20 Jahre Mauerfall
Deutschland feiert "Fest der Freiheit"
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, wurde die innerdeutsche Grenze durchlässig. 20 Jahre später ist in ganz Deutschland an das Ende der deutschen Teilung erinnert worden. In Berlin feierten Hunderttausende "Ein Fest der Freiheit". Höhepunkt war ein symbolischer Mauerfall.

In ganz Deutschland ist der Fall der Mauer vor 20 Jahren gefeiert worden. Die zentralen Feierlichkeiten gab es in Berlin. Am Abend feierten hier mehr als 100.000 Menschen "Ein Fest der Freiheit". Sie waren trotz strömenden Regens ans Brandenburger Tor gekommen.
Als Höhepunkt fiel entlang ihres einstigen Verlaufs noch einmal symbolisch die Mauer. Zwischen Reichstagsgebäude und Potsdamer Platz stürzten knapp 1.000 Mauerstücke aus buntbemalten Styroporsteinen um. Mit dem Domino-Effekt wurde an die Ereignisse erinnert, die der Fall der Berliner Mauer in der ganzen Welt auslöste.
Merkel: "Mauerfall ist Verpflichtung"
An den Feierlichkeiten nahmen zahlreiche aktive und ehemalige Politiker aus Deutschland und aller Welt teil. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Köhler hatten nahezu alle EU-Staats- und Regierungschefs sowie den russische Präsidenten Dmitri Medwedew und US-Außenministerin Hillary Clinton begrüßt. Gemeinsam waren sie durch das Brandenburger Tor geschritten.
Merkel nannte in einer Ansprache den Mauerfall eine glückliche Stunde der deutschen und europäische Geschichte. Der 9. November 1989 habe gezeigt, dass Freiheit nicht von selbst komme, sondern erkämpft werden müsse. Der Mauerfall verpflichte dazu, nun auch die Aufgaben unserer Zeit wie Frieden, Menschenrechte und Umweltschutz zu lösen.
Köhler: "Mauerfall war Epochenwende"
Bundespräsident Horst Köhler hatte die ausländischen Gäste zuvor im Schloss Bellevue empfangen. Dabei würdigte er die Maueröffnung vor 20 Jahren als Epochenwende. Köhler sagte, die Mauer sei ein Bauwerk der Furcht gewesen. Am 9. November 1989 sei sie aber zu einem Ort der Freude geworden. Der darauffolgende Wandel habe das Gesicht Europas und das Leben von Millionen Europäern grundlegend verändert. Köhler dankte allen, die zur Wiedervereinigung der Deutschen beigetragen hätten.
US-Außenministerin Clinton sprach im Exklusivinterview für MDR INFO von einem außergewöhnlichen Moment, der das Tor zu einer besseren Welt geöffnet habe. Sie habe die Bilder aus Berlin zusammen mit ihrem Mann Bill im Fernsehen verfolgt. Wörtlich sagte Clinton: "Wir haben am Bildschirm geklebt."
Spaziergang über ehemaligen Grenzübergang
Am Nachmittag hatte sich Kanzlerin Angela Merkel mit ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern am früheren Grenzübergang an der Bornholmer Straße in Berlin getroffen. Gemeinsam mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und dem früheren polnischen Gewerkschaftsführer Lech Walesa spazierten sie über die ehemalige innerdeutsche Grenze.
Der Kontrollpunkt war am 9. November 1989 der erste, über den die Menschen in den Westen stürmten.
"Wir haben am 9. November 1989 das Unmögliche als möglich erlebt. Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass Mauern eingerissen werden können."
Deutsche sollen weiter Brücken bauen
Die Feierlichkeiten zum Mauerfall hatten mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Gethsemane-Kirche in Berlin begonnen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte in seiner Predigt, die Deutschen erinnerten sich mit Dankbarkeit und freudigem Staunen. Er rief die Deutschen in Ost und West auf, weiter mit Geduld und Ausdauer Brücken zueinander zu bauen. Der evangelische Bischof Wolfgang Huber warnte in seiner Predigt vor einer Verharmlosung des DDR-Unrechts.
Sachsen-Anhalt trifft Niedersachsen in Marienborn
Die Nachbarländer Sachsen-Anhalt und Niedersachsen feierten das Mauerfalljubiläum zusammen in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Auf einer Festveranstaltung in der Gedenkstätte Deutsche Teilung würdigten die Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer und Christian Wulff die Öffnung der DDR-Grenzen. Böhmer warnte in seiner Ansprache davor, einen Schlussstrich unter die DDR-Geschichte zu ziehen. Die Geschichte ende nicht mit einer neuen Generation.
Mehr als 5.000 Menschen besuchten am Tag des Mauerfalls die Gedenkstätte besucht. Der ehemalige Grenzkontrollpunkt Marienborn war der größte seiner Art. Am Nachmittag wurde hier die Foto-Ausstellung "Übergangsgesellschaft. Szenen und Porträts 1980 - 1990" eröffnet.
Point Alpha: Schüler mit Zeitzeugen im Gespräch
Nachbarschaftlich ging es auch in der Gedenkstätte Point Alpha in Geisa und Rasdorf an der thüringisch-hessischen Grenze zu. 500 Schüler beider Bundesländer veranstalteten einen gemeinsamen Projekttag, um mit Zeitzeugen beider Seiten ins Gespräch zu kommen.
Auf zahlreichen weiteren Veranstaltungen mahnten Vertreter von Politik und Kirchen, die Bedeutung des Ereignisses nicht zu vergessen und plädierten für gemeinsame Anstrengungen der Menschen in Ost- und Westdeutschland für ein solidarisches Miteinander in der Gesellschaft.
Sachsen feiert im Kleinen
In Sachsen gab es keine zentrale Feierlichkeit zum 9. November 1989. In Dresden, Leipzig und Chemnitz hatte man bereits im Oktober den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution gefeiert. In zahlreichen Städten und Gemeinden darunter Mißlareuth, Bautzen und Hartha gab es verschiedene Gedenkveranstaltungen. Gesprächsrunden, Konzerte und Theateraufführungen erinnerten an das historische Datum.
Zuletzt aktualisiert: 10. November 2009, 10:40 Uhr
Links in MDR.DE
- Sachsen feierte 20. Jahrestag des Mauerfalls
- Thüringen erinnert an Öffnung der Grenze vor 20 Jahren
- Clinton: "Mauerfall hat zu einer besseren Welt geführt"
- Spezial: Damals im Osten
- Sachsen 1989
- Sachsen-Anhalt 1989
- Thüringen 1989
- MDR INFO-Serie "Die späte DDR"
- MDR INFO-Serie "Wendegeschichten"
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- Diskussion: Was brachte uns der Mauerfall?
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