Nachrichten

Ein Urkontinent im Mini-Format : Gondwanaland ist eröffnet

Die Tropenhalle Gondwanaland im Leipziger Zoo ist offiziell eingeweiht. Sie vereint, was in Realität längst auseinander gebrochen ist – die Tropenlandschaften der drei Kontinente Südamerika, Afrika und Asien, die einst die Landmasse des Urkontinents Gondwana bildeten. Zoodirektor Jörg Junhold sagte bei MDR INFO, dies sei ein großer Tag für den Leipziger Tierpark. Gondwanaland sei eine großartige Gesamtkomposition.

Die offizielle Eröffnung begannmit einem musikalischen Festakt im Leipziger Gewandhaus. Anschließend übergaben im Leipziger Zoo Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung symbolisch die Schlüssel. Ab Freitag ist Gonwandaland dann für Besucher geöffnet.

Mit einer Höhe von 35 Metern und einer Fläche von mehr als zwei Fußballfeldern ist Gondwanaland die größte Tropenhalle Europas. Sie beherbergt 17.000 Pflanzen und 300 Tiere, darunter seltene und bedrohte Arten. Bewusst wurde auf Käfige verzichtet. Um die Tiere zu beobachten, werden die Besucher auf Entdeckungstour geschickt, auf einen Spaziergang durch einen dichten Tropenwald, in dem sich die Tiere auch zurückziehen können, wenn ihnen der Trubel zu viel wird.

Bildergalerie: Kurz-Trip durchs Gondwanaland

Ein Sunda-Gavial schwimmt in seinem Gehege. Überblick auf das Gondwanaland Heidi das Opossum im Leipziger ZOO

Ab dem 1. Juli kann im Leipziger Zoo die größte Tropenhalle Europas - Gondwanaland - besucht werden. [Bilder]


Gleich einem Dschungel sind die Besucherwege in der Tropenhalle verschlungen: Sie führen über Felsen oder durch dichtes Gestrüpp. Wer will, kann den Weg auch per Boot auf einem Fluss zurücklegen oder auf einer Hängebrücke, die in zwölf Metern Höhe gespannt ist. Wer sie überquert, ist gleichauf mit den Baumwipfeln und kann die dort lebenden Tiere beobachten.

Die tropischen Bäume im Gondwanaland haben einen weiten Weg zurückgelegt, sie wurden aus Spezialgärtnereien in Florida und Südostasien nach Leipzig überführt, um das Tropengefühl vollkommen zu machen. In der Leipziger Halle haben sie neben konstanter Raumtemperatur jedoch nur Raumlicht und das entspricht lediglich einem Bruchteil von dem, was sie bisher in der Natur hatten. Doch für die Bäume ist das nach Angaben des Zoos reine Gewöhnungssache.

Heidi ist tagsüber nachtaktiv

Umstellen muss sich auch die prominenteste Bewohnerin der neuen Tropenhalle: die schielende Heidi. Die zweieinhalbjährige Beutelratte war in der Halle zuletzt ins Gehege für nachtaktive Tiere umgezogen. Und dort wird verkehrte Welt gespielt, tagsüber wird es dort dunkel sein und nachts hell, damit die Zoo-Besucher das Opossum auch zu Gesicht bekommen. Heidi war bislang nur in den Medien zu sehen, nun kann sie auch besucht werden. Doch weist der Zooleitung darauf hin, sie sei durchaus nicht die einzige Attraktion.

Im Gondwanaland ist auch Deutschlands einziger Komodowaran zu sehen – eine Landechse, die knapp zwei Meter lang ist. Ebenso stapfen Schabrackentapire durchs Gelände, das Flusspferd hat sich bereits eingeschwommen und in den Baumkronen hängen Faultiere. Der Zoo will aber in seiner neuen Halle nicht nur ein exotisches Naturerlebnis bieten, sondern damit auch auf die Bedrohung des Ökosystems tropischer Regenwald aufmerksam machen.

Kosten übernehmen Stadt, Land und Zoo

Gondwanaland Außenansicht
Von weitem sichtbar - die 35 Meter hohe Gondwanahalle des Leipziger Zoos.

Mit einem Knall beim Aufeinanderdriften zweier Platten entstand vor Hunderten Millionen Jahren der Großkontinent Gondwana. Beim Gondwana-Land im Leipziger Zoo ging es anders zu: Zunächst wurde ein Fabrikgebäude der Ostra-Hydraulik abgerissen und schließlich in knapp vierjähriger Bauzeit die Tropenhalle aufgebaut. Die Kosten von rund 67 Millionen Euro teilen sich Land, Stadt und der Leipziger Zoo.

Die neue Halle ist von weitem sichtbar. Grund dafür sind die durchsichtigen Folienkissen, die für das richtige Klima in der Tropenhalle sorgen sollen. Wenn es Nacht wird in Leipzig und damit dunkel in der neuen Tropenhalle, gehen bei Heidi im Felsgang die Lampen an, damit die nachtaktive Beutelratte auch wirklich schlafen geht.

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2011, 09:55 Uhr

Gondwana

war über einen großen Zeitraum der Erdgeschichte der größte Kontinent der Südhalbkugel. Er verband Südamerika, Afrika, die Antarktis, Australien, Madagaskar und Indien zu einem bis zu 73 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent. Er entstand in der Erdfrühzeit, vor mehr als 500 Millionen Jahren durch die Kollision von Bruchstücken des Urkontinents Rodinia. Gegen Ende des Jura - vor etwa 150 Millionen Jahren - begann Gondwana zu zerbrechen. Die erste Bruchlinie verlief zwischen Afrika und Madagaskar. Als letzte Teile Gondwanas brachen Australien und die Antarktis auseinander.

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK