JVA Burg : Häftlinge misshandeln Mitgefangenen über Wochen
Im Gefängnis Burg soll ein Häftling über Wochen misshandelt worden sein. Wie die "Volksstimme" schreibt, ermittelt die Polizei gegen drei Mitgefangene. Sie hätten den 25-Jährigen immer wieder geschlagen und in den Unterleib getreten. Außerdem sollen sie Geld von ihm erpresst und gedroht haben, ihn totzuschlagen. Durch die wochenlangen Misshandlungen wurde der junge Mann offenbar schwer verletzt. Dem Zeitungsbericht zufolge wurde er notoperiert.
Wie die "Volksstimme" weiter berichtet, hatte ein Mithäftling dem Personal einen Hinweis gegeben, dass ein Gefangener von seinem Zellengenossen misshandelt werde. Die medizinische Untersuchung ergab unter anderem Hämatome am gesamten Körper. Wenig später wurde dann bekannt, dass auch zwei Häftlinge anderer Abteilungen an den Übergriffen beteiligt gewesen seien sollen. Alle drei hätten ihrem Opfer gedroht, ihn totzuschlagen, wenn er aussagte. Neben körperlichen Misshandlungen sollen sie ihm auch über Wochen verboten haben, seine Zelle, zum Beispiel zum Duschen, zu verlassen. Das sogenannte Einkaufsgeld hätten sie als "Schutzgeld" erpresst.
Ministerium leitete Ermittlungen ein
Thomas Wünsch vom Justizministerium Sachsen-Anhalt bestätigte dem MDR den Vorfall. Der mutmaßliche Täter, der unter anderem wegen räuberischer Erpressung noch bis 2014 in Haft sitzt, sei verlegt worden. Das Opfer liege auf der Krankenstation. Er verbüßt eine Strafe wegen schweren Diebstahls und Raub und muss bis 2015 im Gefängnis bleiben.
In der Justizvollzugsanstalt Burg-Madel sind eigentlich alle Inhaftierten in Einzelhaft untergebracht. Nur wenn Selbstmordgefahr oder der ausdrückliche Wunsch vorliege, leben zwei Häftlinge in einem Raum. Nach Angaben der Behörde hatte der Misshandelte seine erste Haftstrafe antreten müssen und sich vor einer Einzelunterbringung gefürchtet. Seinen späteren Folterer habe er schon vorher gekannt.
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JVA Burg
Im Gefängnis sitzen 530 Häftlinge ein, darunter auch Sicherungsverwahrte. Die Einrichtung gilt als eine der modernsten in Europa. Sie wurde für 100 Millionen Euro von privaten Investoren gebaut, teilweise wird sie auch privat betrieben. Im Sommer 2010 protestierten die Häftlinge mit einem Hungerstreik gegen die Haftbedingungen. Sie beschwerten sich, dass sie keine eigenen Fernseher benutzen und auf dem Freigelände keine private Kleidung tragen durften. Das Ministerium gab ihren Forderungen nicht nach, der Hungerstreik wurde abgebrochen. Auch baulich gab es Probleme: Ein Jahr nach der Eröffnung drang Grundwasser in das Gebäude ein.
Quelle: dpa


