Pannenserie beim Flughafenbau : Wowereit springt ab
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gibt den Aufsichtsratsvorsitz beim Bau des neuen Berliner Großflughafens ab. Hintergrund ist die erneute Verzögerung beim Eröffnungstermin. Wowereit bestätigte, dass auch der neue Starttermin 27. Oktober 2013 nicht mehr einzuhalten sei. Neuer Vorsitzender der Flughafengesellschaft soll nun Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck werden. Bislang war der SPD-Parteifreund Wowereits Stellvertreter. Einen Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin schloss Wowereit aus.
Platzeck stellt Vertrauensfrage
Vor einer Übernahme des Chefpostens im Aufsichtsrat sucht Platzeck jedoch die Rückendeckung des Brandenburger Parlaments. Ein Sprecher kündigte nach der Sitzung der Flughafengesellschaft FBB an, dass der Regierungschef bei der nächsten Landtagssitzung die Vertrauensfrage stellen werde. Auch Flughafengeschäftsführer Rainer Schwarz ist wohl nicht mehr zu halten. Wowereit sagte, er erwarte einen Antrag auf Ablösung von Schwarz. Der Chefplaner steht seit langem in der Kritik. Der Bund und Wowereits Koalitionspartner CDU fordern seine Entlassung. Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg mit jeweils 37 Prozent und der Bund mit 26 Prozent. Die Eröffnung des neuen Großflughafens für Berlin und Brandenburg war wegen Bauproblemen bereits mehrfach verschoben worden. Als neuer Termin wird nun frühestens 2014 ins Auge gefasst.
Wowereit und Platzeck im Sog der BER-Pleiten
Nach der erneuten Verschiebung der BER-Fertigstellung waren auch die Forderungen nach einem Rücktritt Wowereits als Regierender Bürgermeister lauter geworden. Die Grünen-Franktionschefin im Berliner Abgeordnentenhaus, Ramona Pop, kündigte im rbb einen Misstrauensantrag an. Wowereit sei zur Belastung für Berlin geworden. Wenn er tatsächlich schon im Dezember gewusst habe, dass der Flughafen nicht wie geplant im Oktober eröffnet werden könne, und dann in den Weihnachtsurlaub gefahren sei ohne die Öffentlichkeit zu informieren, dann sei dieses Verhalten eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig.
Auch der Ruf des Brandenburger Ministerpräsidenten Platzeck hat unter dem Flughafen-Desaster gelitten. Die CDU-Fraktion rief ihn auf, als Ministerpräsident und stellvertretender BER-Aufsichtsratschef zurückzutreten. Zudem forderte die Oppositionspartei die Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz. Fraktionschef Dieter Dombrowski sagte, man werde bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Entlassung von Schwarz beantragen.
Technikchef schließt Eröffnung 2013 aus
Mehrere Medien hatten am Montag berichtet, dass auch der zuletzt anvisierte Eröffnungstermin für den Willy-Brandt-Airport im Herbst 2013 nicht mehr zu halten sei. Sie beriefen sich dabei auf Aussagen von Technik-Chef Horst Amann. Demnach gibt es weiterhin Probleme beim Brandschutz und erhebliche Abweichungen von der Baugenehmigung. Zuletzt hatten auch Schwierigkeiten bei der Kühlung des zentralen Computersystems für Schlagzeilen gesorgt.
Bislang Kosten von mehr als vier Milliarden Euro
Die Fertigstellung des neuen Großflughafens "Willy Brandt" gerät damit immer weiter in Verzug. Die für Anfang Juni 2012 große Eröffnungsparty war vier Wochen vorher abgesagt worden. Anschließend konnte auch der neue Termin März 2013 nicht eingehalten werden. Zuletzt hatten sich die Betreiber auf den Herbst 2013 verständigt, doch auch dieser Termin ist nun geplatzt. Durch die mehrmaligen Verschiebungen haben sich die Kosten für den Flughafen auf inzwischen mehr als vier Milliarden Euro summiert.
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Hauptstadtflughafen "Willy Brandt"
Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER "Willy Brandt" ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen nimmt eine Fläche von 1.470 Hektar ein – das entspricht 2.000 Fußballfeldern.
Der Flughafen hat 85 Stellplätze für Flugzeuge. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Bis zu 6.500 Passagiere sollen in einer Spitzenstunde abgefertigt werden. Insgesamt sollen 172 Ziele in rund 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein.
Berlin als Touristenmagnet und das Umland sollen vom neuen Airport profitieren. 2011 wurden in der Hauptstadt rund zehn Millionen Gäste und 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Die Region Berlin-Brandenburg mit zehn Millionen Einwohnern ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum. Etwa 40.000 Menschen sollen am BER arbeiten.


