Energiewende : Streit um steigende Strompreise
Vor dem Treffen von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften am Dienstag im Bundeskanzleramt ist munter über die Entwicklung der Strompreise gestritten worden. Auch um die Kosten der Energiewende soll es gehen, doch Kreise der Regierung widersprechen, dass es einen "Strompreisgipfel" gebe. Vertreten sind neben Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der DGB, der Deutsche Gewerkschaftsbund.
Vattenfall und RWE: Höhere Strompreise unausweichlich
Altmaier warnte im Vorfeld vor einer Verunsicherung der Verbraucher durch "täglich neue Spekulationen" über Strompreise. Die Stromkonzerne rechnen wegen der Energiewende jedoch mit deutlich höheren Preisen, wofür der Staat verantwortlich sei. "Ich gehe davon aus, dass die Rechnung für Privatkunden bis 2020 um bis zu 30 Prozent steigen könnte", sagte Vattenfall-Europa-Chef Tuomo Hatakka der "Süddeutschen Zeitung". Wind- und Solarparks, neue Leitungen und Kraftwerke kosteten in den kommenden zehn Jahren 150 Milliarden Euro; und ein Großteil werde auf die Stromrechnung umgelegt.
"Die Preise für Verbraucher steigen vor allem wegen höherer Umlagen für erneuerbare Energien und Stromnetze", sagte Hatakka weiter. Dabei sieht auch RWE-Chef Peter Terium den Staat als Preistreiber. Er sagte der "Bild"-Zeitung, fast die Hälfte seien Staatskosten, dazu fast ein Drittel für staatlich regulierte Netzentgelte. Die Energie-Wirtschaft selbst sei nur noch für etwa ein Viertel des Strompreises verantwortlich.
Verbraucherschützer werfen den großen Versorgern jedoch schon lange Preistreiberei vor. In den vergangenen Tagen wurden erneut Vorwürfe laut, wonach sinkende Börsenpreise für Strom nie, steigende Kosten aber immer auf der Rechnung der Verbraucher landeten. Die Unternehmen weisen dies unter anderem mit dem Hinweis zurück, ihren Strom auf Jahre im Voraus zu verkaufen. Heutige Preise hätten ihren Ursprung in den Marktbedingungen vergangener Jahre, als die Preise höher gewesen seien.
Derzeit liegt der Börsenpreis für Strom bei 0,05 Euro je Kilowattstunde und so den Angaben zufolge fast auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Der Preis für Haushaltskunden liegt derzeit bei durchscnittlichen 25 Cent je Kilowattstunde, 500 Prozent über dem Börsenpreis.
Im Herbst wird es teurer
Dabei scheint unstrittig, dass auf die Verbraucher höhere Preise zukommen. Es wird erwartet, dass die Umlage zur Ökostrom-Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetze (EEG) wegen des Ausbaus von Solar- und Windenergie 2013 über 3,5 Cent je Kilowattstunde steigt. Über fünf Cent wird spekuliert, doch erst Mitte Oktober entschieden, wie sich die Ökostrom-Förderung im Wahljahr 2013 auswirkt. Strom müsse bezahlbar bleiben, hatte Kanzlerin Angela Merkel im Juni 2011 gesagt: "Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Höhe hinaus steigen." Die 3,5 Cent brachten 2012 rund 16 Milliarden Euro für Wind-, Wasser- und Sonnenstrom; und für Durchschnittsbürger knapp 150 Euro an Kosten in einer Gesamtrechnung von 900 Euro. Nun könnten noch 70 Euro hinzukommen.
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