Studie
Jugendgewalt leicht gesunken
Jugendliche sind in den vergangenen Jahren nicht gewalttätiger geworden. Das ergab die Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen.
Demnach sind mehr als drei Viertel der Jugendlichen ein Jahr vor der Befragung weder Opfer noch Täter von Gewalt geworden, sagte der Direktor des Instituts Christian Pfeiffer bei der Vorstellung der Ergebnisse. Das seien mehr als bei der letzten Untersuchung 1998. Gründe sieht Pfeiffer darin, dass Gewalt in den Familien abnehme und das Thema in den Schulen ernster genommen werde. Auffällig sei dabei, dass Jugendliche öfter zu Hause Gewalt erführen als von Gleichaltrigen. 4,9 Prozent der Jugendlichen waren nach eigenen Angaben Opfer schwerer Gewalt geworden.
Killerspiele sind nicht Ursache von Gewalt
In Bezug auf die Diskussion über die Wirkung von gewaltverherrlichenden Computerspielen sagte Pfeiffer, diese Spiele seien ein "Belastungsfaktor" für die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen. Entscheidend seien sie aber nicht. Größeren Einfluss hätten neben gewalttätigen Eltern, Alkohol- und Drogenkonsum vor allem "delinquente Freunde".
Rechte Organisationen erhalten Zulauf
Sorgen macht den Forschern dagegen, dass rechtsextreme Organisationen offenbar sehr erfolgreich Jugendliche anwerben. So ergab die Befragung, dass 4,9 Prozent der 15-jährigen Jungen und 2,6 Prozent der Mädchen angaben, Mitglied in einer rechtsextremen Organisation zu sein. Jugendorganisationen der etablierten Parteien kommen dagegen nur auf zwei Prozent. Auch Organisationen wie das Rote Kreuz oder die Freiwillige Feuerwehr können von einem solchen Zulauf nur träumen.
Die Studie wies beim Zulauf rechtsextremer Gruppen große regionale Unterschiede auf. Im Osten gibt es demnach Gebiete, in denen sich bis zu 12 Prozent der Jugendlichen zur Mitgliedschadft in rechtsextremen Organisationen bekannten. Im Norden ist die Akzeptanz am geringsten. In Ost und West gibt es aber auch Regionen, in denen kein Jugendlicher solch eine Verbindung angab.
Vier von zehn halten Ausländer für kriminell
Neben der Hinwendung zu Organisationen wuchs laut Studie die ausländerfeindliche Gesinnung. Jeder siebte sei als "sehr ausländerfeindlich" einzustufen, sagte Pfeiffer. Der Aussage "In Deutschland leben zu viele Ausländer" stimmten 29,7 der Befragten uneingeschränkt zu. 40 Prozent hielten die meisten Ausländer für kriminell. Am niedrigsten ist die Ausländerfeindlichkeit, dort, wo viele Ausländer leben, in den großen Städten. Nach Schulformern untersucht, ist Ausländerhass an Hauptschulen am häufigsten.
Pfeiffer sieht Gesamtschulen als Chance
Pfeiffer sprach von "erschreckenden Erkenntnissen". Er plädierte dafür, mehr Ganztagsschulen einzuführen, um Jugendliche an sinnvolle Beschäftigungen wie Musik und Sport heranzuführen, weg von rechter Szene und Computerspielen.
"Wir müssen den Nachmittag der Jungen retten."
Für die Studie waren 2007 und 2008 in 61 zufällig ausgewählten Landkreisen knapp 45.000 Jungen und Mädchen der neunten Klasse befragt worden. Die letzte Studie dieser Art wurde 1998 erarbeitet.
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Beiträge zur Jugendgewalt
Zuletzt aktualisiert: 18. März 2009, 09:13 Uhr
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