Nachrichten

Biodiesel : Konzerne mischen Billigware aus dem Ausland zu

Biodiesel gehört in Deutschland kraft Gesetz in den Tank: Dem an den Zapfsäulen erhältlichen Kraftstoff sind bis zu sieben Prozent Biodiesel beizumischen. Das ist Sache der Mineralölkonzerne - und die ziehen Billigware aus dem Ausland den deutschen Ölen vor. Das bringt die einheimischen Produzenten in Schwierigkeiten und verstößt auch gegen eine Verordnung, die seit anderthalb Jahren in Deutschland gilt.

von Maren Beddies

Eine Hand an einer Zapfpistole für Diesel-Kraftstoff, die in einem Tankeinfüllstutzen steckt

Was Biodiesel ist und was nicht - das hat die EU festgelegt. Nur nachwachsende, heimische Rohstoffe wie Raps, Getreide oder Zuckerrübe dürfen verwendet werden, dann gibt es ein Qualitäts-Zertifikat. In Deutschland wird diese Regelung streng überwacht - in anderen EU-Staaten ist das weniger der Fall. Und so kommt es, dass im Ausland auch minderwertiger Biodiesel zu hochwertigem erklärt wird. Mit solchen erschwindelten Zertifikaten wird die Billigware dann nach Deutschland importiert.

Händler schummeln beim Import

"Zertifikate werden beispielsweise von Händlern in Rotterdam genutzt, um nichtnachhaltigen Soja-Ethylester aus Argentinien oder nichtnachhaltigen Palmöl-Methylester aus Indonesien sauber zu waschen", erklärt Claus Sauter vom größten deutschen Biodieselproduzenten Verbio aus Leipzig. So kommt es, dass zertifizierter Biodiesel aus Nachbarstaaten Inhaltsstoffe enthält, die in Südamerika oder Südostasien ohne Rücksicht auf die Natur billig produziert wurden.

Den Mineralölkonzernen scheint das egal zu sein. Nur den hochwertigen deutschen Biodiesel zu kaufen, ist ihnen offenbar zu teuer, vermutet Sauter. Auf den ersten Blick scheint alles legal, schließlich haben die Ölkonzerne Zertifikate für die Ware. An der Preisdifferenz sehe man aber, dass es sich um ein illegal importiertes Produkt handle. "Dort sind jetzt die deutschen Behörden gefordert, der Sache auf den Grund zu gehen", sagt der diplomierte Kaufmann.

Einheimische Produzenten leiden unter dem Schwindel

Die deutschen Politiker müssten die aufgestellten Regeln kontrollieren, fordert Sauter, denn einheimische Produzenten, die nach deutschem Gesetz und strengen EU-Normen handeln, geraten in Wettbewerbsnachteil und damit wirtschaftlich unter Druck. "Der Bundesumweltminister und die Bundeslandwirtschaftsministerin, die ja federführend sind für diese Nachhaltigkeitsverordnung und für die Biokraftstoffe, müssen hier eine klare Richtung vorgeben. Wenn man das einfach so durchgehen lässt, dann ist der nächste Betrug schon wieder vorprogrammiert."

Dies würde sich nach Sauters Überzeugung auch finanziell für den Staat lohnen. Alle in der Vergangenheit aufgekauften Biodiesel-Mengen sind in einer Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung registriert. Wenn der Staat schnell handelt und rückwirkend kontrolliert, könne er von den Mineralölkonzernen, die sich am unlauteren Geschäft beteiligt haben, nachträglich einen Milliardenbetrag kassieren. Das käme auch dem Steuerzahler zugute.

Konsequenzen auch für Mitteldeutschland

Handle der deutsche Staat nicht, werde das Geschäft mit Biodiesel in Deutschland unrentabel. Und dann gibt es aus Sauters Sicht nur eine Konsequenz: "Produktion runterfahren, Anlagen stoppen und die Leute nach Hause schicken". Betroffen wären davon nicht nur die Werke in Bitterfeld und Schwedt, sondern auch zahlreiche Landwirte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Polen, die Verbio einheimische nachgewachsene Rohstoffe zuliefern.

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2012, 15:43 Uhr

2. rainer duffner:
Hallo Herr Schmidt, wieso ist Biodiesel fragwürdig? Warum ineffizient? Beweisen Sie und die Leute die das "wissenschaftlich" behaupten doch einmal, was sie ständig erzählen! Eines ist hingegen unumgängliche Gewissheit: Ständig neues Öl aus dem Boden zu holen oder auch Erdgas, wird uns alle noch zu unseren Lebzeiten entweder umbringen oder unsere Erde so verwüsten, dass die ganzen Dummschwätzer von damals sich wünschen würden, man hätte damals im Garten Biodiesel gepflanzt, nur um das nicht zu erleben, was wir in 10-20 Jahren mitmachen werden. Warum kapiert KEINER von euch, dass Ölquellen leeren ein strenger und brutal additiver Prozess ist (zb für CO2) - Kraftstoffe aus Pflanzen aber ein nicht-additiver Wälzungsprozess? Warum ihr dummen Menschen, warum versteht ihr nicht, dass Letzteres echt sexy ist? Ich hoffe, irgendwann kapiert ihr das.
15.08.2012
13:38 Uhr
1. schmidt:
Ein sehr cleverer Schachzug. Dadurch, daß die Aufmerksamkeit auf die Billigimporte gelenkt wird, setzt man die Politik unter Druck und bereitet die nächsten Preiserhöhungen für Biodiesel vor. Vor allem aber lenkt man sehr geschickt davon ab, daß Experten das gesamte Konzept des Biodiesels als unökologisch und unsinnig einschätzen. So hofft man, durch viel Krawall Subventionen für für die fragwürdige und ineffiziente Biodieselproduktion zu bekommen.
14.08.2012
09:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK