Recherche-Mailbox : MDR startet anonymes Postfach
Informationen sammeln und seine Quellen schützen - das ist immer eine Grundvoraussetzung für Qualitätsjournalismus gewesen. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Die bewährten hohen Standards ergänzt der MDR nun mit moderner Technologie: Mit Hilfe eines anonymen digitalen Postfachs können Betroffene dem MDR Hinweise per Mail zuleiten. Der MDR schützt die Anonymität der Informanten. Die zugesandten Hinweise, Fotos oder Dateien werden schon beim Upload technisch verschlüsselt und auf einem externen Rechner hinterlegt.
Für die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der MDR die Informationsquelle schlechthin. Besonders die journalistischen Programme wie Nachrichten oder unterschiedliche Magazinsendungen in Fernsehen, Hörfunk und Internet haben zum Erfolg beigetragen.
Medien haben Kontrollfunktion
Zur Aufgabe der Medien gehört auch ihre Kontrollfunktion innerhalb des demokratischen Systems. Das hat auch das Bundesverfassungsgericht schon mehrfach festgestellt, so zum Beispiel 1966 nach der Spiegelaffäre oder auch im Cicero-Urteil 2007. Will die freie Presse ihrer Berichterstattungspflicht aber nachkommen, benötigt sie Informationen über Missstände, Amtsmissbrauch oder Korruption. In der Regel beruhen vier von fünf Recherchen auf solchen Hinweisen. Selbst bei vermeintlich kleinen Skandalen, wie etwa der Gesundheitsgefährdung durch eine illegale Mülldeponie ist der MDR auf Hinweise aus der entsprechenden Gemeinde angewiesen. Die können nur Betroffene geben. Deshalb sind solche Quellen in Deutschland höchstrichterlich besonders geschützt.
Deiseroth: "Informanten sind unverzichtbar"
Auch der Richter am Bundesverwaltungsgericht Dieter Deiseroth hält "Alarmschlagen", wie der englische Begriff des Whistleblowing auf Deutsch heißt, gerade in Demokratien für essentiell und unverzichtbar: "Gerade das Herstellen von Öffentlichkeit macht vielfach erst die zuständigen Stellen auf solche Vorgänge aufmerksam und ermöglicht eine notwendige gesellschaftliche Debatte über die Ursachen solcher Missstände sowie über Wege und Möglichkeiten, sie abzustellen."
Redaktion prüft alle Hinweise
Die MDR Recherche-Redaktion wird die so zugesandten Hinweise überprüfen und journalistisch einordnen. Stimmen die Vorwürfe? Sind die Dateien korrekt? Welche persönlichen Belange sind betroffen? Auf der Grundlage des Pressekodex werden alle Informationen und ihre tatsächliche Relevanz journalistisch überprüft. Erst dann wird der MDR sie veröffentlichen. Beides - der Schutz der Hinweisgeber und die journalistische Überprüfung - sind im Leitfaden der Recherche-Redaktion verankert.
Mit dem neuen Postfach nutzt der Sender eine Möglichkeit, wie sie auch schon der öffentlich-rechtliche Hörfunk in Schweden, der arabische TV-Sender Al-Jazeera und andere anbieten. Die Recherche-Redaktion hat das anonyme Postfach gemeinsam mit der Betriebsdirektion und der Juristischen Direktion entwickelt. Die seit 2009 tätige Redaktion erhofft sich damit neue wichtige Recherchehinweise aus dem Alltag der Menschen im Sendegebiet. Der Zugang und alle Hinweise zur Nutzung des anonymen Postfachs befinden sich auf der neuen Internetseite der Recherche-Redaktion im Angebot von mdr.de.
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Wer unmittelbar direkt und nicht anonym mit der Recherche-Redaktion Kontakt aufnehmen möchte, kann dies über folgende E-Mail-Adresse:
mdr-recherche-mailbox@mdr.de


