Ausbildungsmarkt : Tausende Lehrstellen noch unbesetzt
In Deutschland haben drei Prozent aller gemeldeten Bewerber bislang keinen Ausbildungsplatz. Das entspricht einer Zahl von 16.000 Jugendlichen, die noch keine Stelle haben. Das gab die Bundesagentur für Arbeit in Berlin bekannt. Gleichzeitig seien aber noch 33.300 Ausbildungsplätze unbesetzt, die noch vermittelt werden können. Das fünfte Jahr in Folge gibt es mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber. Gründe für die Angebot-Nachfrage-Schere: Jugendliche wollen oft nur in ihrem Traumberuf eine Lehre beginnen, kennen kaum Alternativen oder sind zu schlecht ausgebildet.
Ausbildungsmarkt in Sachsen
Gute Chancen gibt es derzeit für Bewerber in Sachsen: Auf jeden unversorgten Schulabgänger kommen im Freistaat derzeit zwei Ausbildungsplätze. Konkret gibt es noch rund 1.600 unbesetzte Ausbildungsplätze, 843 Bewerbern konnte hingegen noch keine Stelle vermittelt.
Von der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit hieß es, damit sei keiner der Jugendlichen gezwungen, sich in einem anderen Bundesland nach freien Lehrstellen umzusehen. Die freien Stellen will die Direktion bis Jahresende vermittelt haben – auch an Schulabbrecher und an junge Arbeitslose ohne Berufsausbildung.
Ausbildungsmarkt in Thüringen
Noch deutlicher fällt das Job-Bewerber-Verhältnis in Thüringen aus. Hier kommen derzeit auf jeden unversorgten Schulabgänger mehr als drei Ausbildungsplätze. Konkret sind laut Thüringer Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit derzeit rund 1.100 Stellen unbesetzt, zeitgleich gibt es rund 300 Schulabgänger, die noch keine Lehrstelle gefunden haben. In Thüringen sind nach Agenturangaben Unternehmen immer mehr unter Druck – weil es inzwischen mehr Ausbildungsplätze als Bewerber auf dem Markt gibt. Grund dafür sei neben der demografischen Entwicklung auch die längere Schulpflicht. Die Arbeitsagentur forderte die Wirtschaft zum Umdenken auf, weil es auch in den nächsten Jahren keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt gebe. So müssten die Firmen auch weniger qualifizierten Jugendlichen eine Chance auf eine Lehrstelle geben.
Ausbildungsmarkt in Sachsen-Anhalt
Die wenigsten unbesetzten Ausbildungsplätze gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt. Rund 730 Lehrstellen sind laut Regionaldirektion noch offen, zeitgleich gibt es noch 425 Bewerber, die keinen Ausbildungsplatz haben. Von der Arbeitsagentur hieß es, aus dem Stellenmarkt sei ein reiner Bewerbungsmarkt geworden. Grund dafür: Im Bundesland haben sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Schulabgänger halbiert. In den kommenden Jahren – so warnt die Agentur – wird es für Unternehmen in Sachsen-Anhalt noch schwieriger als jetzt, junge Leute für die Ausbildungsplätze zu gewinnen. Die Firmen sollten sich daher auch für weniger qualifizierte Schulabgänger öffnen. An die jugendlichen Bewerber appellierte die regionale Arbeitsagentur, sich nicht nur an vermeintlichen Traumjobs zu orientieren, sondern an dem, was regional angeboten werde. Am wenigstens sind die jungen Leute an Lehrstellen in der Fertigung und in der Dienstleistungsbranche interessiert. Die meisten Bewerber gibt es für Ausbildungsjobs im Handel und Tourismus.
Die Bundesagentur für Arbeit will mit verschiedenen anderen Behörden die jungen Bewerber künftig früher und auch gezielter ansprechen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe, sagte, es sei ein "Mentalitätswechsel" nötig. Die Berufswelt erscheine vielen Jugendlichen, die mit 16 oder 17 Jahren die Schule verließen, als "Buch mit sieben Siegeln". Sie bräuchten einen "besseren Überblick, damit sie nicht nur zehn von 300 Ausbildungsberufen kennen". Praktika in Betrieben sollen das künftig verändern.
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