Jugendhaftanstalt
Weiterer Misshandlungsfall in Regis-Breitingen
Die bislang bekannt gewordenen Misshandlungen im sächsischen Jugendgefängnis Regis-Breitingen waren kein Einzelfall. Das sächsische Justizministerium bestätigte einen weiteren Vorfall, von dem das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet. Danach wurde im September vergangenen Jahres ein zweiter Häftling gequält. Drei Mithäftlinge hätten ihn aus seiner Zelle gezerrt und kopfüber in eine halbvolle Mülltonne gesteckt. Zudem hätten sie ihn beim Duschen mit Schrubbern und Scheuermilch angegriffen.
Justizministerium: 25 Anzeigen seit Eröffnung
Der Sprecher des Justizministeriums, Matthias Lau, sagte MDR 1 RADIO SACHSEN, es habe seit der Eröffnung der Haftanstalt vor gut zwei Jahren insgesamt 25 Anzeigen wegen Körperverletzung gegeben. Details könne er nicht nennen, weil es um Jugendliche gehe, die ein Recht auf besonderen Schutz ihrer Persönlichkeit hätten.
Zum aktuellen Fall sagte Lau, dass es sich bei dem Angriff auf einen Mithäftling vom 2. September 2008 um eine Schlägerei gehandelt habe, die man nicht habe vermeiden können. Die Staatsanwaltschaft Leipzig habe dazu im April Anklage erhoben. Lau wandte sich entschieden gegen den Vorwurf, Justizminister Mackenroth habe den Fall verschwiegen. Dieser sei im Ausmaß nicht mit den bekannt gewordenen Übergriffen vergleichbar.
Fakten erst nach einem Jahr veröffentlicht
Vor einer Woche war berichtet worden, dass im Mai 2008 ein Gefangener von Mithäftlingen fast zu Tode gequält wurde. Neun damals 15 bis 24 Jahre alte Häftlinge sollen einen 18-jährigen Mithäftling geschlagen und gequält haben. Schließlich wollten zwei der Schläger ihr Opfer offenbar erdrosseln, nachdem der Junge selbst versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.
Gegen die beiden letztgenannten Täter wurde Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Insgesamt wird gegen alle neun Häftlinge ermittelt.
16-Jähriger an beiden Vorfällen beteiligt
Dem "Focus"-Bericht zufolge war einer der Gewalttäter an den Übergriffen im Herbst beteiligt, der bereits im Mai mitgeprügelt hatte. Offenbar sei es dem 16-Jährigem immer noch möglich gewesen, von den Beamten unbemerkt andere Häftlinge zu misshandeln.
Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums sollen die Haftbedingungen in Regis-Breitingen seit Mai 2008 verschärft worden sein. Es dürften sich nur noch die zwölf Häftlinge gleichzeitig frei bewegen, die auf demselben Flur untergebracht sind. Sie werden von einem Beamten beaufsichtigt. Vorher war der Freigang für alle Insassen des Hauses zur gleichen Zeit möglich.
Politiker forderten Konsequenzen
Sächsische Politiker aller Fraktionen hatten vergangene Woche gefordert, die Vorgänge in der Jugendhaft gründlich aufzuklären und auch personelle Konsequenzen zu ziehen. Auch Justizminister Geert Mackenroth war kritisiert worden, weil die Öffentlichkeit nicht informiert worden war und er auch selbst erst drei Tage nach Bekanntwerden der Misshandlungen Stellung nahm. Von dem Fall im September sprach er nicht.
Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2009, 14:01 Uhr



