Protest gegen Hochschulrektorenkonferenz
Studenten besetzen Tagungsraum an Uni Leipzig
Mit einer ungewöhnlichen Protestaktion wollen Studenten die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Leipzig boykottieren. Dort besetzen seit Montagmittag rund 100 Studenten den Raum auf der Rektoratsetage der Universität, in der am Dienstag die Konferenz stattfinden soll.
Der Studentenrat erklärte, das Rektorentreffen sei eine Lobbyveranstaltung, die sich gegen die Interessen der Studenten richte. Die Studentenvertreter rechnen am Dienstag mit 3.000 Studenten aus allen Teilen Deutschlands, die gegen die Hochschulrektorenkonferenz protestieren wollen. Sie hatten bereits im Vorfeld erklärt, dass die Konferenz nicht hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich tagen müsse.
Die Universität Leipzig reagierte bislang gelassen auf die Besetzung. Die Konferenz könne an einem anderen Tagungsort stattfinden. Im Gespräch ist derzeit das Neue Rathaus in Leipzig.
Deutschlandweite Proteste
Seit Wochen demonstrieren Studenten in mehreren deutschen Städten für bessere Studienbedingungen. An den Universitäten Erfurt, Jena und Halle-Wittenberg wurden tagelang Hörsäle besetzt. Die Studenten kritisieren, dass die neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge zu überfrachtet und zu verschult seien. Deutschland hatte, um eine europaweite Vergleichbarkeit des Studiums zu erreichen, das vier- bis fünfjährige Diplomstudium zugunsten eines dreijährigen Bachelor-Studiums abgeschafft. Nach Meinung der Studenten haben es jedoch viele Hochschulen versäumt, die Studieninhalte den neuen Studienzeiten anzupassen.
Hochschulen haben offenes Ohr
Die Kritik stößt bei vielen Hochschul-Leitungen auf offene Ohren. Die Unis könnten jedoch nicht für alle Probleme alleine verantwortlich gemacht werden, erklärte der Rektor der Magdeburger Universität, Klaus Erich Pollmann. Man habe einst ausgerechnet, dass der Übergang zu einem Bachelor-Master-System eine zusätzliche Finanzierung nötig machen würde. 15 bis 20 Prozent mehr Mittel wären notwendig gewesen. Das Geld habe die Universität Magdeburg aber beispielsweise nicht erhalten. Hinzu komme, dass die Universitäten seit Jahren unter einer akuten Geldnot leiden, das werde sich jetzt noch verschärfen, sagte Pollmann. Er erwartet daher, dass es im kommenden Jahr noch erheblich mehr Proteste von Studenten geben wird.
Mehr BAföG ab nächstem Jahr
Die Proteste der Studenten, die auch darüber klagen, dass sie wegen des überfrachteten Studiums nicht mehr für ihren Lebensunterhalt jobben können, zeigte auch bei der Politik Wirkung. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in der vergangenen Woche an, das BAföG im Oktober nächsten Jahres zu erhöhen. Zugleich räumte sie "handwerkliche Fehler" bei der Einführung der neuen Studiengänge ein und versprach, gemeinsam mit Bund und Ländern für Verbesserungen sorgen zu wollen. In Thüringen kündigte die Landesregierung an, den Semester-Beitrag für Studenten von 50 Euro vollständig abzuschaffen und auch weiterhin keine Studiengebühren einzuführen.
Zuletzt aktualisiert: 23. November 2009, 20:15 Uhr
Bologna-Prozess
Ziel des Bologna-Prozesses ist es, einen europäischen Hochschulraum durch die Einführung eines gestuften Studiensystems aus Bachelor und Master zu schaffen. Er beruht auf einer Erklärung, die 1999 von 29 europäischen Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichnet wurde.
Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
Freiwilliger Verbund von 258 deutschen Hochschulen, an denen derzeit 98 Prozent aller Studierenden sind. Der Verbund vertritt die Hochschulen gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit.


