Evangelische Kirche in Deutschland EKD-Ratsvorsitzender kritisiert Pegida und AfD

Zum Auftakt der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat ihr Ratsvorsitzender, Heinrich Bedford-Strohm, deutliche Kritik an der Pegida-Bewegung und an der Partei Alternative für Deutschland geübt. Auch die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union bemängelte er.

Kritik an Pegida und der AfD

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (l) und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster
Bedford-Strohm (li.) und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster. Bildrechte: dpa

Bedford-Strohm, der Landesbischof in Bayern ist, sagte am Sonntag in Bremen, wer bei den Demonstrationen von Pegida und AfD mitlaufe, müsse sich im Klaren darüber sein, dass er rechtsradikalen Hetzparolen, die dort geäußert würden, Legitimation verleihe. Wo die Äußerung von Sorge in Hetze umschlage, werde eine rote Linie überschritten.

"Von 'Volksverräter'-Parolen bis zu Brandanschlägen ist es nicht weit", mahnte Bedford-Strohm. Wer in der aktuellen Situation "Gift in die deutsche Gesellschaft streut", stelle sich gegen alles, was das Christentum im Kern ausmache.

EU in Flüchtlingsfrage bislang "unfähig" - Lob für Merkel

Aber auch den Umgang der Europäischen Union mit der Flüchtlingskrise rügte der EKD-Ratsvorsitzende. Bedford-Strohm kritisierte, bisher habe sich die EU als unfähig erwiesen, angemessen mit der Situation umzugehen. Wenn sich Europa wirklich auf seine christlichen Wurzeln berufen wolle, müssten alle Länder zur Aufnahme von Menschen in Not bereit sein. Darüber bestehe in Europa aber keine Einigkeit. Den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen lobte der Ratsvorsitzende. "Der Versuch, uns durch Abschottung die faktisch ja vorhandene massive Not vom Leibe zu halten, wäre ethisch nicht zu rechtfertigen", sagte Bedford-Strohm.

Warnung vor zunehmendem Antisemitismus

Als Gastredner sprach der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Er warnte vor einem zunehmenden Antisemitismus, da viele Flüchtlinge aus Ländern kämen, wo "eine feindliche Einstellung zu Israel normal" sei. Dieses Phänomen sei zurzeit in Frankreich zu beobachten. Es sei daher auch Anliegen der Kirchen, "diesem Antisemitismus entgegenzutreten" und die Flüchtlinge "in unser Wertesystem einzubinden".

Bedford-Strohm stimmte zu: Wenn jetzt Menschen aus Ländern nach Deutschland kämen, in denen Antisemitismus Teile der Kultur mitbestimme, "dann müssen wir ihnen tatsächlich in dieser Hinsicht klare Lernerfahrungen hier zumuten".

Schuster rief die EKD gleichzeitig auf, sich klar von judenfeindlichen Äußerungen des Reformators Martin Luther zu distanzieren. Er kritisierte, die Kirche hätte sich diesem Aspekt bereits deutlich früher widmen können.

Wahlen im Mittelpunkt der Synode

Die EKD-Tagung in Bremen dauert noch bis zum Mittwoch. Im Mittelpunkt stehen die Neuwahl der EKD-Führungsspitze und die Vorbereitungen zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Bedford-Strohm ist seit November 2014 als Ratsvorsitzender oberster Repräsentant der 22,5 Millionen deutschen Protestanten. Bei den Wahlen am Dienstag und Mittwoch gilt der 55-Jährige als aussichtsreichster Anwärter für eine reguläre sechsjährige Amtszeit, nachdem er zunächst unplanmäßig auf Nikolaus Schneider gefolgt war. Dieser hatte das Amt vorzeitig abgegeben, um seiner an Krebs erkrankten Frau beizustehen.

EKD-Synode Der Begriff Synode ist dem griechischen "synodos" entlehnt und bedeutet Zusammenkunft.

Die EKD-Synode ist das Parlament und damit eines von drei Leitungsgremien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - neben dem Rat und der Kirchenkonferenz. Sie hat 120 Mitglieder, sogenannte Synodale, die die 20 Landeskirchen mit rund 23 Millionen Gläubigen vertreten. Von den Delegierten sind 100 durch die Synoden der Mitgliedskirchen gewählt, weitere 20 wurden vom Rat der EKD berufen.

Die Synode kommt in der Regel einmal jährlich im Herbst an wechselnden Orten zusammen. Sie berät und beschließt über Vorlagen und Kirchengesetze.

In Bremen wird auch der 15-köpfige Rat der EKD neugewählt, der dann bis 2021 im Amt bleiben wird und als "Regierung" gilt. Zur Wahl für 14 Sitze stehen 23 Kandidatinnen und Kandidaten. Die Präses der Synode steht als 15. Mitglied im Rat bereits fest.

Ein weiteres EKD-Gremium ist die Kirchenkonferenz, die von den Leitungen der 20 Mitgliedskirchen gebildet wird. Über sie können die Landeskirchen direkt Einfluss auf die Arbeit der EKD nehmen. dpa

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2015, 17:34 Uhr

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36 Kommentare

09.11.2015 18:26 Kowalski 36

Haben Juden nicht letztens auch geäussert das sie sich vor Importiertem Judenhass fürchten?Müsste Strohm dann nicht auch... Tretet aus der Kirche aus!

09.11.2015 15:00 Skid Row 35

Die größten Profiteure als Teil der Asylindustrie und Sozialindustrie. Widerliches heuchlerisches [..., Wort wg. Verstoß gg. die Netiquette verborgen, Anm. d. Red.]. deutschnational.

09.11.2015 14:41 E. Prawda 34

Der IS in Syrien zeigt ja, wie der Islam zukünftig mit Christen umgehen wird. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier dem letzten Christen deutlich gemacht wird, dass er den falschen Glauben hat. Die Haltung der EKD und anderer braucht also keinen Komentar

09.11.2015 12:51 Historiker 33

@27 Klaas aus Holland Ja, das ist traurig, da es mittlerweile Gangs gibt, die in kleinen Gruppen agieren und das Zusammenleben auch mit den 60.000 ausländischen (auch holländischen) Mitbürgern gefährden. Und wöchentlich reisen neue junge Bürger ein. Aber das ist ja in Holland ganz genauso, nur eben nicht so unkontrolliert.

09.11.2015 12:14 kein Beamter 32

Herr Bedfiord-Strohm hat es sehr, sehr gut in Deutschalnd, 12.000 Euro brutto plus Dienstwohnung, Dienstwagen und Fahrer. Da kann man gut barmherzig sein. Für HARTZ IV Aufstocker, kleine Selbständige und Facharbeiter sieht es da im Paradies Deutschland nicht so toll aus. Aber woher soll der graumelierte Herr das wissen.

09.11.2015 12:03 Ein evangelischer Christ 31

Man kann nur hoffen, dass die Worte des Ratsvorsitzenden in möglichst wenigen Kirchgemeinde zur Kenntnis genommen werden, weil sonst eine neue Austrittswelle das Ergebnis sein könnte. Der Ratsvorsitzende hat den Pegida-Verstehern unter seinen Gemeindegliedern nämlich gerade Verrat an den christlichen Grundwerten bescheinigt. Das dürfte etwa 20 - 50 Prozent der Kirchgemeinde-Glieder in Deutschland betreffen. Es bleibt zu hoffen, dass diese zwischen ihrer Kirche und dem Ratsvorsitzenden unterscheiden können.

09.11.2015 11:55 Kein Angepasster 30

Die EKD leitet nun durch ihren obersten Pfarrer eine neue Eskalationsstufe gegen Pegida und Co ein. Pegida streut angeblich "Gift" in die Gesellschaft. Gemeint ist wohl eher die schonungslose und deutliche Kritik an dem autokratischen Führungsstil der Bundeskanzlerin. Es ist klar, dass den Mächtigen im Land diese Kritik missfällt. Wenn nun sogar die Kirchen instrumentalisiert werden bzw. sich instrumentalisieren lassen, zeigt das, dass die Gesellschaft in der schwersten Krise der letzten Jahrzehnte steht. Mit und ohne Pegida.

09.11.2015 11:12 barca 29

Jeder der in Deutschland gegen Pegida ist, bekommt sofort in allen Massenmedien eine Plattform geboten. Pegida wird von diesen Plattformen ausgeschlossen. Dasselbe Problem mit den Medien ist auch in jedem Wahlkampf zu beobachten. Dort haben das Parteienkartell einen ungehinderten Zugriff auf die Medien. Die ,, bösen Parteien" können davon träumen . Unter diesen Gesichtspunkten sehe ich auch diesen Auftritt des Kirchenoberen hier. Wenn Kirche sich in die Politik einmischen will, soll sie es in ihren Kirchen tun.

09.11.2015 11:12 Jens 28

Als Atheist muss es mich ja nicht wirklich interessieren, was weltfremde Kirchenführer von sich geben.

09.11.2015 10:51 Klaas aus Holland 27

@24, ist das nicht traurig?