Leipzig : Probefahrt mit Tunnelblick
Rund 3.500 Gäste sind am Wochenende durch den Leipziger City-Tunnel gefahren. Für die Probefahrten durch die noch nicht ganz fertige Unterführung war ein offener Bauzug mit Sitzen ausgestattet worden.
Die Bahn hatte 3.500 kostenlose Tickets für die 16 Fahrten zwischen Hauptbahnhof und Bayerischem Bahnhof vergeben, die in weniger als einer Stunde alle weg waren. Die langsame Durchfahrt ohne Halt erlaubte einen Blick in den Tunnel und in die vier neu entstandenen unterirdischen Stationen.
Politiker sind überzeugt
Zu den Fahrgästen gehörte am Sonnabend auch Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok. Der FDP-Politiker ist vom Erfolg des Tunnels überzeugt: "Wir werden sehr bald eine Situation haben, dass man sich das S-Bahn-Netz in der Stadt Leipzig ohne den City-Tunnel nicht mehr vorstellen kann." Morlok schätzt, viele Pendler aus dem Umland würden vom Auto auf die Bahn umsteigen. Das bedeute weniger Verkehr und Staus und sei ein Beitrag zum Umweltschutz.
Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf hat ihre Skepsis abgelegt. Inzwischen sei sie überzeugt, dass der Tunnel hilfreich sei, auch wenn die gestiegenen Kosten die Freude trübten. Kritischer äußerte sich Ralf Kuke vom Verkehrsclub Deutschland. Ingenieur- und bautechnisch sei der Tunnel schon beeindruckend. Ein Vorzeigeprojekt in einer Großstadt könne aber nicht aufwiegen, wenn wegen der Einsparungen im Öffentlichen Personennahverkehr die Fläche immer mehr abgehängt werde.
Tunnel wird später fertig und teurer als geplant
An dem vier Kilometer langen City-Tunnel wird seit neun Jahren gebaut. Im Dezember 2013 soll er in Betrieb gehen, vier Jahre später als ursprünglich geplant. Der Bau ist inzwischen auch viel teurer als ursprünglich geplant. Das sächsische Verkehrsministerium gibt die Kosten inzwischen mit 960 Millionen Euro an. Zu Beginn der Arbeiten war man von 572 Millionen Euro ausgegangen.
Durch die beiden Röhren sollen - ebenfalls anders anfangs als geplant - nur Nahverkehrszüge rollen. Das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland wird in diesem Zusammenhang neu geordnet. Die Deutsche Bahn AG hatte die Ausschreibung mit ihrer eigens gegründeten Tochter S-Bahn Mitteldeutschland gewonnen.
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