Unglück : Riesen-Krater nach Erdfall in Schmalkalden
In der südthüringischen Kleinstadt Schmalkalden hat sich in der Nacht zu Montag ein riesiges Erdloch aufgetan. Nach Angaben der Polizei liegt es in einem Wohngebiet und umfasst eine Fläche von etwa 40 mal 35 Meter. Die Tiefe wird auf zwölf Meter geschätzt. Bei dem Unglück wurde niemand verletzt. Polizei und Feuerwehr waren seit Montag Früh mit einem Großaufgebot im Einsatz. Das Gebiet um die Unglücksstelle ist weiträumig abgesperrt. Die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom war vorsorglich unterbrochen worden.
15 Häuser evakuiert
Gegen 3 Uhr Montagmorgen waren ein großes Stück Straße, ein geparktes Auto und Teile von Garagen in die Tiefe gerissen worden. Anwohner hatten ein Rasseln und ein lautes, strömendes Geräusch gehört, als ob mehrere Kieslaster ihre Ladung abkippen, und die Rettungskräfte gerufen. Diese evakuierten die benachbarten Häusern mit 25 Menschen. Wann und ob sie wieder zurückkehren können, ist vorerst unklar. An einigen Häuserwänden sind Risse zu sehen. Die Bewohner der evakuierten Gebäude wurden vorübergehend bei Verwandten und Bekannten sowie in Ferienwohnungen in der Stadt untergebracht. Seelsorger stehen für Gespräche mit den Betroffenen bereit.
Bergamt sieht natürliche Ursache
Nach Angaben des Leiters des Thüringer Bergamtes, Hartmut Kießling, hat der Erdfall eine natürlich Ursache. Bergmännische Tätigkeiten seien ausgeschlossen. Derzeit würden verschiedene technische Möglichkeiten geprüft, um das metertiefe Loch möglichst schnell zu verfüllen. Laut Lutz Katzschmann vom Geologischen Landesdienst ist offensichtlich ein großer Hohlraum in sich zusammengebrochen. Ob dort Steinsalze, Kalziumsulfate oder Kalkstein ausgespült wurden, könne gegenwärtig noch nicht gesagt werden. In den kommenden Tagen seien weitere Abbrüche am Kraterrand möglich. Zuvor hatten die Experten anhand von Luftaufnahmen den Krater untersucht. Anwohner hatten zunächst spekuliert, dass eine Bunkeranlage der Grund für den Einsturz gewesen war.
Umweltminister sucht Förderbänder
Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz sagte, jetzt habe die Stabilisierung des Loches oberste Priorität. Allerdings sei der Einsatz schwerer Technik problematisch, da noch immer Erdmassen nachstürzen könnten. "An Stellen, an denen ich heute früh noch gestanden habe, konnte man sich heute Abend schon nicht mehr hinstellen", sagte der Minister MDR INFO. Er will am Dienstag dem Kabinett über den Erdfall berichten. Mit dem Verfüllen des Loches könne frühestens am Dienstagmorgen begonnen werden, so der Minister. "Wir suchen im Moment eine geeignete Technologie, wir wollen ja nicht noch irgendjemanden in Gefahr bringen, der daran arbeitet." Experten seien dabei, entsprechende Transportbänder aufzutreiben. Allerdings habe heutzutage kaum noch ein Baubetrieb ein Transportband. Ab Dienstag wolle man das Loch jedoch sukzessive über Förderbänder verfüllen. "Man muss sich aber bei der Größenordnung darüber im klaren sein, dass das rund 1000 Lkw-Ladungen sind!"
Umweltausschuss
CDU und SPD kündigten an, den Erdrutsch zum Thema im Umweltausschuss zu machen. In der Sitzung solle unter anderem die Ursachen des Erdfalls geklärt werden. Auch über die Folgeschäden für das betroffene Gebiet und mögliche Hilfsmaßnahmen soll beraten werden.
Erdlöcher sind in Thüringen keine Seltenheit. Immer wieder kommt es durch den Salzbergbau oder geologische Besonderheiten zu Kraterbildungen. Ende Januar hatte es in einem Wohngebiet in Tiefenort einen Erdrutsch gegeben.





