"Tag der offenen Tür" der Bundesregierung : Bundeskanzlerin empfängt Bürger im Kanzleramt
Einmal im Jahr können Neugierige hinter die Kulissen der Berliner Regierung blicken. In diesem Jahr führte die Kanzlerin persönlich durchs Kanzleramt - und auch einige Minister ließen es sich bereits am Sonnabend nicht nehmen, in direkten Kontakt mit den Bürgern zu treten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Sonntag interessierte Bürger im Kanzleramt empfangen. Trotz Hitze nahmen Tausende das Angebot an, zum "Tag der offenen Tür" der Bundesregierung die Schaltzentrale der Macht zu erkunden.
Merkel bedankte sich dementsprechend mit der Bemerkung, sie freue sich, dass so viele ihrer Einladung gefolgt seien, statt ins Freibad zu gehen. Anschließend führte sie die Menge durch das Kanzleramt und den Kanzlergarten. Hier konnten die Gäste auch den Regierungshubschrauber bestaunen. Kritische Fragen wurden der Kanzlerin nicht gestellt. Stattdessen musste Merkel Tausende Autogramme geben.
Neben dem Bundeskanzleramt konnten auch das Presse- und Informationsamt sowie die 14 Bundesministerien erkundet werden. Die meisten Häuser waren bis 18 Uhr geöffnet. Zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten fuhr ein kostenloser Busshuttle. Besucher mussten sich aus Sicherheitsgründen teilweise strengen Kontrollen unterziehen lassen, vor allem im Kanzleramt.
Schröder zeigt Kindern ihr Büro - und ignoriert Protest vor der Tür
Bereits am Sonnabend hatte das Berliner Regierungsviertel seine Türen für Interessierte geöffnet. Ein Sprecher der Bundesregierung äußerte sich zufrieden über die Zahl der Besucher. In allen Häusern habe es großen Andrang gegeben.
Vor dem Kanzleramt wurde den ganzen Tag über ein Staatsbesuch mit rotem Teppich und Musikkorps simuliert. Vier Minister ließen es sich nicht nehmen, die Bürger persönlich zu empfangen. Finanzminister Wolfgang Schäuble sprach im Innenhof seines Amtssitzes mit Bürgern über die Euro-Krise. Im Bundesfamilienministerium gab Hausherrin Kristina Schröder einen Einblick in ihr Büro - während zahlreiche Bürger vor der Tür protestierten. Sie wollen das Ehegattensplitting, also Steuervorteile für Verheiratete, auch für eingetragene Lebenspartnerschaften erreichen.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger beteiligte sich an einer Diskussionsrunde zum Thema "Gemeinsam gegen Rechtsextremismus". Außenminister Guido Westerwelle will am Sonntagnachmittag an einem Bürgerforum zum Thema "Europa" teilnehmen. Übergeordnetes Thema in allen Häusern ist aber die Demografiestrategie der Bundesregierung. Ein "sehr komplexes" Thema, wie Merkel im Vorfeld einräumte. Unter dem Motto "Jedes Alter zählt" werden zahlreiche Attraktionen angeboten.
Großes Interesse auch in Dresden
Auch in Dresden nutzten zahlreiche Gäste die Möglichkeit, das "Gläserne Regierungsviertel" zu besuchen und sich über die sächsische Regierungsarbeit zu informieren. Wie die Landesregierung am Sonnabend mitteilte, streiften rund 5.000 Interessierte durch die Staatskanzlei, das Landwirtschafts- und das Finanzministerium.
Zum Auftakt der Veranstaltung, die sich bereits zum zehnten Mal jährte, lud Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum traditionellen Bürgerfrühschoppen in die große Kuppelhalle der Staatskanzlei ein. Ein weiterer Höhepunkt war eine Versteigerung von Geschenken, die Tillich bei Staatsbesuchen erhalten hatte. Den Erlös soll der Verein Kinderarche Sachsen erhalten.
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