Leipzig : Gedenkdemo gegen Rassismus
Mit einem Gedenkmarsch ist am Sonnabend in Leipzig an Opfer rechter Gewalt erinnert worden. Angaben des Leipziger Initiativkreises Antirassismus zufolge beteiligen sich rund 1.200 Menschen. Die Polizei sprach von 800 Demonstranten. Anlass der Aktion war gewaltsame Tod des Irakers Kamal K. vor genau zwei Jahren. Der 19-Jährige, der wegen religiöser Verfolgung aus seiner Heimat geflüchtet war, war Ende Oktober 2010 von zwei Neonazis am Leipziger Hauptbahnhof niedergestochen worden.
Route führt vorbei an Tatorten
Die Veranstalter erklärten, die Demonstration sei Teil einer bundesweiten Kampagne gegen Rassismus. Der Marsch startete am frühen Samstagabend im Leipziger Süden und endete in Lindenau. Die Route führt an Plätze in Leipzig, an denen in den vergangenen Jahren Menschen aus rassistischen Gründen getötet wurden. Der Initiativkreis geht von sechs rassistisch motivierten Morden aus. Damit liege Leipzig hinter Berlin auf Platz zwei in der bundesweiten Statistik. Deutschlandweit spricht die Initiative von mindestens 183 rechts motivierten Morden seit 1990. Das Bundesinnenministerium geht von 63 Taten aus. Die Polizei begleitete den Gedenkzug mit einem Großaufgebot. Befürchtete Ausschreitungen blieben aus.
Landgericht sah rassistisches Tatmotiv als erwiesen an
Im Prozess um den Mord an den Iraker Kamal K. hatte das Landgericht Leipzig hohe Strafen ausgesprochen: Der 33-jährige Hauptangeklagte wurde wegen Mordes zu 13 Jahren Haft und Sicherheitsverwahrung verurteilt, der 29-jährige Mittäter muss wegen gefährlicher Körperverletzung eine dreijährige Haftstrafe absitzen. Als Tatmotiv nannte das Gericht Fremdenhass. Der beträchtlich vorbestrafte Hauptangeklagte, der das menschenverachtende Gedankengut der Naziszene mit seinen Tätowierungen zur Schau trage, habe "grundlos Streit" mit seinem Opfer gesucht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Angreifer den jungen Iraker mit einem Klappmesser so schwer verletzt hatte, dass dieser noch am gleichen Tag im Krankenhaus starb. Der Haupttäter war jahrelang Mitglied einer rechtsextremen Kameradschaft und trug zur Tatzeit wie sein Kumpane Kleidung der Marke Thor Steinar, mit der die Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene demonstriert wird. Zu Jahresbeginn wies der Bundesgerichtshof eine Revision des Urteils zurück, es ist damit rechtskräftig.
Der Mord an den jungen Iraker hatte immer wieder auch für Aufsehen gesorgt, da die Staatsanwaltschaft in Leipzig ein politisches Motiv in Form von Rassismus für die Tat ausgeschlossen hatte.
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