Polizei rüstet sich
Protest gegen Neonazi-Aufmarsch
Dresden rüstet sich gegen einen der größten Neonazidemonstrationen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg. Anlässlich des 64. Jahrestages der alliierten Bombenangriffe auf die sächsische Metropole werden von der Polizei am Sonnabend bis zu 3.400 Rechtsextreme erwartet. Die Organisatoren der Gegendemonstration "Geh Denken" rechnen sogar mit bis zu 8.000 Neonazis. Die Stadt hatte erklärt, keine Möglichkeiten zu haben, den Aufmarsch zu verhindern. Er gibt aber zahlreiche Auflagen.
Polizei erwartet hohe Gewaltbereitschaft
Mit diesem sogenannten "Trauermarsch" wollen die Rechtsextremen der bis zu 25.000 zivilen Opfer der Bombenangriffe gedenken. Bereits in den vergangenen Jahren waren mehrere tausend Neonazis durch die Dresdner Innenstadt gezogen. Die Beamten werden ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr, als 3.400 Polizisten im Einsatz waren, deutlich erhöhen, weil sie wegen der europaweiten Mobilisierung durch die Rechtsextremisten mit einer höheren Anzahl an Neonazis und einer hohen Gewaltbereitschaft rechnen. Zudem haben sich bis zu 1.200 gewaltbereite Gegendemonstranten aus der autonomen Szene angekündigt.
Große Unterstützung für Bündnis "Geh Denken"
Das bundesweite Bündnis "Geh Denken" setzt auf friedlichen Protest, um der "Geschichtsverdrehung zu widersprechen", wie es in einem Aufruf heißt. Dabei betont das Bündnis, dass "NPD und Kameradschaften den Aufmarsch als Auftakt für das Superwahljahr 2009" nutzen wollen. Dabei habe besonders der erneute Einzug in den sächsischen Landtag große Bedeutung. In den vergangenen Jahren war der Nazi-Aufmarsch durch Gegendemonstranten entweder friedlich blockiert oder zumindest erheblich gestört worden. In diesem Jahr mobilisierten die Organisatoren von "Geh Denken" erstmals bundesweit und hoffen auf bis zu 10.000 Teilnehmer.
Die größte von insgesamt 19 Gegenveranstaltungen wird u.a. von Ex-Bundespräsident Richard von Weizäcker und der Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, sowie zahlreichen Parteien und Organisationen unterstützt. In Dresden auf die Straße gehen wollen u.a. DGB-Chef Michael Sommer, SPD-Chef Franz Müntefering, Grünen-Chefin Claudia Roth und Linksfraktionschef Gregor Gysi. Auch die CDU hat die anfänglichen Vorbehalten gegen den Sternmarsch des Bündnisses "Geh Denken" mittlerweile aufgegeben. Oberbürgermeisterin Helma Orosz rief zusätzlich zum Sternmarsch zu einer "stillen Gedenk- und Protestaktion" auf. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, den Neonazis zu "zeigen, dass sie in dieser Stadt unerwünscht sind".
Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2009, 10:21 Uhr
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