3. Oktober : Deutschland feiert Tag der Einheit
Am Tag der Deutschen Einheit hat Bundestagspräsident Lammert zu mehr Europa aufgerufen. Als Festredner in der Münchner Staatsoper forderte er vor den 1.500 Gästen eine weitsichtige Politik zur Einigung Europas. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde die Einheit gefeiert.
Mit einem zentralen Festakt in der Münchner Staatsoper hat die Politik am Mittwoch den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Vor 1.500 Ehrengästen, darunter Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel, rief Bundestagspräsident Norbert Lammert zu verstärkter Zusammenarbeit in Europa auf: "In Europa müssen wir heute keine Mauern mehr zum Einsturz bringen",doch um Europa zu vereinigen, brauche es eine besonnene und weitsichtige Politik sowie Bürger, die sich für Europa engagieren.
Die Wiedervereinigung bezeichnete Lammert als Erfolgsgeschichte: "Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben gezeigt, zu welch beispielloser gelebter Solidarität wir Deutsche fähig sind, wenn es darauf ankommt." Dies sei auch eine Botschaft für Europa, sagte Lammert und warnte vor einer neuen Rivalität der Staaten in der Euro-Schuldenkrise. Die Weiterentwicklung Europas liege in deutschem Interesse. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte den Mut und den Freiheitsdrang der früheren DDR-Bürger. Respekt verdiene auch, wie die Menschen in den neuen Bundesländern nach dem Fall der Mauer die Chance ergriffen und dabei große Brüche gemeistert hätten.
Gottesdienst und Bürgerfest
Am Vormittag fand in der Kirche St. Michael ein ökumenischer Gottesdienst statt, bei dem Kardinal Reinhard Marx und der evangelische bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die besondere Verpflichtung Deutschlands für die Zukunft Europas hervorhoben. Beide Bischöfe warnten vor deutschen Alleingängen oder deutscher Überheblichkeit.
Außerdem hatte München seit Dienstag zum traditionellen Bürgerfest eingeladen. Bis zum Nachmittag wurden rund 200.000 Besucher gezählt. Auf einer "Ländermeile" präsentierten sich traditionell die einzelnen Bundesländer.
München ist Gastgeber der zentralen Feier, weil Bayern in diesem Jahr den Vorsitz des Bundesrats hat. Aber auch in Mitteldeutschland sind zahlreiche Veranstaltungen zum 23. Tag der deutschen Wiedervereinigung geplant.
Die Festrede im sächsischen Landtag hielt in diesem Jahr Uwe Tellkamp. Der Autor des Romans "Der Turm" kritisierte darin vor 350 Gästen den Verlust von Maßstäben und Werten bei der Globalisierung. Diese sei "wahrscheinlich richtig", es müsse aber die richtige Balance zwischen Globalisierung und Heimat gefunden werden. Nur daraus komme die Kraft für Veränderungen.
Der 43 Jahre alte Autor aus Dresden hatte in seinem preisgekrönten Roman das Dresdner Bildungsbürgertum in der DDR-Zeit beschrieben. Das Erste strahlt die zweiteilige Verfilmung des Stoffs am 3. und 4. Oktober aus.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich war am Tag der Einheit in Polen, unter anderem bei einem Empfang in der deutschen Botschaft in Warschau. In vielen sächsischen Städten gab es Sonderveranstaltungen. So hatten in Annaberg-Buchholz Ost-West-Paare in den Museen der Stadt freien Eintritt.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nahm nahm mit einer Delegation am offiziellen Festakt in München teil. Zu der Delegation gehörten 15 Frauen und Männer, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren. Später reiste er weiter nach Prag, wo er in der deutschen Botschaft an einer Feierstunde teilnahm, dort wo am 30. September 1989 Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher rund 4.000 DDR-Flüchtlingen mitgeteilt hatte, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen dürfen. Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann mahnte zum Tag der Deutschen Einheit mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft an. Die wachsenden Unterschiede zwischen Reich und Arm sowie zwischen Ost und West gefährdeten den Frieden in der Gesellschaft.
Thüringer Politiker verwiesen zum Jahrestag der Einheit auf Unterschiede zwischen West und Ost. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht rief dazu auf, Ungleichheiten zu überwinden, vor allem im Rentenrecht. Dessen Angleichung sei ein Versprechen und bleibe Arbeitsauftrag an die Politik. Wirtschaftsminister Matthias Machnig forderte einen "Aufbruch Ost" und eine Strategie für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Osten. Am Festakt in München nahm Landtagspräsidentin Birgit Diezel teil. In Erfurt lud die Landesregierung zu einer Feier im Opernahus, an der unter anderem der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, Lieberknecht und Vize-Regierungschef Christoph Matschie teilnahmen.
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Tag der Deutschen Einheit
Am 3.10. 1990 traten Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dem Bundesgebiet bei. Das Datum war im deutschen Einigungsvertrag festgelegt worden. Seither ist der 3. Oktober nationaler Gedenktag und gesetzlicher Feiertag. Die zentrale Feier wird immer von dem Land ausgerichtet, das den Vorsitz im Bundesrat hat. Von 1954 bis 1990 war in der Bundesrepublik der 17. Juni in Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR 1953 als "Tag der Deutschen Einheit" begangen worden.


