Arcandor-Insolvenz

Karstadt-Mitarbeiter verzichten

Arbeitnehmer und Insolvenzverwalter haben den Beitrag der Belegschaft zur Sanierung der insolventen Warenhauskette Karstadt fixiert. Die Vizechefin der Gewerkschaft Ver.di, Margret Mönig-Raane, bezifferte die Abstriche für die rund 28.000 Mitarbeiter in den kommenden drei Jahren auf rund 150 Millionen Euro.

Mitarbeiter des Dresdner Karstadt-Kaufhauses bilden am Montag (08.06.2009) vor der Öffnung des Hauses eine Menschenkette.
Karstadt-Mitarbeiter in Dresden: Kampf um den Erhalt des Konzerns.

Demnach verzichten die Arbeitnehmer auf 75 Prozent von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie auf tarifliche Vorsorgeleistungen. Solange Karstadt in der Insolvenz sei, würden diese Gelder auf ein Treuhandkonto eingezahlt, erläuterte die Ver.di-Sprecherin Cornelia Haß. Einer der Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, teilte mit, dass diese Regelungen rückwirkend ab 1. September 2009 gelten sollten.

Die Tarifkommission der Gewerkschaft muss dem am Montag jedoch noch zustimmen. Am Tag darauf berät die Gläubigerversammlung von Karstadt über einen Insolvenzplan. Dabei will der Insolvenzverwalter für den Arcandor-Konzern, Klaus Hubert Görg, seinen Sanierungsplan für Karstadt vorlegen und damit die Weichen für den Einstieg eines möglichen Investors stellen.

Zwei Jungen versuchen durch die aus Protest verhangenen Schaufenster des Karstadt-Warenhauses in Leipzig zu blicken, das von Mitarbeitern am gleichen Tag symbolisch besetzt wurde.
Nicht alle Karstadt-Filialen können bleiben.

Karstadt soll bleiben

Das Ziel sei es, Karstadt als Ganzes zu erhalten, sagte der Warenhaus-Beauftragte des Verwalters, Rolf Weidmann. Derzeit sei noch unklar, wie viele der 126 Filialen geschlossen werden müssten. Mindestens 17 Waren- und Sporthäuser stünden noch auf der Kippe. Mönig-Raane zeigte sich am Sonnabend aber zuversichtlich, dass die Zahl von 17 Schließungen nicht erreicht werde.

Laut Schulz hängt dies auch von Vermietern, Dienstleistungsunternehmen und Lieferanten ab. Schulz wie auch die Arbeitnehmer-Vertreter appellierten an die Besitzer der Immobilien, die Rettung des Konzerns "nicht durch überzogene Mietforderungen" zu gefährden. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" ist das Konsortium Highstreet, das zuletzt Mieteinnahmen von rund 277 Millionen Euro von Karstadt erhielt, durchaus zu Zugeständnissen bereit, etwa zum Verzicht auf starre Klauseln zu Mietsteigerungen. Von Seiten des Insolvenzverwalters wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2009, 18:55 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

© 2009 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK