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UNESCO : Erfurt bringt Bewerbung für Welterbetitel auf den Weg

Mit seinem jüdischen Erbe aus dem Mittelalter hofft Erfurt auf den UNESCO-Weltkulturerbetitel 2017. Zuvor muss die Stadt erst einmal einen Platz auf der nationalen Vorschlagsliste finden - der sogenannten Tentativliste. Einen entsprechenden Antrag zur Aufnahme des jüdischen Erbes in die Weltkulturerbeliste hat Erfurt jetzt an das Land überreicht.

Die Alte Synagoge in Erfurt.

Erfurt ist der Bewerbung um den UNESCO-Weltkulturerbetitel 2017 ein Stück näher gerückt. Vertreter der Stadt übergaben am Dienstag den Antrag für die deutsche Vorschlagsliste an Thüringens Kultusminister Christoph Matschie, der ihn nun an die Kultusministerkonferenz weiterreichen soll. Die Thüringer Landeshauptstadt will, dass ihr mittelalterlich-jüdisches Erbe als international wertvoll geschützt wird.

Alte Synagoge Erfurt
Mit Baubeginn 1094 gilt die Synagoge als älteste bis zum Dach erhaltene in Mitteleuropa.

Anders als ursprünglich geplant, bewirbt sich Erfurt allein. Eine Kooperation mit Rheinland-Pfalz war an dem Widerstand von Mainz, Worms und Speyer gescheitert. Matschie sagte, "Erfurts Antrag ist hochkarätig und hat durchaus allein Chancen". Allerdings habe er sich ein gemeinsames Vorgehen gewünscht, da dies die Erfolgsaussichten erhöhe. Auch Rheinland-Pfalz will sich mit seinem jüdischen Erbe bewerben. Da Deutschland bereits viele Welterbestätten hat, darf es jährlich nur noch einen Antrag bei der UNESCO stellen. Alle Bundesländer können noch bis zum 1. August ihre Vorschläge bei der Kultusministerkonferenz einreichen. Sie entscheidet dann über die Reihenfolge der Objekte, mit denen sich Deutschland ab dem Jahr 2017 bei der UNESCO bewirbt.

Kultusminister Matschie sagte, "wir haben eine doppelte Verpflichtung, das jüdische Erbe zu dokumentieren und zu bewahren". Zum einen, um zu dokumentieren, welche große Bedeutung jüdisches Leben einst für das mittelalterliche Erfurt hatte. Und zum anderen, in Erinnerung an den Holocaust, der auch die einst große jüdische Gemeinde in Erfurt nahezu ausgelöscht hatte.

Mlejnek: Erfurt hat mit einmaligem Schatz gute Chancen

Auch Erfurts Baudezernent Ingo Mlejnek sieht große Chancen, dass die Bewerbung für die Welterbeliste erfolgreich sein wird. Mlejnek sagte MDR INFO, das jüdische Leben im Mittelalter sei bislang nicht auf der Liste vertreten. Es sei der erklärte Wille der UNESCO, solche Lücken zu schließen und nicht die 20. Kathedrale oder die 30. Altstadt aufzunehmen. Mit der Kombination von Alter Synagoge, der dazugehörigen Mikwe und dem "Steinernen Haus" habe Erfurt einen "einmaligen Schatz".

Goldschätze und jüdische Bauten

Wesentlicher Mosaikstein auf dem Weg zur Bewerbung für den Weltkulturerbetitel ist die mittelalterliche Mikwe. Die Reste des jüdischen Ritualbades gehören neben der 900 Jahre alten, fast vollständig erhaltenen Synagoge, dem "Steinernen Haus" und dem jüdischen Goldschatz zu den herausragenden Zeugnissen des einst reichen jüdischen Lebens in Erfurt. Bisher haben in Thüringen bereits das Klassische Weimar, das Bauhaus Weimar und die Wartburg in Eisenach den Weltkulturerbe-Status.

Themenjahr 2014: UNESCO-Welterbe: Thüringen auf dem Weg zum 4. Kulturerbe-Titel?

Hochzeitsring Das Stadtschloss bzw. Residenzschloss von Weimar Außenansicht der Wartburg.

Bisher haben in Thüringen bereits das Klassische Weimar, das Bauhaus Weimar und die Wartburg in Eisenach den UNESCO-Weltkulturerbe-Status. Das jüdische Erbe des Mittelalters in Erfurt soll folgen. Hier gibt's die Bilder. [Bilder]


Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2012, 14:30 Uhr

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