Autokennzeichen : Freie Wahl für alle - Kritiker befürchten Chaos
Städte und Gemeinden sollen sich ihre Autokennzeichen künftig selbst aussuchen dürfen. Wie die "Westfälische Rundschau" berichtet, soll die entsprechende Verordnung bereits im September den Bundesrat passieren. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wolle damit auf Bürgerwünsche eingehen, erklärte ein Ministeriumssprecher der Zeitung. Künftig könnten Fahrzeughalter "durch ihr Kennzeichen wieder die Zugehörigkeit zu ihrem Herkunftsort, ihrer Gemeinde, Stadt oder Region zeigen".
Dem Bericht zufolge will Ramsauer mit der neuen Zulassungsverordnung weiter gehen als bisher angedacht. Bislang stand bei der geplanten Änderung die Rückkehr zu Altkennzeichen im Mittelpunkt, die durch Reform oder Zusammenlegung von Verwaltungsbezirken verschwunden waren. So könnten künftig Städte wie Schönebeck (Elbe), Gardelegen oder Wanzleben wieder die alten Kürzel SBK, GA und WZL führen. Allerdings sollen nun auch Städte, die in der Vergangenheit nie ein eigenes Kennzeichen hatten, eine Buchstabenkombination wählen dürfen. Damit gäbe es innerhalb eines einzelnen Verwaltungsbezirks mehrere Unterscheidungskennzeichen nebeneinander.
Deutsche sind Nummernschild-Nostalgiker
Viele Autofahrer dürfte die Reform freuen - sie könnten mit den neuen Kennzeichen ihrer Heimatverbundenheit Ausdruck verleihen. Einer Studie der Hochschule Heilbronn zufolge wollen die meisten Deutschen nämlich ihre alten Kennzeichen zurück. Prof. Ralf Bochert hat rund 40.000 Menschen in 176 Städten befragt - drei Viertel von ihnen sprachen sich für die althergebrachten Nummernschilder aus. Nur elf Prozent lehnten sie ab.
Unterstützung aus Sachsen-Anhalt und Thüringen
Auch Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel unterstützt den Vorstoß. "Ich bin für eine Liberalisierung durchaus offen und habe Verständnis für die Wünsche unserer Bürgerinnen und Bürger", sagte der CDU-Politiker. Webel zufolge laufen in Sachsen-Anhalt zu dem Thema bereits Verhandlungen mit Vertretern der Kommunen. Derzeit sei aber noch nicht abzusehen, ob Kommunen auch völlig neue Kennzeichen einführen wollten.
Das Thüringer Verkehrsministerium kündigte an, noch in diesem Jahr alle abgeschafften Ortskürzel wieder einzuführen, falls der Bundesrat der Verordnung im September zustimmt. Die Rückkehr zu den alten Kennzeichen solle auf freiwilliger Basis erfolgen. Sachsen hatte schon vorher angekündigt, im Fall einer Neuregelung alle abgeschafften Ortskürzel wieder zuzulassen.
Kritiker befürchten Chaos
Kritiker befürchten unterdessen ein unüberschaubares Durcheinander. So ließ der Landkreistag von Nordrhein-Westfalen bereits verlauten, mit der praktisch vollständigen Freigabe der Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen drohe "eine weitere Zersplitterung der Kennzeichenlandschaft, die auch erhebliche Nachteile für die Kriminalitätsvorbeugung und -bekämpfung mit sich bringt".
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