Drei Männer
Eric Hattke vom Bündnis "Dresden für alle" im Gespräch mit Ministerpräsident Tillich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dankesparty in Dresden Flüchtlingshelfer fordern Tillich zum Handeln auf

3.000 Einladungen hat die sächsische Landesregierung verschickt - für eine Dankesparty mit Flüchtlingshelfern. Doch nach den Ereignissen in Clausnitz und Bautzen hagelte es reihenweise Absagen. Bei der Feier übergab das Bündnis "Dresden für Alle" stellvertretend für die Flüchtlingshelfer einen kritischen Brief an Ministerpräsident Tillich.

Drei Männer
Eric Hattke vom Bündnis "Dresden für alle" im Gespräch mit Ministerpräsident Tillich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat dazu aufgerufen, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus gemeinsam zu überwinden. "Wir haben ein Problem mit Rechtsextremismus", sagte er bei einer Dankesfeier für Flüchtlingshelfer am Freitagabend bei einer Dankesparty für Flüchtlingshelfer in Dresden. Es gebe Menschen im Freistaat, "die andere bedrohen, die andere angreifen". Das Beispiel der Flüchtlingshelfer zeige aber auch ein anderes Bild von Sachsen, nämlich dass das Land weltoffen sei und aus engagierten Menschen bestehe, die sich für andere einsetzen. Ähnlich äußerte sich Tillich bereits am Freitagmorgen im Bundesrat in Berlin.

Offener Brief an Tillich übergeben

Eric Hattke von "Dresden für alle"
Eric Hattke vertritt das Bündnis "Dresden für alle" Bildrechte: dpa

Auf Initiative des Netzwerks "Dresden für Alle" wurde dem Regierungschef ein offener Brief übergeben, in dem er zum Handeln aufgefordert wird. "Treten Sie politischen Hetzern wie der AfD oder Politikern aus Ihren eigenen Reihen entschieden entgegen", heißt es in dem Brief. Zugleich erklärten die Helfer, für ihre Arbeit mehr Unterstützung zu brauchen.

Wir wollen helfen, brauchen dazu aber auch die Bereitschaft, den Willen und die nötigen Informationen. Diese werden uns viel zu oft von den zuständigen Behörden vorenthalten.

aus dem Offenen Brief des Bündnisses "Dresden für Alle"

Ihn unterstützten rund 600 Einzelpersonen und 70 Organisationen, hieß es. Tillich wolle das Angebot zur Zusammenarbeit annehmen, um gemeinsam fremdenfeindliche Einstellungen verhindern und überwinden zu können, erklärte der Ministerpräsident. Für die Feier im Dresdner Eisstadion waren 3.000 Einladungen an Vereine, Verbände und Personen verschickt worden. Rund 2.000 Rückmeldungen gab es.

Flüchtlingshelfer befürchten weitere Ausschreitungen

Öffentlich abgesagt hat unter anderem der "Familienverein für Groß und Klein in Chemnitz". Damit reagierte er vor allem auf die ausländerfeindlichen Vorfälle der vergangenen Tage in Sachsen. "Uns ist nicht zum Feiern zumute, wenn Geflüchtete und auch Helfer in Sachsen immer wieder Gewalt, Hass und Kriminalität ausgesetzt sind", erklärte Vereinschefin Jacqueline Hofmann.

Dankesfeier Flüchtlingshelfer
Dankesfeier in der Eishalle Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Initiativen aus Chemnitz schrieben einen Offenen Brief an Ministerpräsident Tillich. Darin fordern sie ihn auf, angesichts fremdenfeindlicher Taten klar Stellung zu beziehen. "Es ist inzwischen deutschlandweit der Eindruck entstanden, dass das Land Sachsen den vor Krieg und Elend Geflüchteten keinen Schutz bietet!", heißt es in dem Brief. Dass es bei den Brandanschlägen und Übergriffen noch keine Todesopfer gab, habe nichts mit den Schutzmaßnahmen der Landesregierung, sondern nur mit Glück zu tun.

Wir befürchten, dass es zukünftig neben körperlichen und seelischen Verletzungen zu weiteren, schwerwiegenden Folgen kommen wird!

Aus dem Offenen Brief Chemnitzer Flüchtlingsinitiativen

Linke: "Tillich hat nichts begriffen"

Abgesagt hat auch der Vorsitzende der sächsischen Linken, Rico Gebhardt. "Ich habe keinen Grund zum Feiern mit Tillich", teilte Gebhardt mit und rügte den Umgang der Landesregierung mit Grünen und Linken. Als diese eine Sondersitzung des Landtages zu den Ereignissen in Clausnitz und Bautzen beantragt haben, hätten Teile der CDU von "blankem Populismus" gesprochen. Kurz darauf habe die Staatsregierung selbst die Sitzung beantragt, die nun am kommenden Montag stattfindet. Damit hat "Herr Tillich aber erneut bestätigt, dass er einfach nichts begriffen hat", so Gebhardt. "Wenn sich Herr Tillich zu einem Kurswechsel entschließen sollte, klare Kante gegen Menschenfeindlichkeit zeigt und ein überall in Sachsen unmissverständliches Signal für Willkommenskultur sendet, werden wir das gerne mit vielen Menschen und auch ihm feiern."

Positives Beispiel aus Sachsen

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2016, 14:54 Uhr

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20 Kommentare

27.02.2016 19:26 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 20

#19: Na, wenn Du mich als Gefahr siehst, dann mache ich mich schon mal bereit für deine Freunde! Man will die 'Sicherheitskräfte' ja nicht bei der Beseitigung von Gefahren behindern. Beim MDR liegt meine E-Mail-Adresse vor, und die persönlichen Angaben dort sind korrekt.

27.02.2016 18:14 Hans Scheibner 19

@ 18: Krause, lies mal meine Postings ganz genau und denk mal dabei nach. Ich sage Dir, Du bist auch einer von denen, die das nur sehen, was sie sehen wollen (unser kleiner Dialog ist der beste Beweis dafür). Und solche Leute, die die Zeichen der Zeit verkennen, da lauert die echte Gefahr. (Warte nun auf keine Antwort mehr von mir, entweder kommst Du irgend wann von alleine dahinter oder nicht.)

27.02.2016 17:26 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 18

Lieber Hans Scheibner: bis zur #13 waren wir doch einer Meinung!! Und dann so ein faschistischer Ausrutscher von Dir in der #15??? Ich bin schockiert!!! Sollten sich die Faschos doch schon die taqiyya angewöhnt haben?? Na, dann kommt auf uns ja noch ein richtiges Theater zu!!

27.02.2016 17:11 Hans Scheibner 17

@ 16: Krause, Du widersprichst Dir doch selbst.

27.02.2016 16:51 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 16

@ 15. Hans Scheibner: Solange Du der Überzeugung bist, daß andere 'wirklich nichts verstehen', bin ich eher der Meinung, daß man Dich nicht frei herumlaufen lassen sollte. Toleranz hört sich anders an!!

27.02.2016 16:37 Hans Scheibner 15

@ 13: Krause, ich sehe Du gehörst zu denen, die wirklich nichts verstehen. Hier liegt die wahre Gefahr in der heutigen Zeit.

27.02.2016 13:15 V2Knut 14

@11. [Leonard]: Zitat: "...Leute, die gegen Nazis sind werden vor Gericht gezerrt..." - Meine Meinung: Wenn sie denn Molly noch in der linken Hand haben, während sie in der rechten Hand Che Guevaras Pamphlete halten, habe ich nichts dagegen! Aber: Das passiert so selten... wann eigentlich das letzte Mal?

27.02.2016 12:21 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 13

@ 9: "Du weißt, wen ich meine." Klaro! "Knechte eines totalitären Systems/Glaubens" können ja nur Faschisten und Rassisten sein: bestes Beispiel unser lieber, kleiner Höcke.

27.02.2016 12:04 Wo geht es hin? 12

@Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" Ich nerve schon wieder, ich weiss....Zitat von Ihnen: Es kann doch nicht sein, daß man für jede Flüchtlingsunterkunft eine eigene Sicherheitsmannschaft braucht! Zitat Ende. Der Ehrlichkeit halber sollten Sie aber auch dazu sagen, dass die "Sicherheitsmannschaften" wohl auch zur Aufrechterhaltung der Sicherheit im INNEREN der Einwandererunterkunft dringend notwendig sind, wie ja die vielen Meldungen wie jetzt gerade wieder aus der Nähe von Erdingen (Bayern) bestätigen (37-jähriger Somalier ersticht 22 - jährigen). Dann würde ich Ihnen vollständig recht geben, denn DAS kann ja wohl wirklich nicht die Normalität sein, oder? Solche einseitige Kommentare ärgern mich und deshalb nerve ich weiter, wenn ich so was lese...Schönen Tag wünsche ich Ihnen noch!

27.02.2016 10:54 Leonard 11

Sachsen war schon immer auf dem rechten Auge blind. NSU, Akten Schreddern, Leute, die gegen Nazis sind werden vor Gericht gezerrt usw.