Kraftwerk Boxberg : Letzter 300-Meter-Riese ist gefallen
Die Schornsteine des alten Kraftwerkes in Boxberg in der Oberlausitz sind Geschichte. Bei einer Sprengung am Sonnabend stürzte der letzte von einst vier rund 300 Meter hohen Industriegiganten unter den Augen von 5.000 Schaulustigen in wenigen Sekunden zu Boden - so, wie es die Fachleute geplant hatten. Insgesamt waren 1.635 Löcher für den Sprengstoff in den Turm gebohrt worden, um die 11.000 Tonnen Beton zu Fall zu bringen.
Zwei weitere Schornsteine in Boxberg waren bereits 2009 beseitigt worden. Ein Volksfest wie damals gab es dieses Mal allerdings nicht. Mit dem 300-Meter-Lulatsch verlor Boxberg endgültig sein Wahrzeichen. Die einst drei Schornsteine waren nur wenig kleiner als Deutschlands höchstes Bauwerk, der Berliner Fernsehturm (368 m), oder der Eiffelturm in Paris (324 m). Die Türme zeigten die Lage der kleinen Gemeinde in der Westlausitz von weither an. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Vattenfall ist der Schornstein die letzte stillgelegte 300-Meter-Esse in Ostdeutschland.
Sprengung wurde wochenlang vorbereitet
Die Sprengung zweier gleich großer Schornsteine vor drei Jahren hatten mehr als 10.000 Menschen verfolgt und in Boxberg eine Party veranstaltet. Die Gefühle der Boxberger waren beim Fall des letzten Schornsteins gemischt. Die Gemeinde in der strukturschwachen Region lebt letztendlich vom Kraftwerk sowie dem neu aufkeimenden Tourismus am Bärwalder See lebt. Viele Boxberger empfanden die Schornsteine nicht als störend, sondern als markante Landmarken, die Jahrzehnte zu ihrem Ort gehörten.
40-jährige Geschichte endet
Von dem alten Kraftwerk II zeugt damit nur noch die imposante Maschinenhalle. Die Geschichte des einst größten Braunkohlekraftwerks der DDR reicht mehr als 40 Jahre zurück. 1971 ging der erste Kraftwerksblock in Betrieb.
Bis 1980 wurde die Kapazität auf 3.520 Megawatt erweitert. In Spitzenzeiten waren dort 4.800 Arbeiter beschäftigt und weitere 3.000 im nahen Tagebau. Pro Tag wurden bis zu 120.000 Tonnen Kohle verfeuert und rund 80 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt - und jede Menge schädliche Emissionen.
Die neuen Kraftwerke sind wesentlich sauberer und kommen ohne Riesenschornsteine aus. Die Skyline wird nun allein von den breiten Kühltürmen bestimmt. Boxberg ist das zweitgrößte Werk von Vattenfall in Deutschland. Am 11. Oktober nimmt ein neuer Block mit 675 Megawatt offiziell seinen Betrieb auf. Damit steigt die Kraftwerkskapazität auf 2.575 MW. Das Werk kann bei maximaler Auslastung dann mehr als vier Millionen Haushalte mit Strom versorgen.
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