Großdemonstrationen
"Wir zahlen nicht für eure Krise"
Mehrere zehntausend Demonstranten haben auf Großveranstaltungen in Berlin und Frankfurt am Main gegen die Krisenpolitik der Industrienationen demonstriert. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Linken, dem Netzwerk Attac und Umweltverbänden hatte zu dem bundesweiten Aktionstag aufgerufen.
In London stand die Demonstration unter dem Motto "Put People First" (Menschen zuerst). Laut Polizei nahmen rund 35.000 Menschen teil. Für kommende Woche sind weitere Großkundgebungen angekündigt. Anlass für den heutigen Aktionstag ist der G-20-Gipfel ab Donnerstag in London, auf dem führende Industrienationen und Schwellenländer ihre Politik abstimmen wollen.
In Berlin waren etwa 25.000 Demonstranten dem Aufruf gefolgt. Der Chef der Linke-Bundestagsfraktion Gregor Gysi kritisierte auf der Abschlusskundgebung den Bankenrettungsplan der Bundesregierung. Sie gebe vor, kein Geld für Rentner und Hartz-IV-Empfänger zu haben, stelle aber in größter Eile 500 Milliarden Euro zur Bankenrettung bereit. MDR INFO hatte Gysi vorab gesagt, bislang tue die Regierung alles, damit letztlich alles wieder so werde, wie es gewesen sei. Das werde nicht funktionieren. Nötig sei ein mutigeres Konjunkturpaket, das auch den Rentnern, Arbeitslosen und Kleinunternehmern helfe.
Für Attac forderte Alexis Passadakis die Politik auf, dem Wachstumswahn zu entsagen. Nötig sei vielmehr die Überführung der Banken in öffentliche Hand, das Ende der Konkurrenz um Standorte und eine "Reichen-Steuer".
Am Rande der Demonstration gab es Randale. Laut Polizei lieferten sich mehrere hundert Autonome Auseinandersetzungen mit den Beamten.
Demonstranten werfen Eier auf Lafontaine
Nach Angaben einer Attac-Sprecherin waren nach Frankfurt rund 25.000 Teilnehmer gekommen. Mehr als 120 Busse hätten 7.500 Globalisierungskritiker in die Stadt gebracht. Die Polizei sprach von nur 9.000. Die Beamten schützten mit Hundertschaften die Eingänge der Bankhochhäuser. Den Unmut der Demonstranten traf dann aber Linken-Parteichef Oscar Lafontaine. Einige warfen mit Äpfeln und Eiern auf ihn. Zu Beginn seiner zehnminütigen Rede war er ausgepfiffen worden.
Die Systemfrage ist wieder modern
In dem vorab veröffentlichten Aufruf kritisieren die Organisatoren die Politik gegen die weltweite Wirtschaftskrise. Der Kapitalismus stecke in seiner schlimmsten Krise seit 1929. Die Beschleunigung des Klimawandels, Kriege um den Zugang zu Rohstoffen, Hungerrevolten, Finanzmarkt-Crash und Rezession seien die Zeichen dafür.
Es blieben noch weniger Mittel für Klimaschutz und Entwicklung, die Konkurrenz um Märkte und Profit würden noch brutaler. Millionen Menschen würden ihre Arbeit, ihre Wohnungen und ihre Lebensperspektiven verlieren. Es müsse befürchtet werden, dass Beschäftigte, Erwerbslose, Rentner, Schüler oder Studierende die Zeche zahlen. Genauso wenig dürfe die Krise auf die Länder des Südens oder die Umwelt abgewälzt werden.
Zuletzt aktualisiert: 28. März 2009, 20:41 Uhr
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