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Gesundheitswesen : Mehr Ärzte sollen aufs Land

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Kliniken und Krankenkassen hat eine neue Planung für das Ärztenetz in Deutschland vorgelegt. Ein Kernpunkt ist, 3.000 neue Hausärzte zuzulassen - vor allem in ländlichen Regionen. Von einem Mangel an Landärzten sind viele Regionen im Osten und Westen betroffen. Mit den neuen Zulassungsregeln soll nun der ärztliche Nachwuchs bewegt werden, den Schritt zur eigenen Praxis vor allem auf dem Land zu wagen.

Ärzte dürfen in Stadt wohnen und auf dem Land arbeiten

Dem Beschluss waren im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem höchsten Gremium im deutschen Gesundheitswesen, monatelange Gespräche vorausgegangen. Dazu gehören auch Neuerungen an, die bereits Gesetz sind, etwa die Abschaffung von Regressen bei einer übermäßigen Medikamentenverordnung in einigen Gebieten, ebenso die Aufhebung der Residenzpflicht: Ärzte dürfen seit einiger Zeit auch in der Stadt wohnen und zur Praxis auf das Land pendeln.

Bereits Anfang September hatte der G-BA zudem einen Zulassungsstopp für bestimmte Arztgruppen verhängt. Dieser betraf vor allem spezialisierte Fachärzte wie Strahlentherapeuten, Nuklearmediziner, Jugendpsychiater, Neurochirurgen, Humangenetiker, Laborärzte und Pathologen. Sie durften lange Zeit weitgehend ohne Beschränkung ihre Praxen eröffnen, was sie vor allem in Städten taten.

Bei den Hausärzten, die zumeist Fachärzte für Allgemeinmedizin, Internisten, praktische Ärzte ohne Facharztanerkennung und Kinderärzte sind, gab es jedoch zu wenige Zulassungen, obwohl sie in vielen ländlichen Gebieten viel zu knapp sind. Der Grund waren zu groß bemessene Planungsregionen. Diese können für Hausärzte nun bei Bedarf geteilt werden. Allein durch die Verkleinerung der Planungsgebiete könnten rund 900 neue Niederlassungen entstehen.

Der Arzt soll zum Patienten - doch die Skepsis bleibt

Arzt
Auf dem Land sollen wieder mehr Hausärzte zugelassen werden.

G-BA-Chef Josef Hecken sagte: "Wenn wir nicht wollen, dass Menschen in ländlichen Bereichen Entwicklung unterversorgt sind, dann muss der Arzt zum Patienten gebracht werden und nicht umgekehrt."

Verbraucherschützer glauben jedoch nicht an kommende Verbesserungen: "Zentrale Probleme wie erhebliche Unterschiede zwischen reichen und armen Stadtteilen oder lange Wartezeiten auf Termine für Augenuntersuchungen und Psychotherapie bleiben weitestgehend unverändert", sagt Ilona Köster-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Die AOK mahnte, auch etwas gegen die Überversorgung in den Ballungszentren zu tun. Diese müsse abgebaut werden, sagte der Vorstand des AOK-Bundesverbands, Uwe Deh.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2012, 20:12 Uhr

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