen hingegen jetzt im Fokus der Aufmerksamkeit, so auch das 1988 in Köln gegründete Minguet-Quartett. Neben klassisch-romantischer Literatur konzentriert sich das Ensemble auf die Musik der Moderne und engagiert sich mit zahlreichen Uraufführungen für Kompositionen des 21. Jahrhunderts. Namenspatron des Streichquartetts ist Pablo Minguet, ein spanischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, der dem Volk Zugang zu den Schönen Künsten verschaffen wollte – für das Minguet-Quartett ist dieser Gedanke künstlerisches Programm.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2011, 15:50 Uhr

Konzerte auf der Wartburg

* 21.07.2012 | 19:30 Uhr

Sabine Meyer, Klarinette
Fazil Say, Klavier

Werke von LutosŁawski, Poulenc, Bernstein,
Mozart, Janácek u.a.

* 27.07.2012 | 19:30 Uhr

Schola Gregoriana Pragensis

Motetten von Johann Walther, Antiphonen zum Gedenken an Magister Johannes Hus, Lieder von Jan Traián Turnovský und aus tschechischen Gesangbüchern des 16. Jahrhunderts

* 18.08.2012 | 19:30 Uhr

Cornelia Herrmann, Klavier

Werke von Johann Sebastian Bach, Ferruccio Busoni, Franz Liszt, Camille Saint-Saens, Myra Hess u.a.

* 24.08.2012 | 19:30 Uhr

Dresdner Streichtrio

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen BWV 988 bearbeitet für Streichtrio von Dimitri Sitkovetsky

* 31.08.2012 | 19:30 Uhr

Minguet-Quartett (Echo Klassik Preisträger 2010)

Werke von Johannes Ockeghem, Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Jörg Widmann

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