Verfassungsschutzbericht 2008
Schäuble sieht Islamisten als größte Gefahr
Die Zahl der politisch motivierten Straftaten hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Wie aus dem Verfassungsschutzbericht 2008 hervorgeht, ist die Gesamtzahl um elf Prozent auf 31.801 Straftaten angestiegen. Im rechten Spektrum gab es sogar einen Anstieg von 16 Prozent auf 20.422 Delikte.
Neue Qualität des islamistischen Terrors
Eine besonders große Gefahr für die Sicherheit Deutschlands sieht Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im islamistischen Terror. Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes sagt er, es gebe in Deutschland ein "erhebliches islamistisches Personenpotenzial". Dabei handele es sich um Islamisten, die in Deutschland aufgewachsen seien und sich in Terrorlagern ausbilden ließen.
Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm sprach von einer neuen Qualität. Deutschland werde gezielt adressiert und sei im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus. Fromm verwies darauf, dass es in den vergangenen Monaten erstmals Drohbotschaften in deutscher Sprache im internet gegeben habe, die direkt an Deutschland gerichtet waren.
Gefahr von Rechts bleibt
Aber auch die Gefahr durch Rechtsextremisten wird als besorgniserregend eingeschätzt. Innenminister Schäuble sagte, die Zahl der Neonazis, und das sei beunruhigend, sei erneut gestiegen. Die NPD bleibt dem Bericht zufolge im rechtsextremen Spektrum die wichtigste Akteurin. Trotzdem lehnte der Innenminister einen neuen Anlauf zum NPD-Verbotsverfahren ab. Das könne zum Bumerang werden.
Tausende gewaltbereite Linke
Ein Sicherheitsproblem bleiben auch linke Extremisten. Zum gewaltbereiten Spektrum zählt der Verfassungsschutzbericht 6.300 Personen, darunter 5.800 sogenannte Autonome. Auch die 2008 aus PDS und WASG entstandene Linkspartei taucht im Verfassungsschutzbericht erneut auf. Ungeachtet ihres ambivalenten Erscheinungsbildes, so heißt es im Bericht, biete die Partei "Die Linke" weiterhin tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen.
Die Gewerkschaft der Polizei und die Deutsche Polizeigewerkschaft forderten eine personelle Verstärkung. Nach den Linken rüste nun auch die rechte Szene für den Straßenkampf. Die Polizei gerate zwischen die Fronten.
Opposition wirft Schäuble Versagen vor
Die Grünen und die Linke warfen Schäuble schwere Versäumnisse im Kampf gegen Rechts vor. Er habe im Kampf gegen den Terrorismus die Bürgerrechte ausgehöhlt, statt gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden, sagte die Grünen-Chefin Claudia Roth. Programm und Initiativen gegen Rechts müssten stärker unterstützt werden.
Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, forderte Schäuble auf, rechtliche Voraussetzungen für ein Verbot NPD-Verbot zu schaffen. Bartsch kritisierte auch, dass seine Partei weiter vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
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Beiträge zum Verfassungsschutzbericht
Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2009, 22:34 Uhr
Was ist rechtsextremistisch?
Als extremistisch werden Bestrebungen bezeichnet, die gegen die Verfassung und die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet sind.
Der Rechtsextremismus gründet auf einer Ideologie der Ungleichheit. Gemeinsam allen Ausprägungen des Rechtsextremismus sind die Orientierung an der ethnischen Zugehörigkeit und ein autoritäres, antidemokratisches Gesellschaftsverständnis.
Rechtsextremisten verfolgen das Ziel, die fundamentalen Demokratieprinzipien abzuschaffen und den Staat zu einer autoritär geführten "Volksgemein-schaft" umzugestalten. Der Begriff "Volk" wird dabei rassistisch gebraucht. Der Einsatz von Gewalt wird von Rechtsextremisten als legitim erachtet.


