Messerattacke auf Polizeichef
Festgenommene in Passau wieder frei
Der Messerangriff auf den Passauer Polizeichef hat eine Debatte über die zunehmende rechte Gewalt ausgelöst. Von einer neuen Qualität ist die Rede. Der Landespolizeichef von Sachsen, Merbitz, bestätigt, dass immer öfter Polizisten gezielt angegriffen werden. In der Politik werden erneut Forderungen nach einem NPD-Verbot laut.
Die nach der Messerattacke auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl festgenommenen Verdächtigen sind wieder auf freiem Fuß. Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft hat Mannichl die beiden auf Fotos nicht als Täter identifizieren können. Außerdem hatten die beiden ein Alibi. Die Polizei hatte die beiden Männer aus Passau inhaftiert, weil sie zunächst der Täterbeschreibung Mannichls entsprochen hatten.
"Du linkes Bullenschwein!"
Hinter dem Angriff auf Mannichl wird ein Racheakt von Neonazis vermutet. Der Passauer Polizeichef ist bekannt für sein konsequentes Vorgehen gegen die rechte Szene. Er war am Sonnabendnachmittag in seinem Wohnort Fürstenzell attackiert worden. Laut Mannichl hatte der Täter an der Haustür geklingelt und ihn mit dem vor dem Haus liegenden Messer, das dem Opfer selbst gehörte, unvermittelt niedergestochen. Mannichl überlebte den Angriff schwer verletzt.
Er beschrieb den Attentäter als etwa 1,90 Meter groß und kahl geschoren. Der Angreifer habe gesagt: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum." Der 52-jährige Mannichl konnte mit einer Notoperation gerettet werden.
GdP sieht verstärkt rechte Gewalt gegen Polizei
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in dem Attentat des mutmaßlichen Neonazis den Höhepunkt eines Strategiewechsels der rechtsextremen Szene. GdP-Chef Konrad Freiberg sagte MDR INFO, es gebe viele Polizisten, die von Rechten bedroht würden. Kollegen, die im Einsatz gegen Rechts häufiger tätig seien und Verantwortung trügen, würden bedroht und zu Hause belästigt. Das sei nicht selten.
Laut Bundesinnenministerium verzeichneten die Länder in diesem Jahr 955 rechtsextreme Gewalttaten mit 994 Opfern, darunter einem Toten.
"Die Rechten werden immer frecher, immer dreister, immer gewalttätiger!"
Massive Angriffe auf Polizisten in Sachsen
Auch in Sachsen verzeichnet die Polizei einen Anstieg rechter Gewalt. Landespolizeichef Bernd Merbitz sagte dem MDR, man habe in diesem Jahr zehn massive Angriffe auf Polizeibeamte gehabt. Er habe nach dem Passauer Vorfall nun alle seine Kollegen aufgerufen, im Einsatz gegen Rechts verstärkt an die eigene Sicherheit zu denken.
Es reiche nicht, mit dem Gesetz gegen Rechtsextrmismus vorzugehen. Hier sei die Gesellschaft gefragt.
Rechte Gewalt bislang öffentlich kaum wahrgenommen
Miro Jennerjahn vom Netzwerk für demokratische Kultur (NDK) in Wurzen sagte, die Gewalt sei nicht neu. Nur habe sie sich bislang mehr gegen gesellschaftliche Randgruppen wie Obdachlose gerichtet. Neu sei, dass die Szene jetzt gegen die Führungsebene der Polizei vorgeht. Dadurch würden auch konservative Kreise aufgeweckt und merkten, dass sich eine gewaltbereite rechte Szene längst etabliert habe.
Neuer Anlauf für NPD-Verbot diskutiert
Das Attentat heizte auch wieder die Debatte um ein NPD-Verbotsverfahren an. Selbst innerhalb der Union meldeten sich Stimmen, die einen neuen Anlauf anschieben möchten. Die SPD will das Thema in der Koalition beraten. Dagegen wandten sich CDU- Und FDP-Politiker. Das häufigste Argument: Die V-Männer müssten dann aus den NPD-Reihen gezogen werden. Das mache die Partei noch gefährlicher.
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Beiträge zum Messer-Angriff in Passau
Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2008, 19:33 Uhr


