Berlin
Deutschland feiert 60 Jahre Grundgesetz
Mit einem Staatsakt ist in Berlin das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes gefeiert worden. Das Inkrafttreten der Verfassung im Mai 1949 gilt als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland.
Mit einem Staatsakt ist in Berlin das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes gefeiert worden. Vor 1.400 geladenen Gästen würdigte Bundespräsident Horst Köhler im Konzerthaus am Gendarmenmarkt das Grundgesetz als ein "Leuchtfeuer der Freiheit". Die Eltern des Grundgesetzes hätten eine solide Ordnung dafür geschaffen, wie freie Bürgerinnen und Bürger sich ein Leben in einer gerechten Gesellschaft erarbeiten können. "Wir können stolz sein auf das Erreichte", sagte Köhler.
Köhler fordert neuen Zusammenhalt
Zugleich forderte Köhler die Deutschen zu einem neuen Zusammenhalt auf. Wie bei der Gründung des Landes vor 60 Jahren müssten sich die Bürger Solidarität, Menschenwürde und Freiheit versprechen. Der Bundespräsident kritisierte, dass die Bildungschancen von Kindern immer noch zu stark vom Geldbeutel der Eltern abhingen und die Arbeitslosigkeit im Osten immer noch höher sei als im Westen.
Deutschland feiere seinen Geburtstag in einer schwierigen Zeit, fuhr Köhler fort. Die Arbeitslosigkeit werde steigen, ehe die Lage wieder besser werde. Das Staatsoberhaupt betonte aber auch: "Wir brauchen den Mut nicht sinken zu lassen. Wir können unsere Freiheit nutzen, um die Krise zu meistern." Konkret sprach Köhler zwei Chancen an, eine ökologische Revolution und die Arbeit von menschen für Menschen.
Fridliche Revolution der Ostdeutschen führte zur Einheit
Nachdrücklich würdigte Köhler die Bürgerrechtsbewegung der DDR. Vor 20 Jahren hätten die Ostdeutschen mit der friedlichen Revolution den Weg zu Einheit gebahnt. Ihr mutiger Einsatz habe "unendlich viel zum Ansehen unseres Volkes in der Welt beigetragen." In Ostdeutschland sei nach dem Krieg eine "menschenverachtende Diktatur" entstanden, die nur durch Schießbefehl und Unterdrückung aufrechterhalten werden konnte.
Zugleich hob Köhler die Verdienste der Ostdeutschen hervor. "Freiheit fehlte, Fleiß, Kreativität und Anstrengung blieben. Die meisten in der DDR haben ihr Leben mit Anstand gemeistert", sagte der Bundespräsident.
Erster Staatsakt seit zehn Jahren - Feier am Sonnabend
Die Feier ist erst der sechste Staatsakt zum Bestehen der Bundesrepublik. Den letzten hatte es vor zehn Jahren, zum 50. Geburtstag, gegeben. Am Vormittag fand im Berliner Dom ein ökumenischer Gottesdienst statt. Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik wurde zudem das Reichstagsgebäude illuminiert. Rund um das Brandenburger Tor findet am Sonnabend die Jubiläumsfeier "60 Jahre Bundesrepublik Deutschland" statt.
23. Mai 1949 war Geburtsstunde der Bundesrepublik
Am 23. Mai 1949 hatte der Parlamentarische Rat in Bonn das Grundgesetz ausgefertigt und verkündet. An diesem Tag wird aller fünf Jahre traditionell der Bundespräsident gewählt. Zur Wahl stellen sich neben Amtsinhaber Köhler die Wissenschaftlerin Gesine Schwan von der SPD, der von der Linken nominierte Schauspieler Peter Sodann und für die Rechtsextremen der Liedermacher Frank Rennicke.
Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2009, 22:03 Uhr
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