Jerichow
Die deutsche Backsteinromanik östlich der Elbe hat in der ca. 850 Jahre alten Jerichower Klosterstiftskirche St. Marien und St. Nikolaus eines ihrer bedeutendsten Zeugnisse. Einige Stücke wie der große Hochaltar aus Sandstein, der Taufstein oder ein Osterleuchter von 1170, stammen aus dieser frühen Zeit. Die mächtigen Westtürme der ehemaligen Prämonstratenser-Stiftskirche ragen in die weite Elbniederung und künden heute noch von den Machtkämpfen zwischen Deutschen und Slawen sowie von der christlichen Missionstätigkeit seit dem 12. Jahrhundert.
Klare romanische Formen
Die vierjochige Basilika der Kirche wurde auf einem mannshohen Feldsteinsockel gebaut, wie bei vielen Bauten in der Altmark ein Schutz gegen die Bodenfeuchte. Nach 1178 wurde die Kirche erweitert und um den Westbau mit zwei hohen Türmen ergänzt, die im 15. Jahrhundert ihre endgültige Gestalt erhielten. Obwohl der Nordflügel nicht mehr erhalten ist, sind die klaren romanischen Formen und die Proportionen des Klosters von einer seltenen Einheitlichkeit und Ausdruckskraft.
Durch den Orden der Prämonstratenser aus vor Ort gefertigten Backsteinen erbaut, wurde das Kloster im 16. Jahrhundert während der Reformation geschlossen. Der Wiederaufbau erfolgte in Etappen bis 2004. In seiner schlichten Schönheit und der weitgehend unveränderten Ausprägung liegt für heutige Besucher die Einmaligkeit der Anlage, die auch Teil der "Straße der Romanik" ist.
Das Klostermuseum mit einer Ausstellung zur Geschichte bietet fachkundige Führungen. Zu einem besonderen Erlebnis wird der Klosterbesuch, wenn in den mittelalterlichen Mauern von Mai bis September die "Jerichower Sommermusiken" erklingen oder der MDR MUSIKSOMMER Einzug hält.
Im Konzert: Lieder von Liebe Tod
Die holländische Sopranistin Johannette Zomer wurde nach ihren Studien in Amsterdam, London und New York sehr schnell von den führenden Originalklangspezialisten wie Ton Koopman oder Philippe Herreweghe als Solistin eingeladen und begann so ihre internationale Karriere. Dabei beschränkt sie sich keineswegs auf Barockmusik, sondern singt genauso Werke von Debussy oder Mozart. Ihre Stimme ist schlank und beweglich, wandlungsfähig und farbenreich im Timbre. Als Solistin arbeitet Johannette Zomer regelmäßig bei Konzerten und CD-Aufnahmen mit international renommierten Orchestern und Dirigenten zusammen. Fred Jacobs studierte Laute und Theorbe in Amsterdam, wo er selbst seit 1995 als Professor für Laute und Theorbe lehrt – besonders spezialisiert ist er auf die unbekanntere Musik des 17. Jahrhunderts, die größtenteils nur in Lautentabulatur vorliegt.
Konzerttermin:
07.07.2012 | 19:30 Uhr | Klosterkirche
Lieder von Liebe und Tod
Johannette Zomer, Sopran
Fred Jacobs, Laute
Werke von Caccini, Kapsberger, Schütz, Johnson, Hotmann, Charpentier, Purcell u.a.
